Vitamine - ein Zauberwort der modernen Ernährung. Hohe Erwartungen - z.B. auf Leistungssteigerung oder Heilung von vielen Krankheiten - werden oft mit diesen Substanzen verbunden. Die hier vorgestellten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, warum Vitamine für die Ernährung des Hundes entscheidend, aber dennoch keine Wundermittel sind. Vitamine sind lebensnotwendige Nährstoffe, die der Organismus nicht selbst oder nicht in ausreichenden Mengen herstellen kann. Sie müssen deswegen in der Nahrung enthalten sein. Sind sie es nicht, kommt es zu Stoffwechselstörungen mit Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen. Die Vitamine gehören verschiedenen chemischen Stoffklassen an, sind also ganz unterschiedlich aufgebaut. Dennoch ist ihre Funktionsweise im Körper oft sehr ähnlich: Sie nehmen nämlich an vielen Stoffwechselprozessen als Katalysatoren teil, vermitteln also Reaktionen, ohne selbst daran beteiligt zu sein. Da Vitamine also nicht wie andere Nährstoffe "verbraucht" werden, benötigt der Hund nur relativ geringe Mengen in der täglichen Nahrung. Diese müssen aber auch in der richtigen Menge enthalten sein, die der Hund tatsächlich benötigt. Besonders gut ist dies möglich, wenn eine hochwertige Vollnahrung eingesetzt wird. Eine wichtige Vitamineinteilung sollte jeder Hundehalter kennen: Vier der 12 für einen Hund wichtigen Vitamine lösen sich nicht in Wasser, sondern nur in Fetten und Ölen. Sie heißen deswegen fettlösliche Vitamine. Die anderen sind die wasserlöslichen Vitamine. Diese Einteilung hat für die Beurteilung des Vitamingehaltes von Nahrungsmitteln, von angeblich leistungssteigernden Vitaminzubereitungen oder für das Verständnis von Vitaminmangel- oder Überschusserkrankungen enorme Bedeutung. Jahrzehntelange wissenschaftliche Untersuchungen haben dazu geführt, dass der Vitaminbedarf von Hunden weitgehend aufgeklärt werden konnte. Dies gilt auch für einzelne Lebensphasen wie Trächtigkeit, Säugeperiode, Wachstum oder Leistung. Bei fettlöslichen Vitaminen kommt es leicht zur Überdosierung
Vitamin A Vitamin D Vitamin E Vitamin K Bei wasserlöslichen Vitaminen ist die Mangelversorgung häufiger
Thiamin (Vitamin B1) Chronische Mangelsituationen werden durch Störungen des Nervensystems deutlich: Erbrechen, Krämpfe, Muskelschwäche oder auch Kreislaufstörungen. Eine akute Überdosierung von Thiamin führt zu einem raschen Abfall des Blutdrucks und durch Ausfall des Atemzentrums zum Tode. Riboflavin (Vitamin B2) Pantothensäure Niacin Pyridoxin (Vitamin B6) Folsäure Biotin Cobalamin (Vitamin B12) Wichtige Unterschiede zwischen fett- und wasserlöslichen Vitaminen
Da fettlösliche Vitamine im Organismus gespeichert werden können, bewirken sie bei Überdosierung leichter Gesundheitsstörungen, als wasserlösliche Vitamine. Diese werden schnell über die Nieren ausgeschieden. Bei fettlöslichen Vitaminen treten bei nicht bedarfsgerechter Zufuhr nicht sofort Mangelerscheinungen auf, da zuerst die gespeicherten Vitamine freigesetzt werden. Fehlen wasserlösliche Vitamine in der Nahrung, ist dies dagegen rasch - u.U. schon nach wenigen Tagen - festzustellen. Hitze, Sauerstoff und Licht zerstören VitamineVitamine sind empfindliche Stoffe, die leicht durch die Anwesenheit von Sauerstoff, Licht und Hitze zerstört werden können. Folge: Vitaminmangel beim Hund. Aus diesem Grund werden bei wissenschaftlich bilanzierten Vollnahrungen den Rohmaterialien bei der Produktion Vitamine zugesetzt. So - und nur so - kann garantiert werden, dass alle für den Hund lebensnotwendigen Vitamine auch in der Nahrung enthalten sind. Bei der Selbstzubereitung von Hundenahrung ist es dagegen nahezu unmöglich, den Vitamingehalt entsprechend der wissenschaftlichen Empfehlungen optimal zu gestalten. Übrigens: Immer wieder ist zu hören, dass künstliche Vitamine eine schlechtere Wirksamkeit hätten, als natürliche. Dies stimmt nicht, da künstliche Vitamine die gleiche chemische Struktur und Wirkung haben wie die natürlichen Vitamine. Leistungssteigerung durch Vitamine?Der große Erforscher des Vitamin C's (welches der Hund nicht benötigt!), der Nobelpreisträger Prof. Dr. Dr. Linus Pauling und viele seiner Schüler, waren der Ansicht, dass enorme Mengen Vitamin C die Abwehrkraft des Körpers und die Lebenserwartung des Menschen verlängern. Auch jahrzehntelange Forschungen anderer Wissenschaftler konnten dies nicht bestätigen. Eine Leistungssteigerung irgendwelcher Organfunktionen (z.B. der Muskeln) durch gesteigerte Vitamingabe findet weder beim Menschen noch beim Hund statt. Konsequenzen für die Fütterungspraxis sind offensichtlichBei Verwendung einer artgerecht bilanzierten und auf die jeweiligen Lebensphasen des Hundes angepassten Vollnahrung ist eine Ergänzung der Nahrung durch Vitaminpräparate völlig überflüssig. Wie oben dargestellt, ist sie aber (leider) nicht wirkungslos: Die durch Vitaminergänzung leicht mögliche Überdosierung führt oft zu Krankheitserscheinungen. Deswegen gib es nur zwei Anwendungsgebiete von Vitamin-Ergänzungspräparaten: * Bei Verwendung selbst zubereiteter Nahrung, bei der durch Kochen viele Vitamine zerstört werden. Allerdings ist die notwendige genaue Dosierung der Vitamine nicht möglich. * Bei Vitaminmangel-Erkrankungen, die entweder durch Fehlernährung hervorgerufen wurden oder durch eine andere Erkrankung z.B. des Darmes bedingt sind. Hierbei werden Vitamine wie Medikamente nach ärztlicher Verordnung eingesetzt, bis die Erkrankung geheilt ist. Grundsätzlich gilt deswegen für die Ernährung eines Hundes: Die Verwendung einer hochwertigen Vollnahrung bietet keinen Raum für eine zusätzliche Vitaminergänzung, da diese einfach überflüssig ist und Schäden hervorrufen kann. Möchten Sie die interaktiven Fragen zu dieser Folge beantworten, klicken Sie bitte hier! |
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| © multi MED vision - Berliner Medizinredaktion, 1992-2010. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht: Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich. Impressum. |
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