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Ernährungsbedingte Krankheiten (VIII)
Ernährung im Krankheitsfall


Ausschnitt aus "Melancholie" von Cranach d. Ä., Lucas (1532)

Ohne Zweifel trägt nicht alleine die medikamentöse oder operative Behandlung zur Heilung von Krankheiten des Hundes bei, sondern - in vielen Fällen - auch eine spezielle Diät. Solche krankheitsangepassten Nahrungen entlasten die erkrankten Organe und unterstützen oder beschleunigen auf diese Weise die Heilung. Wichtige Krankheitsbilder und die dabei zu beachtenden Ernährungsvorschriften werden im folgenden besprochen. Achtung: Die Befolgung einer speziellen Diät liefert zwar einen entscheidenden Beitrag zur Genesung, ist aber nur ein Teil der tierärztlichen Therapie. Diätnahrungen sind also kein Ersatz für medikamentöse oder sonstige Behandlung, sondern eine wichtige Ergänzung.

Bei gestörter Dickdarmfunktion: Durchfall oder Verstopfung

Durchfall (Diarrhö)
wird als gehäuftes Absetzen von zumeist "ungeformtem" Kot definiert. Ursache ist eine unzureichende Eindickung des Stuhles im Dickdarm, also ein erhöhter Wasseranteil. Grundsätzlich gilt, dass Durchfall ein normaler Versuch des Darmes ist, sich von schädlichen Einflüssen (Noxen) zu befreien. Beispielsweise versucht der Darm bei einer Infektionserkrankung durch beschleunigte Darmpassage (=Durchfall) die Erreger schnell wieder loszuwerden. Durchfälle können zwar durch zahlreiche, medizinisch zu behandelnde Grunderkrankungen verursacht werden - die häufigste Ursache sind jedoch Ernährungsfehler (Aufnahme zu großer Nahrungsmengen, Fütterung verunreinigter Nahrung, plötzliche Änderungen der Ernährung). Wie beim Menschen gilt: Fasten bis zu zwei Tagen kann hier Wunder bewirken. Derweil dürfen mehrmals täglich kleine Mengen warmer Flüssigkeit gegeben werden. Anschließend sollte vorübergehend eine fettarme Nahrung gegeben werden, damit der Darm nicht gleich wieder so stark gereizt wird. Empfehlenswert ist eine ärztlich verordnete Diät mit einem speziellen Diät-Futter. Wichtig: Die tägliche Nahrungsmenge sollte auf mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt werden. Da einige Nahrungsmittel bei manchen Hunden leicht zu Durchfall führen können (z.B. Milch, rohe Eier), sollte auf diese Nahrungsmittel verzichtet werden. Achtung: Verschwindet der Durchfall nach 3-4 Tagen nicht, hat der Hund offensichtliche Schmerzen, ist sein Bauch berührungsempfindlich oder sind stark schleimige oder gar blutige Auflagerungen oder Beimengungen im Stuhl zu beobachten, ist sofortige tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Verstopfung (Obstipation)
ist das Gegenteil des Durchfalls, also ein zu starker Wasserentzug im Bereich des Dickdarms. Die Unfähigkeit Kot abzusetzen kann allerdings auch durch krankheitsbedingte Verschlüsse im Darmkanal, Medikamente oder Erkrankungen des Nervensystems bedingt sein. Die häufigsten Ursachen für Verstopfung sind jedoch Ernährungsfehler (z.B. Fütterung von Knochen, zu geringes Wasserangebot) sowie Bewegungsmangel. Hauptziel einer Ernährungsumstellung nach Beseitigung akuter Verstopfung ist die Vorbeugung. Und zwar muss durch regelmäßige Bewegung und Verwendung einer ausgewogenen Vollnahrung versucht werden, dass der Hund wieder Kot von normaler Konsistenz, Form und Menge absetzt. Achtung: Setzt der Hund länger als eine Woche keinen Stuhl ab, sind Krämpfe oder Blähungen zu beobachten, tritt zusätzlich Erbrechen auf oder macht der Hund einen zunehmend kranken Eindruck, bedarf er dringend einer ärztlichen Behandlung.

Die Verdauungsorgane des Hundes
aus: Bubenzer, R.H.: Ernährungsbedingte Erkrankungen VIII - Ernährung im Krankheitsfall. SV Zeitung, Augsburg: 5/1996

In engem Zusammenhang mit Darmproblemen wie Verstopfung bilden sich oft übermäßige Darmwinde (Flatulenz). Diese sind nicht nur störend, sondern auch Anzeichen von fehlerhafter Ernährung oder Krankheiten. Zu vermeiden sind stark "gasbildend" Nährstoffe wie Hülsenfrüchte, Kartoffeln oder größere Mengen rohen Fleisches. Vi­ta­min­er­gän­zungs­prä­pa­ra­te sind fehl am Platz, da die Vitamine die gasproduzierenden Darmbakterien zu vermehrtem Wachstum anregen können.

Erbrechen: Anzeichen bei vielen Erkrankungen

Hunde haben ein hoch entwickeltes Brechzentrum in ihrem zentralen Nervensystem und können sogar vorsätzlich erbrechen. Zahllose Ursachen können zu Erbrechen führen, z.B. seelische Belastung und Aufregung, Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans, Entzündungen der Eingeweide oder Vergiftungen. Am häufigsten findet der Tierarzt eine akute Magenentzündung (Gastritis), oft zusammen mit einer Darmreizung und Durchfall. Immer ist zu beachten, dass 1.) wertvolle Mineralstoffe beim Erbrechen verloren gehen können und 2.) eine stärkere Magenfüllung den Brechreiz zusätzlich verstärkt. Neben den ärztlichen Behandlungsmaßnahmen ist eine hochverdauliche Nahrung mit geringem Fett- und Fasergehalt empfehlenswert, die auf mehrere Fütterungen pro Tag verteilt werden sollte. Die Futtermenge ist etwa auf die Hälfte des normalen Bedarfs zu vermindern. Ist das Erbrechen dann nach 3-4 Tagen verschwunden, kann diese Diät über weitere drei Tage wieder auf die normale Ernährung umgestellt werden. Bei chronischer Magenentzündung gilt im wesentlichen Ähnliches - nur steht bei dieser Erkrankung die medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Achtung: Länger als 24 Stunden anhaltendes Erbrechen, Leibschmerzen, zunehmende körperliche Schwäche sowie blutige, gallige oder schwarze Beimengungen im Erbrochenen sind Gefahrenzeichen und machen eine tierärztliche Untersuchung und Behandlung notwendig!

Besonderheiten bei einigen Hunderassen: Magenerweiterung und Bauchspeicheldrüsen-Störung

Einige Hunderassen wie z.B. der Deutsche Schäferhund neigen zu einer eigentümlichen Magenerweiterung mit Darmverschlingungen (Magendilatation und Volvulus), deren Ursachen bis heute unbekannt sind. Klar ist nur, dass Anstrengung und Aufregung bei der Fütterung sowie ein hoher Getreideanteil in der verwendeten Nahrung das Problem verschärfen. Hieraus folgen auch die tierärztlichen Ernährungsempfehlungen: Jede körperliche Anstrengung und Aufregung bei der Fütterung ist zu vermeiden. Zudem muss die Nahrung auf mehrere kleinere Mahlzeiten verteilt werden, um eine unnötige Magendehnung zu vermeiden. Dem gleichen Ziel dient das Verbot der unbeschränkten Wasseraufnahme. Eine fettarme, hochverdauliche (Feucht-)Nahrung beschleunigt die Magenentleerung des Hundes und ist deswegen empfehlenswert.

Auch akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) sind bei Hunden nicht selten. Krankheitszeichen sind Schwäche, Appetitlosigkeit mit Erbrechen, oft Durchfall und auch starke Leibschmerzen. Bald kann auch eine allgemeine Austrocknung, Atemprobleme oder Störungen der Herzfunktion eintreten. Erkrankte Tiere benötigen immer eine intensive medizinische Betreuung. Die Diät während der akuten Erkrankung ist einfach: Die Hunde dürfen für mindestens 3-5 Tage absolut nichts fressen oder trinken. Wichtig: Deutsche Schäferhunde haben eine angeborene Neigung zur sogenannten exokrinen Pankreasinsuffizienz. Also einer ungenügenden Bildung von Verdauungsfermenten durch die Bauchspeicheldrüse. Ist diese Erkrankung weiter fortgeschritten, verhungern unbehandelte Hunde trotz reichlicher Nahrungsaufnahme, da sie die Nährstoffe nicht mehr verdauen können. Die lebenslange Behandlung besteht aus Medikamenten, die alle notwendigen Verdauungsfermente enthalten sowie der Gabe einer hochverdaulichen, fettarmen Diät.

Ursachen oft unklar: Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Krankheitszeichen, die im Zusammenhang mit einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit oder -"Allergie" stehen, treten immer häufiger auf. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Entstehung solcher Beschwerden jedoch weitgehend ungeklärt. Sicher ist, dass bestimmte Hunde z.B. auf Rinderprotein oder pflanzliche Eiweiße (Weizenkleber - Gluten) überempfindlich reagieren und dann Durchfall und Störungen des Allgemeinbefindens zeigen. In vielen anderen Fällen, bei denen Beschwerden im Zusammenhang mit der Nahrung auftreten sollen, ist dies wissenschaftlich nicht zu beweisen. Glücklicherweise kann aber der Hundehalter mit einiger Geduld die möglichen allergie- oder überempfindlichkeitsauslösenden Nährstoffe selbst finden und aus der Nahrung ausschalten (Eliminationsdiät). Das Vorgehen ist recht einfach: Eine hypoallergene Nahrung mit eindeutig definierten Eiweißquellen wird über mehrere Wochen gegeben. Normalerweise sollten jetzt die Beschwerden verschwinden. Ist dies der Fall, können einzelne Nahrungsmittel daraufhin geprüft werden, ob sie Beschwerden auslösen. Achtung: Es dauert im Schnitt bis zu einer Woche, bis ein verdächtiges Nahrungsmittel wieder zu Beschwerden führt. Der Suchvorgang kann also recht lange dauern. Ist das verantwortliche Nahrungsmittel gefunden, besteht die Therapie aus der Vermeidung dieses Nahrungsmittels.

Ernährungsrichtlinien bei Erkrankungen anderer innerer Organe

Lebererkrankungen
Die Leber ist das Zentralorgan des Stoffwechsels - alle Nährstoffe aus dem Darm müssen erst diese "Kontrollstation" passieren, bevor sie die übrigen Organe und Gewebe erreichen. Leberkranke Hunde sollten grundsätzlich eine Ernährung bekommen, die wenig, aber dafür äußerst hochwertiges Eiweiß enthält. Eine solche hochverdauliche Nahrung ist unbedingt auf mehrere Mahlzeiten pro Tag zu verteilen, weil sonst die Gefahr einer inneren Stickstoffvergiftung besteht. Alle weiteren Diätempfehlungen hängen von der jeweiligen Grunderkrankung der Leber ab.

Nierenerkrankungen
bleiben oft lange unbemerkt, da die Nieren weitgehende Schädigungen hinnehmen können, ohne dass gesteigerter Durst, vermehrtes Wasserlassen und andere Beschwerden (Erbrechen, Durchfall, Abmagerung) auftreten. Entwickelt sich der Nierenschaden nur langsam weiter, sollte dem erkrankten Hund eine eiweiß-, phosphor- und kochsalzarme Diät gegeben werden. Da wasserlösliche Vitamine oder auch Calcium verstärkt über die Nieren verloren gehen, müssen erkrankte Hunde mit chronischem Nierenversagen verstärkt hiermit versorgt werden. Der Energiebedarf ist über Fette und Kohlenhydrate zu decken. Bei chronischer Nierenentzündung (Glomerulo-Nephritis) ist zudem unbedingt darauf zu achten, dass die Diät salzarm ist, damit sich kein Bluthochdruck entwickelt. Ideal bei Nierenerkrankungen ist eine ärztlich verordnete Diät mit speziellen Diätnahrungen. Harnsteine Bei rund zwei Prozent aller Hunde treten irgendwann Nieren- oder Blasensteine auf. Sie entstehen durch eine krankheitsbedingt veränderte Harnzusammensetzung. Die Behandlung und vor allem Vorbeugung von erneuter Steinbildung durch Diätmaßnahmen hängt von der chemischen Zusammensetzung der Blasensteine ab. Entsprechende Empfehlungen gibt deshalb der Tierarzt. Grundsätzlich gilt: Verstärkte Wasseraufnahme führt zu vermehrter Urinbildung und verringert so die Gefahr der Steinbildung. Deshalb ist immer ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen.

Ursachen von Durchfall
aus: Bubenzer, R.H.: Ernährungsbedingte Erkrankungen VIII - Ernährung im Krankheitsfall. SV Zeitung, Augsburg: 5/1996

Bei Herzkrankheiten
stehen medikamentöse Maßnahmen im Vordergrund. Grundsätzlich sollte eine Diät den Hund mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen und Energie versorgen und zwar in leicht verdaulicher Form. Spezielle Herzdiäten sind zumeist natriumarm (salzarm) und vitaminangereichert. Salzreiche Nahrungsmittel sollten, wie auch bei Nierenerkrankungen, vermieden werden, z.B. Käse, Brot, gebratenes Fleisch, etc. Auch eine ärztlich verordnete Vollnahrung kommt in Frage.

Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
findet sich immer häufiger auch bei Hunden. Der Diabetes tritt oft in Zusammenhang mit Bluthochdruck, Arterienverkalkung und anderen Störungen auf. Bei ausgeprägtem Diabetes ist immer eine gleichartig zusammengesetzte Veterinär-Diät zu verwenden, die fettarm ist und einen hohen Anteil komplexer Kohlenhydrate enthält. Wichtig: Die zumeist übergewichtigen kranken Hunde sind ausreichend und regelmäßig zu bewegen, eine Normalisierung des Körpergewichts ist dringend anzustreben. Kleine Leckereien zwischendurch sind verboten. Diabeteskranken Hunden kann z.B. eine ärztlich verordnete Diätnahrung gefüttert werden.

Zu große Fettanteile im Blut (Hyperlipidämie)
treten bei zahlreichen Erkrankungen auf. Sie führen zu Arterienverkalkung und deren Folgeerkrankungen. Eine Senkung der Blutfette kann durch eine geeignete Diät, die fettarm und faserreich ist, unterstützt werden. Die Selbstzubereitung ist zu vermeiden, da der Fettgehalt solcher Nahrung immer schwankt, was bei kommerziellen Produkten nicht der Fall ist. Die Nahrungszuteilung sollte genau dem Energiebedarf des Hundes entsprechen, da andernfalls überschüssige Energie in Fett umgewandelt und hierdurch die Störung verstärkt wird.

Übergewicht
ist Ursache und Auslöser zahlreicher anderer Erkrankungen und ist deswegen unbedingt zu verhindern. Klar ist, dass Überernährung und körperliche Inaktivität den Hauptanteil an der Entstehung des krankmachenden Übergewichts haben. Hiervon ist bereits in einer vorausgegangenen Folge die Rede gewesen. Klar ist auch, dass Übergewicht nur in einer verschwindend geringen Zahl von Fällen durch Erkrankung hervorgerufen wird. Empfehlenswert ist deswegen die Planung einer Gewichtsreduktion mit dem Tierarzt zusammen. Dieser kann auch eine energiereduzierte Vollnahrung zur Verfügung stellen.

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Folge 20


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