Ernährungsbedingte Erkrankungen IIIn der letzten Folge haben wir die bedeutendsten Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen besprochen: Nämlich die Überversorgung mit Energie und Bewegungsmangel und dem hieraus folgenden Übergewicht der betroffenen Hunde. In der vorliegenden Folge sollen nun weitere Ernährungsfehler vorgestellt werden, die die Gesundheit des Hundes beeinträchtigen, seine Leistungsfähigkeit verringern und seine Lebensdauer verkürzen können. Das Auftreten solcher Folgen ist um so bedauerlicher, da sie in vielen Fällen bei vorausschauender und gewissenhafter Ernährung vermeidbar sind. Zum Beispiel durch den Einsatz hochwertiger, artgerecht zusammengesetzter Vollnahrungen. Menschliche Nahrungsmittel können Gift für Hunde seinMenschliche Nahrungsmittel sind, wie die folgenden Beispiele zeigen, oftmals für die Ernährung von Hunden untauglich. Und zwar nicht nur, weil sie oft einseitig zusammengesetzt und arm an lebenswichtigen Nährstoffen sind, sondern weil sie in manchen Fällen schlicht und einfach giftig wirken können. So sind z.B. Nüsse für Hunde von Nachteil, da sie einen hohen Phosphorgehalt haben und deswegen leicht zu Blasensteinen oder Störungen des Knochenstoffwechsels führen können. Walnüsse sind sogar giftig. Zwiebeln, besonders rohe, führen bei Hunden zu Blutarmut, da ihre Inhaltsstoffe die roten Blutkörperchen zerstören (Blutarmut). Andere Nahrungsmittel, wie z.B. Hülsenfrüchte führen durch ihren sehr hohen Faser- und Eiweißgehalt zu Überaktivität der Darmbakterien. Dies kann Bauchkrämpfe und eine unangenehm gesteigerte Darmwinde ("Flatulenz") bewirken. Zudem enthalten manche Hülsenfrüchte Fermenthemmstoffe, die die Eiweißverdauung behindern (z.B. Sojabohnen). Alle fleischhaltigen Nahrungsmittel vom Essenstisch, aber auch Käse und Essensreste, sollten ebenfalls nicht einem Hund verfüttert werden, da ihre Zusammensetzung nicht seinen Nährstoffbedürfnissen entspricht. Stark gesalzene Nahrung (gesalzenes Fleisch oder Fisch), Seewasser oder Pökellake können u.a. zu Bluthochdruck und Nierenschäden führen. Schließlich ist noch vor der Verfütterung gebratener oder gegrillter Speisen, vor allem Fleisch, zu warnen: Der hohe Fettgehalt, Salz und Gewürze sowie Röststoffe sind für die Ernährung von Hunden nicht geeignet!
Bei Süßigkeiten für Menschen gilt im allgemeinen: Sie sind für Hunde mehr als überflüssig, weil sie mit ihrem hohen Zuckergehalt zuviel Energie liefern und gleichzeitig arm an wichtigen Nährstoffen sind. Dies beinhaltet vor allem die Gefahr von Übergewicht des Hundes. Einseitige Fütterung mit viel schokoladenhaltigen Süßigkeiten kann zu Vergiftungen (z.B. Krampfanfälle) durch das Schokoladengift Theobromin führen. Bei salzhaltigem Gebäck besteht hingegen die Gefahr von Bluthochdruck sowie Nierenschäden. Besteht trotzdem der Wunsch, dem Hund zwischendurch, z.B. als Belohnung, "etwas Gutes" zu gönnen, sind kleine "Leckereien" erhältlich, die auf seine Ernährungsbedürfnisse zugeschnitten sind. Überversorgung mit Vitaminen - auch eine VergiftungDie Überversorgung mit Vitamin A ist eine Folge von andauernder, übermäßiger Aufnahme des fettlöslichen Vitamins. Dies kann durch eine zu gut gemeinte Gabe von Vitaminpräparaten bedingt sein, aber auch durch einseitige Verfütterung von Vitamin A-haltigen Nahrungsbestandteilen, z.B. Fischleberölen. Folgen dieses Ernährungsfehlers sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Gelenkschmerzen oder bleibende Gelenkknorpelschäden. Krankheitszeichen infolge zu hoher Vitamin D-Spiegel im Körper ("Hypervitaminose D") sind bei einer artgerechten Ernährung ebenfalls ausgeschlossen. Auch hier ist die übereifrige Versorgung mit entsprechenden Vitaminzusätzen die häufigste Ursache, wenn z.B. Störungen im Verdauungstrakt, Appetitlosigkeit, großer Durst oder übermäßige Harnausscheidung in Folge der Hypervitaminose D auftreten. Längerfristige Folgen sind vorzeitige Verkalkung der Knochen, evtl. tödliche Nierenschäden oder Kalkeinlagerungen in vielen Organen. Rohes Fleisch schädigt die Gesundheit des HundesBei der Versorgung mit Calcium ist nicht alleine die Calciummenge entscheidend, sondern auch das richtige Mengenverhältnis von Calcium und Phosphor. Die häufigste Folge eines Calciummangels und der hieraus resultierenden Überfunktion der Nebenschilddrüsen sind Skelettschäden (Lahmheit, Haltungsschäden, Laufprobleme, Knochenschmerzen, häufige Knochenbrüche). Übrigens: Übermäßige und nicht artgerechte Versorgung mit Phosphor führt zu genau den gleichen Krankheitszeichen. Die häufigste Ursache ist eine einseitig zusammengesetzte Ernährung auf der Basis rohen Fleisches. Dieses enthält nicht nur zu wenig Calcium, sondern darüber hinaus auch noch große Mengen an Phosphor. Beispiel: Mageres Rindfleisch enthält pro 1,7 MegaJoule verdaulicher Energie nur rund 23 mg Calcium, aber 585 mg Phosphor (also ein Verhältnis von 1 zu 25). Das gesundheitlich notwendige Verhältnis von Calcium zu Phosphor beträgt jedoch 1,2 zu 1 (bis 2 zu 1). Mageres Fleisch dürfte also nur zwischen 16 und 19 mg Phosphor enthalten, enthält aber bis zu 37 mal mehr von diesem Mengenelement. Hinzu kommt, dass bei überwiegender Verfütterung fettarmen Fleisches (sowie Leber und Niere) eine Eiweißüberversorgung möglich ist. Fettreiches Fleisch wiederum kann zu einem Eiweißmangel führen. Schließlich fehlen bei solch einseitiger Ernährung faserreiche Ballaststoffe, die für die Darmbewegung und das Absetzen des Kotes unerlässlich sind. Fleisch ist also als alleiniges Futtermittel für Hunde keineswegs geeignet. Für Wurstwaren gilt ähnliches: Ihr hoher Fettanteil, bei gleichzeitig niedrigem Vitamin- und Mineralstoffgehalt, macht sie ungeeignet für die Ernährung des Hundes; genauso wie der erwähnte hohe Salzgehalt. Innereien und Schlachtabfälle führen zwar weniger schnell zu ernährungsbedingten Erkrankungen, sind aber dennoch nicht ernährungsphysiologisch ausgewogen zusammengesetzt. Hinzu kommt, dass starke Schwankungen der Nährstoffkonzentrationen, z.B. bei Pansen, möglich sind. Es gilt also: Eine einseitige Ernährung mit Innereien und Schlachtabfällen ist zu vermeiden. Besser ist die Verwendung einer artgerecht zusammengesetzten Vollnahrung. Krankheitserreger in der NahrungÜber Futter oder Wasser kann der Hund neben Parasiten, Bakterien und Viren auch Giftstoffe verschiedener Art aufnehmen. Zudem kann ein Hund - z.B. über Giftköder - eine Vergiftung bekommen. Im Zusammenhang mit der Ernährung ist jedoch vor allem die Verwendung von keramischen Fress- und Wassernäpfen mit Weichglasuren von Bedeutung. Diese enthalten oft bleihaltige Farbstoffanteile, die herausgelöst werden und in Nahrung und Trinkwasser gelangen können. Folge ist eine chronische Bleivergiftung.
In Futtermitteln tierischer Herkunft finden sich häufig Parasitenzwischenformen, also Wurmlarven (Finnen). Unter diesen haben die Bandwurmfinnen die größte Bedeutung. Sie finden sich in Schlachtabfällen vom Rind, besonders dem Bauchfell, Dickdarmaußenhaut und eventuell auch an den Vormägen. Die Finnen des dreigliedrigen Bandwurms kommen besonders in Lunge und Leber von Wiederkäuern (Rind, Schaf, Ziege) und Schweinen vor. Bandwurmfinnen sind aber auch in Kaninchen- und Hasenfleisch sowie in Mäusen und Ratten zu finden. Von den tierischen Einzellern (Protozoen) sind besonders die sog. Toxoplasmen und Sarkosporidien in (rohen) Futtermitteln tierischer Herkunft zu beachten: Toxoplasmen rufen z.B. Fieber, Gehirnerkrankungen und Schädigungen vieler lebenswichtigen Organe hervor. Gefrorene Schlachtabfälle hoch belastet mit SalmonellenDurch Bakterien in Futtermitteln wurden früher häufig Erkrankungen wie Tuberkulose, Brucellose oder Milzbrand übertragen. Milzbrandsporen und andere Erreger kommen immer wieder in importierten Futtermitteln vor. Salmonellen sind auf rohen Innereien, aber auch in Tiermehlen und Fischmehl recht häufig zu finden. Untersuchungen zeigen, dass bis zu 6 % der im Handel befindlichen tiefgekühlten oder gefrorenen Schlachtabfälle salmonellenverseucht sind. Viele Bakterien führen nicht selber zu Erkrankungen, sondern bewirken schwere Vergiftungen (Erbrechen, Durchfall) allein durch ihre Stoffwechselprodukte (Toxine). Diese Giftbildung kann im Verdauungstrakt passieren, aber auch schon in den verderbenden Nahrungsmitteln. Das bekannteste Beispiel ist die Verseuchung von Futtermitteln durch das Gift der Botulinusbakterien (Wurstvergifter), das Botulismus-Gift. Es zählt zu den giftigsten und tödlichsten Stoffen überhaupt. Die letzte Gruppe von Krankheitserregern sind die Viren. Der Erreger der Aujeszkyschen Krankheit (Pseudowut) ist am wichtigsten, da sich der Hund bei der Aufnahme von kontaminiertem Material (Fleisch oder Schlachtabfälle - besonders vom Schwein) vermutlich bereits im Rachenraum infiziert und diese Erkrankung stets tödlich verläuft. Ähnlich wie die Bakterien können auch Schimmelpilze, wie sie bei falscher Lagerung (feucht, warm) von Futtermitteln pflanzlicher Herkunft intensiv wachsen, Giftstoffe bilden, die sog. Mykotoxine. Von den über 100 bekannten giftbildenden Pilzen spielt besonders der Pilz Aspergillus flavus eine wichtige Rolle. Er wächst auf Ölrückständen, aber auch Getreide und Getreideprodukten. Seinem Gift gegenüber, dem Aflatoxin, sind Hunde besonders empfindlich. Schon bei geringen Mengen im Futter werden bereits schwere Vergiftungen (Fressunlust, Erbrechen, Gelbsucht, Leberschäden, Absterben der Früchte, plötzliche Todesfälle) beobachtet. Neben Pilzen vermehren sich bei ungünstigen Lagerungsbedingungen von Trockenfuttermitteln auch Milben und Insekten. Außer Futtermilben werden der Gemeine Speckkäfer, bei höheren Umgebungstemperaturen auch Reismehlkäfer gefunden. Nach Aufnahme von Futtermitteln mit diesen Insekten bzw. Milben können Erbrechen und Durchfälle auftreten. Befallene Futtermittel sollten nicht mehr verfüttert werden.
Viele Gifte werden erst durch Speicherung im Körper gefährlichErhöhte Mengen von anorganischen Giftstoffen (z.B. Blei, Arsen, Fluor, Kupfer) können unter bestimmten Bedingungen in Futtermitteln tierischer Herkunft vorkommen, da diese Schwermetalle sich in manchen Geweben anreichern. So werden Fluor und Blei vorrangig in Knochen gespeichert, Kupfer in Leber und Niere, Arsen in Leber und Haaren, Quecksilber in der Niere. Aber auch der Hund speichert diese Gifte. Z.B. das über sein Futtergeschirr (s.o.) aufgenommene Blei in den Knochen. Folgen können Appetitlosigkeit, Erbrechen, Verstopfung, Schmerzen, Krampfanfälle, Blutarmut oder Nierenschäden sein. Bei den organischen Giften, also Substanzen die vor allem aus Kohlenstoff und Wasserstoff aufgebaut sind, sind vor allem die chlorierten Kohlenwasserstoffe zu nennen, die v.a. in importierten Futtermitteln noch vorkommen können. Sie werden vorrangig im Fett gespeichert, ohne jedoch den Gesundheitszustand in jedem Fall zu beeinflussen. Wird das Fettgewebe aber abgebaut (Abmagerung, Laktation), sind Störungen möglich (u.a. bei Saugwelpen durch erhöhte Aufnahme über die Muttermilch). Als natürliche Gifte werden Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln bezeichnet, die bei einseitiger Verwendung oder ungenügender Zubereitung schädlich für den Hund sein können. Ein Beispiel sind die Trypsin-Hemmstoffe. die z.B. in rohem Eiklar oder rohen Sojabohnen enthalten sind. Sie hemmen die Wirkung eiweißverdauender Fermente und führen so zu Störungen des Verdauungssystems. Umweltgifte schließlich können dem Hund ebenfalls gefährlich werden. Beispielsweise wenn er aus Pfützen oder Gewässern trinkt, die Wasser aus intensiv mit stickstoffgedüngten Feldern enthalten. Aber auch organische Düngemittel können schwere Vergiftungen hervorrufen, z.B. nach Aufnahme von Gartendünger, der Rizinussamen enthält. Solche Dünger, die häufig mit Hornspänen vermischt werden, besitzen für Hunde offenbar eine hohe Akzeptanz. Das im Rizinussamen enthaltene Ricin wirkt für Hunde bereits in geringen Mengen hochgiftig. Von entscheidender Bedeutung für die krankheitsvorbeugende Ernährung von Hunden ist also die Verwendung artgerecht auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zusammengesetzter Vollnahrung. Gesundheitsstörungen und Erkrankungen der beschriebenen Art brauchen nicht befürchtet zu werden, wenn hochwertig verarbeitete Vollnahrungen verwendet werden. Der Grund liegt in den hohen Qualitätsanforderungen, die an die Rohmaterialien gestellt werden. Die ständige Qualitätskontrolle der Einzelfuttermittel, z.B. vom Schlachthof garantiert, genauso wie die Qualitätskontrollen bei der Produktion, dass qualitativ hochwertige Vollnahrungen hergestellt werden, die frei von Schad- oder Giftstoffen ist. Zudem ist bei bedarfsgerechter Fütterung weder ein Mangel an lebensnotwendigen Nährstoffen noch ein Überschuss zu befürchten. Werden schließlich einseitige Nährstoffmangel sowie -überversorgungen vermieden und die Vollnahrung in bedarfsgerechter Menge verfüttert, sind die besten Effekte in Hinsicht Gesundheitsvorsorge, Leistungsfähigkeit, Fellzustand, Fortpflanzungsfähigkeit oder Lebensdauer zu erzielen.
Möchten Sie die interaktiven Fragen zu dieser Folge beantworten, klicken Sie bitte hier! |
| ||||||||
|
|
| © multi MED vision - Berliner Medizinredaktion, 1992-2011. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht: Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich. Impressum. |
||
© multi MED vision - Berliner Medizinredaktion, 1992-2011. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht:
Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich.



