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Ernährungsbedingte Krankheiten (V)
Biorhythmus des Hundes


Ausschnitt aus "Landschaft mit Kirke und ihren Liebhabern" von Giovanni Battista Luteri um 1514/16

Es klingt verführerisch: Nach Nennung des Geburtsdatums erfährt man, wie es einem - Tag für Tag - in diesem Monat gehen wird; wann man sich körperlich schlecht fühlen wird, wann es einem seelisch gut geht. Alles eine Leistung der Biorhythmus-Bestimmung! Sogar für Hunde können diese Berechnungen angestellt und Aussagen gemacht werden. Unverzichtbar z.B. für Züchter und den Hundesport. Angeblich. Wer würde nicht gerne wissen, wann sein Hund körperlich und seelisch am leistungsfähigsten ist! Leider verdeckt diese Biorhythmus-Lehre, die mehr an Astrologie oder Wahrsagerei erinnert, den wahren Kern hinter den rhythmischen Abläufen im Leben von Mensch und Tier. Dieser wahre Kern, von dem jetzt die Rede sein soll, kann und sollte bei der Hundehaltung durchaus eine wichtige Rolle spielen, z.B. bei den Fütterungs- oder Arbeitszeiten des Hundes.

Doch zuerst einige Worte zu dem halbwissenschaftlichen "Biorhythmus". Die Vorstellung lautet: Körper, Seele und Geist haben "Hochs" und "Tiefs". Und zwar in immer gleichen Abständen, gerechnet vom Tage der Geburt an. Die Zeiträume zwischen zwei "Hochs" unterscheiden sich: seelisch-emotional - 28 Tage, geistig-mental - 33 Tage und körperlich - 23 Tage. Besonders gute Lebensphasen sollen dann vorliegen, wenn alle Wellen gleichzeitig ein Hoch erreichen; besonders schlechte dann, wenn sie alle "in den Keller" gehen. Kritische Lebensphasen ergeben sich bei Kreuzungen der drei Linien miteinander. Mit Hilfe eines Computers lassen sich schnell entsprechende Tabellen herstellen. Auch für Hunde sollen Biorhythmen lebensentscheidend sein. Manche amerikanische Hundesportler berechnen so die angeblich besten Leistungsphasen ihrer Hunde. Aber: Bis heute konnte kein wissenschaftlicher Beweis für die Existenz dieser Biorhythmen gefunden werden.

Alle Lebensvorgänge haben einen eigenen Rhythmus

Dennoch: Diese Lehre von den drei Biorhythmen hat einen wahren Kern, den die moderne Wissenschaft erst allmählich entdeckt. Wichtigste Erkenntnis ist: Jeder Lebensprozess wird durch äußere und innere Einflüsse beeinflusst und läuft zudem in einem bestimmten Zeitrahmen ab.
Beispiel 1: Eintritt der Läufigkeit von Hunden. Dieses Ereignis im Jahresablauf wird durch innere wie äußere Faktoren (Erbgut, Sonnenstand) verursacht und verändert, findet zu "festgelegten" Zeiten statt und ist zeitlich begrenzt.
Beispiel 2: Die biochemische Superfabrik Leber hat zusammengefasst zwei wesentliche Funktionen, nämlich den Aufbau von körpereigener Substanz und den Abbau/Entgiftung. Voll Erstaunen registrierten Leberforscher vor einigen Jahren, dass die Leber diese Aufgabe nicht im gleichen Umfang rund um die Uhr erfüllt. Vielmehr arbeitet sie - streng rhythmisch - nachts vor allem am Abbau von Substanzen, tagsüber aber an der Synthese von lebenswichtigen Baustoffen.
Beispiel 3: Das offensichtlichste Beispiel für einen Biorhythmus ist natürlich das Schlagen des Herzens. Innerhalb einer Minute wechselt das Herz dutzendfach seine Funktion - mal drückt es Blut in den Kreislauf, mal nimmt es zurückfließendes Blut wieder auf. Somit wird es zu einem Taktgeber im gesamten Organismus (das Blut kreist beim frühen Embryo selbstständig, schon lange bevor das Herz entsteht).

Bio-Rhythmen dienen der biologisch sinnvollen Steuerung der Lebensprozesse

Das Herz zeigt auf hervorragende Weise das Wesen von Biorhythmen. Ein Organ oder Funktionskreis (z.B. "Herz-Kreislaufsystem") hat vom Erbgut festgelegte biologische Aufgaben. Damit es diese erfüllt, muss das Organ angeregt werden. Hierfür ist es mit inneren "Impulsgebern" ausgestattet, die eine rhythmische Grundfunktion des Organs bewirken. Ein Herz z.B. hört nicht auf zu schlagen, wenn es vom Körper getrennt wird, sondern erst, wenn es nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe bekommt. Im lebenden Tier erreichen aber auch Nervenimpulse und Hormone das Herz. Diese Impulse aus Gehirn, Rückenmark oder Hormondrüsen können den Herzrhythmus bei Bedarf an neue Situationen anpassen, z.B. körperliche Anstrengung. Übergeordnete Impulsgeber wie das Gehirn hängen ihrerseits von vielen weiteren Einflüssen ab, z.B. seelischem Stress, Ernährungssituation, Wetterlage, Körpertemperatur, Tages- oder Jahreszeit. Hieran wird deutlich, warum die eingangs erwähnte unwissenschaftliche "Biorythmus"-Vorstellung vielen so attraktiv erscheint: Sie ist im Vergleich zur wirklichen Natur weitaus einfacher zu verstehen.

Auch Sonnenflecken beeinflussen Lebewesen

alternative Möglichkeiten einer ausgewogenen Ernährung von Leistungshunden
aus: Bubenzer, R.H.: Ernährung des Leistungshundes. Effem, Verden, 1994

Es gibt Tausende einzelner, rhythmisch arbeitender biologischer Systeme. Alle hängen aber auch miteinander zusammen und ergeben so die typische Individualität eines Tieres. Und: Auch für ein Tier gilt das gleiche wie für ein Organ - es fügt sich als Ganzes in rhythmisch ablaufende Vorgänge der Natur ein. Die wichtigsten Rhythmen sind der Tag-Nacht-Rhythmus, die Änderungen der Erdanziehung (Mondphasen, Gezeiten) und der Wechsel der Jahreszeiten. Erst vor kurzem wurde entdeckt, dass auch die rhythmische Aktivität von Sonnenflecken enormen Einfluss auf Mensch, Tier und Pflanze hat. Ob auch Planeten und Sterne Steuerungsfunktionen für Lebensvorgänge auf der Erde haben, wird zwar untersucht, kann aber noch nicht endgültig beantwortet werden. Immerhin ist bekannt, dass der Zusammenbruch entfernter Sonnensysteme zu einer Änderung der Sonnenfleckenaktivität und einer Strahlenbelastung der Erde führt. Beides beeinflusst lang- und kurzfristige Naturabläufe.

Welche praktische Bedeutung haben diese neuen Erkenntnisse für die Hundehaltung? Es wird deutlich, dass in Hunden verschiedenste Rhythmen (nicht nur drei!) miteinander ablaufen, dass diese zum großen Teil vom Nerven- und Hormonsystem gesteuert werden und dass sie in enger Abhängigkeit von Einflüssen aus Natur und Umwelt stehen. Bekannte und wichtige rhythmisch ablaufende Geschehnisse sind:

  • Läufigkeit (Reproduktionszyklus)
  • Trächtigkeitsdauer
  • Dauer der Wachstumsphase
  • Schlaf-Wachrhythmus
  • Nahrungsaufnahme
  • Verdauungs- und Ausscheidungszyklus
  • Lebensdauer
  • Organfunktionen (Herz, Leber, Gehirn, Augen, etc.)
  • Fellwechsel

Wichtige äußere Impulsgeber dieser rhythmischen Abläufe wurden schon erwähnt. Es sind vor allem die Tages- und Nachtdauer, die Stärke des sichtbaren Sonnenlichtes und die Jahreszeiten. Hinzu kommen die Schwerkraftänderungen der Mondphasen und die Sonnenfleckenaktivität. Wichtige innere Impulsgeber sind wie erwähnt Hormon- und Nervensystem, deren Funktion letztlich vom Erbgut festgelegt wird.

Auch Haltungsbedingungen und Ernährung beeinflussen Lebensrhythmen des Hundes

Betrachtet man die obige Liste rhythmischer Vorgänge des Hundes, ist zu bemerken, dass jede Funktion auch durch die Haltungsbedingungen und vor allem die Ernährung beeinflusst werden kann. So ist klar, dass die zweimalige Hitze der Hündin pro Jahr erst durch die Domestikation zustande gekommen ist. Die Trächtigkeitsdauer, aber noch viel mehr die Dauer der Wachstumsphase kann entscheidend durch die Haltungsbedingungen und die Ernährung beeinflusst werden. Der Schlaf-Wachrhythmus vieler Hunde ist - heute - stark vom Menschen und seiner Umwelt und weniger vom Sonnenstand abhängig. Ein Extremfall ist der Arbeitshund, der des nachts - z.B. auf einem Flugplatz oder als Schutzhund - Dienst tun muss. Die Nahrungsaufnahme, Verdauungs- und Ausscheidungszyklen in der Natur, bzw. bei den Urahnen der heutigen Hunde waren ebenfalls stark durch die Tagesrhythmik beeinflusst. Heute sollte der Mensch diesen Takt vorgeben, von dem viele weitere innere Lebensvorgänge gesteuert werden. Wenn die Lebensdauer auch im wesentlichen erblich vorgeprägt ist, kann sie heute durch die Möglichkeiten moderner Tiermedizin und Tierernährung wesentlich verändert werden. Und zwar vor allem im Sinne einer Lebensverlängerung von Hunden. Dass auch viele Organfunktionen durch menschliche Einflüsse veränderbar sind, wird an vielen vorkommenden Ernährungsfehlern und ernährungsbedingten Krankheiten sichtbar.

Einflussfaktoren auf die Beschaffenheit des Haarkleides
aus: Bubenzer, R.H.: Haut und Fell: Spiegel der Gesundheit. Effem, Verden, 1994

Eine uralte Erkenntnis schon der chinesischen Medizin ist, dass Gesundheit von Mensch und Tier eng mit einer Harmonie innerer und äußerer Rhythmen gleich gesetzt werden kann. Beispiel: Wird ein nachtschlafendes Tier nachts immer wieder künstlich geweckt und hellem Licht ausgesetzt, wird es auf die Dauer krank. Weitere Folgen: Die Phasen seines Reproduktionszyklus verändern sich, die Fellwechselfrequenz schwankt. Artgerechte Hundehaltung bedeutet also, auf die natürlichen Rhythmen zu achten und ihren Einflüssen auf einen Hund nach Möglichkeit nicht entgegen zu wirken. Wird dies nicht beachtet, entstehen Störungen der rhythmisch ablaufenden Organfunktionen und letztlich Krankheit.

Konsequenzen für die Ernährung des Hundes

Bezogen auf die Haltung und Ernährung des Hundes hat dies mehrere Konsequenzen:

  • Der Tagesablauf eines Hundes sollte nach Möglichkeit keinen ausgeprägten Schwankungen unterliegen. Spaziergänge oder Aufenthalt im Freien sollten möglichst immer zu den gleichen Tageszeiten erfolgen.
  • Das Tier sollte die Möglichkeit haben, an den Rhythmen der Natur teilzunehmen, besonders aber an dem Tag-Nachtrhythmus. Praktisch ist deswegen ein Schlafplatz zu fordern, der durch Tageslicht beleuchtet wird. Bei der Haltung im frei stehenden Zwinger ist das kein Problem, oftmals aber in dunklen, schlecht Tageslicht-beleuchteten Wohnungen.
  • Der Spruch "Schlafende Hunde weckt man nicht", sollte im eigentlichen Sinn befolgt werden.
  • Wichtig: Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein direktes Training für viele Organsysteme, z.B. den Bewegungsapparat. Durch gesteigerten Energieverbrauch wirkt sie auch Übergewicht entgegen. Doch sie hat auch eine weitere Funktion: Läuft der Hund, tut er dies in rhythmischer, gleichmäßiger Weise. Dies wird zu einem Impulsgeber für andere Lebensvorgänge, z.B. die Wachheit und Aufmerksamkeit eines Hundes.
  • Wird Medikamenteneinnahme bei kranken Hunden notwendig, sollte der Einnahmezeitpunkt genau mit dem Tierarzt besprochen werden. Zahlreiche Medikamente haben aufgrund der, im Tagesablauf unterschiedlichen Stoffwechselabläufe auch unterschiedliche Wirkungen.
  • Egal wie oft der Hund am Tag gefüttert wird (am besten nur einmal), sollte dies immer zur gleichen Tageszeit erfolgen. Hierdurch werden insbesondere die Verdauungsfunktionen rhythmisiert, d.h. normalisiert. Besonders die Ausscheidung wird hierdurch erleichtert, Verstopfung wird selten.
  • Nach Möglichkeit ist eine hochwertig, artgerecht bilanzierte Vollnahrung zu verwenden, um Störungen der Organfunktionen, ernährungsbedingten Erkrankungen und anderen Folgen falscher Ernährung vorzubeugen.

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