Calcium (Ca) ist ein unverzichtbarer strukturaufbauender Anteil jeden Knochens. Das Mengenelement ist zudem an vielen biologischen Prozessen beteiligt (Muskelkontraktion, Blutgerinnung, Hormonfreisetzung, Nerventätigkeit, u.a.). Grundsätzlich ist Calcium ein Element, das in jeder Körperzelle vorkommt (Mengenelement) und für deren Funktionen unverzichtbar ist. Etwa 1 bis 1,5 Prozent des Körpers besteht aus Calcium, 99 Prozent hiervon sind in den Knochen enthalten. Phosphor (P) wiederum ist - außer im Knochen (80 %) - auch in Weichgeweben (20 %) enthalten und stellt einen integralen Bestandteil des Energiestoffwechsel jeder Zelle dar. Zudem ist Phosphor ein wichtiger Baustein der Zellkerne. Der Phosphorgehalt des Körpers liegt bei 0,5 bis 0,8 Prozent. Nicht alles Nahrungs-Calcium kann vom Darm aufgenommen werden. In Abhängigkeit vom Calciumspiegel im Blut, nimmt ein erwachsener Hund zwischen 5 und 50 Prozent des angebotenen Calciums auf. Die absolute aufgenommene Menge hängt auch von der Qualität der Nahrung, ihrem Calcium-Gehalt, dem Calcium-Phosphor-Verhältnis und von einzelnen Nahrungsbestandteilen ab: So kann ein gesteigerter Phytat-Gehalt (Bestandteil v.a. von Getreiden) der Nahrung die Calcium-Aufnahme im Darm negativ beeinflussen. Die Verwertung von Phosphor variiert mit 46 bis 90 Prozent ebenfalls stark. Bedarf nach wissenschaftlicher Erkenntnis deckenNormale Calcium- und Phosphor-Spiegel im Blut hängen von Trächtigkeit und Säugeperiode
Der Bedarf erwachsener Hunde ändert sich in bestimmten Lebensphasen. Bei graviden Hündinnen sollte in den letzten Wochen der Trächtigkeit die gefütterte Menge an Calcium und Phosphor um etwa 60 Prozent angehoben werden. Der Calciumbedarf beträgt dann rund 160 mg, der von Phosphor etwa 140 mg pro kg Körpergewicht. Dies bedeutet: Liegt der Calcium-Erhaltungsbedarf einer 35 kg schweren Hündin bei täglich 3,5 Gramm, so steigt er um zusätzliche 2,1 Gramm in den letzten Trächtigkeitswochen. Dieser erhöhte Calcium- und Phosphor-Bedarf hat seine Ursache im Wachstum der ungeborenen Welpen. Die Gabe calcium- oder phosphorhaltiger Spezialpräparate erübrigt sich, wenn während Trächtigkeit und Säugeperiode eine hochwertige Vollnahrung gegeben wird. Eine - auch gutgemeinte - Zusatzversorgung mit Calcium, Phosphor oder Vitamin D (durch Mineralstoff- oder Vitaminpräparate) kann zu schweren Schäden von Hündin und Welpen führen. Auch während der Säugeperiode (Laktation) ist ein besonderes Augenmerk auf die Mineralstoff- und Vitaminversorgung zu richten, da mit der Milch beträchtliche Mengen von Calcium und Phosphor abgegeben werden. Liegt der Calciumgehalt der Nahrung zu niedrig, kann es zu der gefürchteten "hypocalcämischen Tetanie" kommen, also schweren Krampfzuständen, infolge eines zu niedrigen Calciumgehalt des Blutes. Der Ca-Bedarf beträgt während der Säugeperiode je nach Welpenanzahl zwischen 250 bis 495 mg Calcium und 175 - 335 mg Phosphor pro Kilogramm Körpergewicht/Tag (siehe Tabelle). Anders als Kuhmilch, hat Hundemilch einen besonders hohen Calcium- und Phosphorgehalt. Dieser steigt zudem während der Säugeperiode kontinuierlich weiter an. Dies dient der Verknöcherung des Welpen-Skeletts, stellt aber für die Mutter eine große Belastung dar. Eine hochwertige Vollnahrung garantiert die artgerechte Versorgung mit diesen Nährstoffen.
Wachstumsphase von Welpen und JunghundenWegen des intensiven Knochenwachstums liegt der Calcium- und Phosphorbedarf von Welpen pro kg Lebendmasse in den ersten beiden Lebensmonaten rund 4-mal höher als beim erwachsenen Hund. Dieser Bedarf nimmt dann mit zunehmender Mineralisierung der Knochen langsam ab. Um ein gleichmäßiges Knochenwachstum und eine gesunde Skelettentwicklung zu erreichen, ist die Versorgung mit Calcium und Phosphor durch Gabe ausgewogener, altersangepasster Vollnahrung zu gewährleisten. Auch für wachsende Junghunde ist die Deckung des Mineralstoffbedarfs von entscheidender Bedeutung. Der häufigste Fütterungsfehler in dieser Lebensphase ist die Überversorgung mit Energie und eine ungenügende Deckung des Ca-Bedarfs (s.u.). Wichtig: Eine mit Hilfe der Nahrung zu erzielende maximale Wachstumsgeschwindigkeit verträgt sich nicht mit den Anforderungen an eine optimale Skelett-Entwicklung von Hunden. Die häufige Empfehlung vieler Züchter, schnellwachsende Junghunde eine Extra-Calciumergänzung - selbst bei Verwendung einer vollständigen und richtig bilanzierten Vollnahrung - zukommen zu lassen, sollte auf keinen Fall befolgt werden. Leistungsangepasste Vollnahrung für Gebrauchshunde
Knochen- und Muskelgewebe wird bei intensiver körperlicher Arbeit vermehrt auf- und abgebaut. Deswegen müssen die knochenaufbauenden Mengenelemente Calcium und Phosphor in ausreichendem Maße in der verwendeten Vollnahrung enthalten sein. Die Muskeln brauchen dagegen während der Aktivität keine zusätzlichen Mengen von Calcium und Phosphor. Eine qualitativ hochwertige Vollnahrung, die an die gesteigerte Leistung angepasst ist, wird den gesteigerten Bedarf von Leistungshunden an Vitaminen und Mineralstoffen problemlos decken können. Fehlen diese, kann der Hund bei körperlicher Ausdauerbelastung krank werden. Auch im Zusammenhang mit Leistungshunden muss darauf hingewiesen werden, dass eine hochwertige Vollnahrung Zusatzpräparate zur angeblichen Leistungssteigerung völlig überflüssig macht. Nicht artgerechte Ca- und P-Versorgung: Schäden v.a. am KnochensystemCalcium-Mangel bei Hunden führt zu vielfältigen Störungen des Skelettsystems, vor allem einem Knochensubstanzverlust (Osteoporose). Hierbei verdünnt sich der mineralische Knochenanteil, Knochenbrüche können auftreten und Zähne werden locker. Wirbelsäulenschäden führen schließlich zu heftigsten Dauerschmerzen. Bei wachsenden Hunden kommt es durch einen Calciummangel zur Fehlentwicklung der Knochen (Osteo-Dystrophie, s.u.). Daneben kann Calcium-Mangel auch zu Krämpfen und Krampfanfällen führen. Phosphormangel in der Nahrung führt bei jungen Hunden zu Rachitis, schlechtem Wachstum und gestörtem Appetit, bei ausgewachsenen Hunden hingegen zu weichen und sich verbiegenden Knochen (Osteomalazie). Die übermäßige Aufnahme von Phosphor, z.B. durch große Mengen phosphorreichen roten Fleisches, bewirkt Symptome eines Calcium-Mangels, da die Aufnahme von Calcium im Darm gestört wird. Da Phosphor über die Nieren ausgeschieden wird, kann die notwendig verstärkte Phosphorausscheidung zur Bildung von Harnsteinen beitragen. Zuviel Calcium in der Nahrung stört ebenfalls die Aufnahme anderer Nährstoffe, z.B. Zink, Magnesium sowie Eisen und kann Mangelsymptome hervorrufen. Erworbene Skeletterkrankungen des HundesErworbene, nicht angeborene Skeletterkrankungen sind gerade bei großen Hunderassen nicht selten. Die wichtigsten Hauptursachen sind Calcium-Mangel, bzw. Phosphor-Überschuss der Nahrung sowie Überfütterung der Hunde. Die häufigste krankhafte, durch Ca-Mangel bedingte Skeletterkrankung des Junghundes ist die erwähnte fibröse Osteodystrophie. Bei dieser Knochenfehlbildung wird zu wenig Knochenhartsubstanz gebildet. Was passiert dabei? Bedingt durch den Calcium-Mangel der Nahrung versucht der Hundeorganismus dennoch allen lebensnotwendigen Körperfunktionen ausreichend Calcium bereitzustellen. Dies bedeutet: Dem wachsenden Junghund steht nicht genügend Calcium für den Knochenaufbau zur Verfügung, beim erwachsenen Hund wird Knochensubstanz abgebaut. Die Folge sind Knochendeformierungen und -verbiegungen beim jungen, erhöhte Knochenbrüchigkeit beim erwachsenen Hund. Begleitet werden diese Symptome von Schmerzen, Durchtrittigkeit und unsicherem Gang. Diese Krankheitsentstehung erklärt auch die besondere Häufigkeit solcher Erkrankungen bei großen Hunderassen. Da diese beim Wachstum besonders viel Calcium brauchen, führt ein Mangel des Mengenelementes besonders häufig und schnell zu Störungen. Ursache des Calciummangels sind fast immer Fütterungsfehler: Insbesondere durch einseitige und überwiegende Ernährung mit Innereien, Muskelfleisch und Getreideprodukten kann der Calciumbedarf des wachsenden Hundes nicht gedeckt werden. Da diese Futtermittel zudem noch besonders phosphorreich sind, verstärkt sich der Calciummangel. Die zweite wichtige Ursache für erworbene Skelett-Erkrankungen liegt in einer übermäßigen Aufnahme von Energie bei den wachsenden Welpen. Dies beschleunigt das Größenwachstum von Knochen und Körper, ohne dass die Mineralisierung der Knochen damit Schritt halten könnte. Wenn aber ein weicher Knochen mit erhöhter Körpermasse belastet wird, sind Wachstumsstörungen des Skeletts unausweichlich. Wichtig: Die meisten erworbenen Knochenveränderungen sind im weiteren Verlauf des Hundelebens nicht mehr umkehrbar! Eine weitere Ursache für vermeidbare Skelettschäden ist schließlich die exzessive körperliche Überbelastung vor allem des wachsenden Hundes. Sie führt nicht nur zu akuten Schäden besonders an den Gelenken, sondern verhindert auch die normale Heilung dieser Defekte; chronische Veränderungen können die Folge sein. Vorbeugung ist allesWenn es also keine Therapie gibt, bleibt dem Hundehalter lediglich eine Vorbeugung von erworbenen Skeletterkrankungen. An erster Stelle steht hierbei die restriktive Fütterung der Welpen, also die Vermeidung von Energie- und Eiweiß-Überversorgung. Die Energie- und Nährstoffversorgung sollte immer dem aktuellen Bedarf der Welpen und Junghunde angepasst sein. Entscheidend ist zudem die artgerechte Versorgung mit den Mengenelementen Calcium und Phosphor im richtigen Verhältnis und Vitamin D. Dies ist mit dem Einsatz einer hochqualitativen Vollnahrung problemlos zu erreichen. Schließlich sollte bei körperlicher Belastung die physiologische (und altersabhängige) Leistungsgrenze des wachsenden Hundes beachtet und keinesfalls überschritten werden. Obwohl diese Zusammenhänge bekannt sind, haben immer noch mindestens 50 Prozent aller großwüchsigen Hunde Symptome eines Calciummangels und 20 Prozent eine, durch Überfütterung ausgelöste Wachstumsstörung. Vielfach sind die Folgen, der im Junghundalter entstehenden Skelettveränderungen Ursache der erst beim erwachsenen Hund auftretenden schmerzhaften und unheilbaren Gelenkerkrankungen, die sich so einfach durch eine artgerechte Verwendung wissenschaftlich bilanzierter Vollnahrungen vermeiden ließen.
Von den erworbenen Erkrankungen des Bewegungsapparates müssen die erblich bedingten Krankheiten abgegrenzt werden. Am bedeutendsten ist die Hüftgelenksdysplasie (HD), eine angeborene Fehlbildung der Hüftgelenke von unterschiedlich starkem Ausmaß. Die HD führt zu einer schmerzhaften, chronischen Entzündung des Hüftgelenks, wodurch sich nach und nach das Gelenk selbst krankhaft verändert. Da es sich um eine Erbkrankheit handelt, ist eine Heilung nicht möglich, genauso wenig wie eine Vorbeugung durch die Ernährung. Aber: Die artgerechte Versorgung mit Calcium, Phosphor und Vitamin D ermöglicht, dass sich der Bewegungsapparat der betroffenen Hunde - soweit dies noch möglich ist - normal entwickelt. Die strikte Verhinderung von Übergewicht trägt ebenfalls dazu bei, die lebenslänglichen Beschwerden zu lindern. Möchten Sie die interaktiven Fragen zu dieser Folge beantworten, klicken Sie bitte hier! |
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