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Ernährungsbedingte Krankheiten (VI)
Ernähren Sie Ihren Hund entsprechend moderner Empfehlungen?


Ausschnitt aus "Diana und Aktäon" von Lucas Cranach d. Ä. 1.Drittel 16.Jh.

Als Vollnahrung bezeichnen wir eine Nahrung, die den Bedarf eines Hundes an Energie und allen lebensnotwendigen Nährstoffen optimal und komplett deckt (Alleinfuttermittel), so verlangt es das Deutsche Futtermittelgesetz mit seinen Ausführungsverordnungen. Interessanterweise sind die rechtlichen Anforderungen an Alleinfuttermittel teilweise schärfer gefasst als das deutsche Lebensmittelrecht (für die Menschen).

Jahrzehntelange Forschungen zur Heimtierernährung ermöglichen es heute, nicht nur den Bedarf eines Hundes an den lebenswichtigen Nährstoffen anzugeben, sondern auch entsprechend zusammengesetzte Vollnahrungen herzustellen. Vollnahrungen nämlich, die die geforderten Nährstoffmengen nicht nur analytisch, sondern auch optimal verdaulich und umsetzbar in den wissenschaftlich empfohlenen Mengen dem Hunde zur Verfügung stellen. Eine bestimmte Nährstoffmenge - z.B. Eiweiß - nützt einem Hund nämlich nichts, wenn sie kaum verdaulich ist, teilweise nicht aufgenommen werden kann oder von geringer Qualität ist. Entscheidend für die Feststellung, ob eine Vollnahrung tatsächlich die an sie gestellten Anforderungen erfüllt - nämlich eine optimale und komplette Deckung der Nährstoffbedürfnisse -, ist also die Anwendungs-Beobachtung. Diese zeigen bei bestimmten Vollnahrungen, dass tatsächlich - auch bei mehrjähriger Beobachtungsdauer - keine Mangelsituationen auftreten, bei bedarfsentsprechender Anwendung ernährungsbedingte Erkrankungen ausbleiben und Gesundheitszustand und Lebensdauer gefördert werden.

Nährstoffbedarf durch große wissenschaftliche Institutionen festgestellt

Die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zum Nährstoffbedarf des Hundes mit den daraus folgenden Empfehlungen werden heute im wesentlichen durch drei wissenschaftliche Organisationen und Einrichtungen formuliert. Auf internationaler Ebene hat das National Research Council (NRC) der USA sehr viel zusammenfassende Grundlagenarbeit geleistet. Hunderte von Ernährungsexperten in aller Welt haben ihre wissenschaftlichen Erkenntnissen hierzu beigetragen. Ergebnis dieser Arbeit sind zusammenfassende Darstellungen des NRCs zum Energie- und Nährstoffbedarf von Hunden und den daraus folgenden, wissenschaftlich begründeten Ernährungsempfehlungen. Das NRC, eine halbstaatliche Einrichtung, hat in gleicher Weise auch für andere Tiere und vor allem auch Menschen entsprechende Grundlagenwerke geschaffen. Ähnlich dem NRC arbeitet in Deutschland die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, die in ihrem Ausschuss für Bedarfsnormen ebenfalls Eckwerte des Nährstoffbedarfes von Hunden und entsprechende Nährstoffempfehlungen verfasst hat. In den Empfehlungen dieser Organisationen gibt es teilweise unterschiedliche Auffassungen zu einigen Fragen. Z.B. wie exakt der Energiebedarf eines einzelnen Hundes berechnet werden kann, ohne dabei zu aufwendige Berechnungen durchführen zu müssen. Grundsätzlich aber gibt es recht weitgehende Übereinstimmung in den Ernährungsempfehlungen.

alternative Möglichkeiten einer ausgewogenen Ernährung von erwachsenen Hunden
aus: Bubenzer, R.H.: Ernährung des gesunden erwachsenen Hundes mit normaler Aktivität. Effem, Verden, 1994

Missliche Lage bei der Menschenernährung

Dies ist anders, als bei den verschiedenen wissenschaftlichen und staatlichen Organisationen in aller Welt, die sich um den Nährstoffbedarf und um Fragen der gesunderhaltenden Ernährung des Menschen kümmern. So weichen z.B. die NRC-Empfehlungen zur Humanernährung deutlich von entsprechenden Empfehlungen in Japan oder Deutschland ab. Die Einschätzung der Bedeutung einzelner Nährstoffe, z.B. Fette oder bestimmte Spurenelemente, ist ebenfalls oft unterschiedlich. Als Begründung wird vermutet, dass der Nährstoffbedarf nationale, bzw. rassische Unterschiede aufweist. Oder, dass regionale Nährstoffunterschiede bei ansonsten gleichen Nahrungsmittel (z.B. Getreide) zu unterschiedlichen Auswirkungen führen. Wie dem auch sei: Es gibt derzeit keine international verbindlichen oder einheitlichen Empfehlungen zur optimalen Versorgung des Menschen mit Nährstoffen. Gäbe es sie, würde dies zudem noch lange nicht bedeuten, dass Menschen hiervon auch profitieren. Zum Beispiel, weil das Lebensmittelrecht in vielen Punkten laxer als das Futtermittelrecht für Tiere ist. Wichtig ist auch, dass weder in der schulischen Ausbildung von Kindern, noch in dem allgemeinen Ernährungswissen der Bevölkerung oder der praktischen Beratungstätigkeit der deutschen Ärzte auf Fragen einer menschengerechten Ernährung Rücksicht genommen wird. Und dies, obwohl klar ist, dass ein Großteil aller menschlichen Erkrankungen ernährungsbedingt zustande kommen, bzw. durch eine schlechte Ernährung beeinflusst werden. Die Chancen für eine menschengerechte Ernährung - trotz vielfältigen und umfangreichen Wissens - stehen also auf absehbare Zeit noch sehr schlecht. Hieran ändert derzeit auch die junge Ernährungswissenschaft nur wenig, da sie überwiegend mit der Planung von Nahrungen für bereits kranke Menschen beschäftigt ist, weniger aber mit der Entwicklung von Ernährungskonzepten zur Krankheitsvorbeugung (Prävention).
Grundsätzlich gilt für eine optimale Menschennahrung das gleiche wie für eine optimale, artgerecht bilanzierte Vollnahrung für den Hund: Sie sollte aus hochwertigen Rohstoffen bestehen und - artgerecht bilanziert - ernährungsbedingte Erkrankungen vermeiden, hochverdaulich und schmackhaft sein und Leistungsvermögen und Lebensdauer positiv beeinflussen. Während, wie besprochen, für Menschen eine solche Ernährung nicht angeboten wird, existiert sie sehr wohl für Hunde.

Zunehmende Verwendung hochwertiger Vollnahrungen für Hunde

Die Analyse der Fütterungsgewohnheiten deutscher Hundehalter zeigt, dass sich der Anteil von, mit Fertignahrungen versorgten Hunde in den letzten Jahrzehnten immer weiter gesteigert hat. Er liegt heute bei über 60 Prozent. Diese Steigerung des Verbrauchs ist nicht allein durch ein steigendes Angebot der Industrie zu erklären. Schließlich wird industriell gefertigte Hundenahrung bereits seit rund 100 Jahren angeboten. Eine wesentliche Erklärung ist vielmehr, dass die heute zur Verfügung stehende Vollnahrung die Ernährungsbedürfnisse der Tiere tatsächlich befriedigt und ernährungsbedingte Erkrankungen damit weitgehend ausgeschlossen werden können. Und hier schließt sich der Kreis: Eine solche Vollnahrung ist erst durch die intensiven Forschungen von Wissenschaftlern in aller Welt möglich gewesen, wogegen in der Anfangszeit von Fertignahrung dieses Wissen noch nicht vorhanden war.

Ernährungsalternativen für den Hund

Die Frage, ob ein Hund mit selbst zubereiteter Nahrung, mit nährstoffmäßig nicht optimiertem Fertigfutter oder mit hochwertiger, artgerecht bilanzierter Vollnahrung ernährt werden soll, ist vor diesem Hintergrund leicht zu beantworten: Die beiden ersten Möglichkeiten scheiden aus ernährungswissenschaftlicher Sicht aus; vor allem, weil langfristig die Gefahr von Nährstoffdefiziten und deren gesundheitsschädigenden Folgen besteht. Wird hingegen eine Vollnahrung verwendet, können ernährungsbedingte Leistungseinbußen oder gesundheitliche Konsequenzen durch fehlerhafte Nährstoffzusammensetzung vermieden werden. Allerdings sind hierbei einige wenige Punkte zu beachten: Grundsätzlich soll die tägliche Futterration dem aktuellen Energiebedarf (= Erhaltungs- und Leistungsbedarf!) des jeweiligen Hundes entsprechen. So wird das so häufige Übergewicht mit zusätzlicher Gefahr von Nährstoffüberversorgung vermieden. Damit vor allem der Energiegehalt, aber auch die übrigen Nährstoffmengen dem Bedarf von Hunden in den verschiedenen Lebens- und Leistungsphasen (z.B. Trächtigkeit, intensiver Sport, alter) entsprechen, muss zudem ein geeignetes ernährungswissenschaftlich vorgesehenes Produkt aus der jeweilig ausgewählten Produkt-Palette eines Herstellers ausgewählt werden. Während z.B. der Energiebedarf eines Deutschen Schäferhundes mit normalem Bewegungsdrang mit normaler Vollnahrung zu befriedigen ist, sollte bei intensiverer körperlicher Aktivität eine energiereichere Vollnahrung eingesetzt werden. Ein weiteres Beispiel, bei dem es neben dem Energiegehalt einer Nahrung auch auf ihre deutlich veränderte Nährstoffzusammensetzung ankommt, ist das Welpen- und Junghundalter. Wegen des besonderen Nährstoffbedarfs der wachsenden Hunde ist in dieser Zeit ein geeignetes Junior-Futter einzusetzen.

Hochwertige Vollnahrung: Positive Auswirkungen in vielen Bereichen

Welche Auswirkungen sind bei einer qualitativ hochwertigen Vollnahrung zu erwarten? Fütterungstests mit renommierten Züchtern Deutscher Schäferhunde, aber auch zahllose Berichte anderer Anwender zeigen, dass schon nach kurzer Anwendungszeit von hochwertigen Vollnahrungen eine Normalisierung der Kotkonsistenz sowie eine Verringerung der ausgeschiedenen Kotmenge eintritt. Dies ist Ausdruck der hohen Verdaulichkeit und Rohstoffqualität. Die Züchter vermerken zudem die hohe Akzeptanz verschiedener Produkte positiv.

Kategorien von Fertignahrungen
aus: Bubenzer, R.H.: Ernährungsbedingte Erkrankungen VI - Ernähren Sie Ihren Hund entsprechend moderner Empfehlungen?. SV Zeitung, Augsburg: 01/1996

Auch die Fellbeschaffenheit, die sich bei längerer Anwendung von qualitativ hochwertiger, artgerechter Vollnahrung oft verbessert, ist ein entscheidender Hinweis für die Qualität der verwendeten Nahrungsbestandteile. Schließlich ist ein glänzendes, geschlossenes Fell mit ausreichendem Fettgehalt (Linolsäure!) auch ein sichtbares Zeichen für einen gesunden und artgerecht ernährten Hund. Die Leistungsfähigkeit eines Deutschen Schäferhundes, so zeigte sich in der Untersuchung mit Züchtern weiter, verbessert sich bei Anwendung solcher Futter - besonders dann, wenn zuvor eine eher schlechte Kondition festzustellen war. Alle Züchter, die am Test teilnahmen, empfehlen deswegen diese hochwertige Vollnahrung weiter. Die im Fütterungsalltag von Züchtern und Haltern Deutscher Schäferhunde bestätigte hohe Akzeptanz von hochwertigen Industrie-Nahrungen ist ebenfalls ein wichtiges Qualitätskriterium; gerade bei Leistungshunden, die oftmals ein sehr energiereiches Futter benötigen. Aus tiermedizinischer Sicht sind Erhalt und/oder Verbesserung von Kotkonsistenz, Fellbeschaffenheit oder Leistungsfähigkeit Anzeichen einer verbesserten Gesundheit. Diese drückt sich auch in einer verbesserten Vitalität, einem leistungsfähigeren Abwehrsystem und einer verlängerten Lebenserwartung aus: Über 20 Jahre reichende Langzeituntersuchungen zeigen, dass mit Einführung artgerechter und hochwertige Hundevollnahrung die Lebensdauer der Hunde um über 20 Prozent zugenommen hat.

Resümee: Auch wenn, wie wir gesehen haben, keine befriedigende Ernährungssituation bei Menschen besteht, gibt es keinen Grund, diese Verhältnisse auf die Heimtiere zu übertragen. Im Gegenteil: Hundehalter sollten verantwortungsbewusst die Chancen der modernen, wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen und ihre Hunde z.B. mit bilanzierter, hochwertiger Vollnahrung versorgen.

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