Es klingt verführerisch: Nach Nennung des Geburtsdatums erfährt man, wie es einem - Tag für Tag - in diesem Monat gehen wird; wann man sich körperlich schlecht fühlen wird, wann es einem seelisch gut geht. Alles eine Leistung der Biorhythmus-Bestimmung! Sogar für Hunde können diese Berechnungen angestellt und Aussagen gemacht werden. Unverzichtbar z.B. für Züchter und den Hundesport. Angeblich. Wer würde nicht gerne wissen, wann sein Hund körperlich und seelisch am leistungsfähigsten ist! Leider verdeckt diese Biorhythmus-Lehre, die mehr an Astrologie oder Wahrsagerei erinnert, den wahren Kern hinter den rhythmischen Abläufen im Leben von Mensch und Tier. Dieser wahre Kern, von dem jetzt die Rede sein soll, kann und sollte bei der Hundehaltung durchaus eine wichtige Rolle spielen, z.B. bei den Fütterungs- oder Arbeitszeiten des Hundes. Doch zuerst einige Worte zu dem halbwissenschaftlichen "Biorhythmus". Die Vorstellung lautet: Körper, Seele und Geist haben "Hochs" und "Tiefs". Und zwar in immer gleichen Abständen, gerechnet vom Tage der Geburt an. Die Zeiträume zwischen zwei "Hochs" unterscheiden sich: seelisch-emotional - 28 Tage, geistig-mental - 33 Tage und körperlich - 23 Tage. Besonders gute Lebensphasen sollen dann vorliegen, wenn alle Wellen gleichzeitig ein Hoch erreichen; besonders schlechte dann, wenn sie alle "in den Keller" gehen. Kritische Lebensphasen ergeben sich bei Kreuzungen der drei Linien miteinander. Mit Hilfe eines Computers lassen sich schnell entsprechende Tabellen herstellen. Auch für Hunde sollen Biorhythmen lebensentscheidend sein. Manche amerikanische Hundesportler berechnen so die angeblich besten Leistungsphasen ihrer Hunde. Aber: Bis heute konnte kein wissenschaftlicher Beweis für die Existenz dieser Biorhythmen gefunden werden. Alle Lebensvorgänge haben einen eigenen RhythmusDennoch: Diese Lehre von den drei Biorhythmen hat einen wahren Kern, den die moderne Wissenschaft erst allmählich entdeckt. Wichtigste Erkenntnis ist: Jeder Lebensprozess wird durch äußere und innere Einflüsse beeinflusst und läuft zudem in einem bestimmten Zeitrahmen ab. Bio-Rhythmen dienen der biologisch sinnvollen Steuerung der LebensprozesseDas Herz zeigt auf hervorragende Weise das Wesen von Biorhythmen. Ein Organ oder Funktionskreis (z.B. "Herz-Kreislaufsystem") hat vom Erbgut festgelegte biologische Aufgaben. Damit es diese erfüllt, muss das Organ angeregt werden. Hierfür ist es mit inneren "Impulsgebern" ausgestattet, die eine rhythmische Grundfunktion des Organs bewirken. Ein Herz z.B. hört nicht auf zu schlagen, wenn es vom Körper getrennt wird, sondern erst, wenn es nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe bekommt. Im lebenden Tier erreichen aber auch Nervenimpulse und Hormone das Herz. Diese Impulse aus Gehirn, Rückenmark oder Hormondrüsen können den Herzrhythmus bei Bedarf an neue Situationen anpassen, z.B. körperliche Anstrengung. Übergeordnete Impulsgeber wie das Gehirn hängen ihrerseits von vielen weiteren Einflüssen ab, z.B. seelischem Stress, Ernährungssituation, Wetterlage, Körpertemperatur, Tages- oder Jahreszeit. Hieran wird deutlich, warum die eingangs erwähnte unwissenschaftliche "Biorythmus"-Vorstellung vielen so attraktiv erscheint: Sie ist im Vergleich zur wirklichen Natur weitaus einfacher zu verstehen. Auch Sonnenflecken beeinflussen Lebewesen
Es gibt Tausende einzelner, rhythmisch arbeitender biologischer Systeme. Alle hängen aber auch miteinander zusammen und ergeben so die typische Individualität eines Tieres. Und: Auch für ein Tier gilt das gleiche wie für ein Organ - es fügt sich als Ganzes in rhythmisch ablaufende Vorgänge der Natur ein. Die wichtigsten Rhythmen sind der Tag-Nacht-Rhythmus, die Änderungen der Erdanziehung (Mondphasen, Gezeiten) und der Wechsel der Jahreszeiten. Erst vor kurzem wurde entdeckt, dass auch die rhythmische Aktivität von Sonnenflecken enormen Einfluss auf Mensch, Tier und Pflanze hat. Ob auch Planeten und Sterne Steuerungsfunktionen für Lebensvorgänge auf der Erde haben, wird zwar untersucht, kann aber noch nicht endgültig beantwortet werden. Immerhin ist bekannt, dass der Zusammenbruch entfernter Sonnensysteme zu einer Änderung der Sonnenfleckenaktivität und einer Strahlenbelastung der Erde führt. Beides beeinflusst lang- und kurzfristige Naturabläufe. Welche praktische Bedeutung haben diese neuen Erkenntnisse für die Hundehaltung? Es wird deutlich, dass in Hunden verschiedenste Rhythmen (nicht nur drei!) miteinander ablaufen, dass diese zum großen Teil vom Nerven- und Hormonsystem gesteuert werden und dass sie in enger Abhängigkeit von Einflüssen aus Natur und Umwelt stehen. Bekannte und wichtige rhythmisch ablaufende Geschehnisse sind:
Wichtige äußere Impulsgeber dieser rhythmischen Abläufe wurden schon erwähnt. Es sind vor allem die Tages- und Nachtdauer, die Stärke des sichtbaren Sonnenlichtes und die Jahreszeiten. Hinzu kommen die Schwerkraftänderungen der Mondphasen und die Sonnenfleckenaktivität. Wichtige innere Impulsgeber sind wie erwähnt Hormon- und Nervensystem, deren Funktion letztlich vom Erbgut festgelegt wird. Auch Haltungsbedingungen und Ernährung beeinflussen Lebensrhythmen des HundesBetrachtet man die obige Liste rhythmischer Vorgänge des Hundes, ist zu bemerken, dass jede Funktion auch durch die Haltungsbedingungen und vor allem die Ernährung beeinflusst werden kann. So ist klar, dass die zweimalige Hitze der Hündin pro Jahr erst durch die Domestikation zustande gekommen ist. Die Trächtigkeitsdauer, aber noch viel mehr die Dauer der Wachstumsphase kann entscheidend durch die Haltungsbedingungen und die Ernährung beeinflusst werden. Der Schlaf-Wachrhythmus vieler Hunde ist - heute - stark vom Menschen und seiner Umwelt und weniger vom Sonnenstand abhängig. Ein Extremfall ist der Arbeitshund, der des nachts - z.B. auf einem Flugplatz oder als Schutzhund - Dienst tun muss. Die Nahrungsaufnahme, Verdauungs- und Ausscheidungszyklen in der Natur, bzw. bei den Urahnen der heutigen Hunde waren ebenfalls stark durch die Tagesrhythmik beeinflusst. Heute sollte der Mensch diesen Takt vorgeben, von dem viele weitere innere Lebensvorgänge gesteuert werden. Wenn die Lebensdauer auch im wesentlichen erblich vorgeprägt ist, kann sie heute durch die Möglichkeiten moderner Tiermedizin und Tierernährung wesentlich verändert werden. Und zwar vor allem im Sinne einer Lebensverlängerung von Hunden. Dass auch viele Organfunktionen durch menschliche Einflüsse veränderbar sind, wird an vielen vorkommenden Ernährungsfehlern und ernährungsbedingten Krankheiten sichtbar.
Eine uralte Erkenntnis schon der chinesischen Medizin ist, dass Gesundheit von Mensch und Tier eng mit einer Harmonie innerer und äußerer Rhythmen gleich gesetzt werden kann. Beispiel: Wird ein nachtschlafendes Tier nachts immer wieder künstlich geweckt und hellem Licht ausgesetzt, wird es auf die Dauer krank. Weitere Folgen: Die Phasen seines Reproduktionszyklus verändern sich, die Fellwechselfrequenz schwankt. Artgerechte Hundehaltung bedeutet also, auf die natürlichen Rhythmen zu achten und ihren Einflüssen auf einen Hund nach Möglichkeit nicht entgegen zu wirken. Wird dies nicht beachtet, entstehen Störungen der rhythmisch ablaufenden Organfunktionen und letztlich Krankheit. Konsequenzen für die Ernährung des HundesBezogen auf die Haltung und Ernährung des Hundes hat dies mehrere Konsequenzen:
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