Home Kurs Forum Rezepte Beratung Infos / ?
Klicken Sie hier, um zur Homepage von Fressi-Fressi.de zu kommen
 

Ernährungsbedingte Erkrankungen (I)
Falsch: Viel hilft nicht viel


Der Maler Sattler mit seiner Dogge

Ausschnitt aus "Der Maler Sattler mit seiner Dogge" von Wilhelm Maria Hubertus (1870)

Ernährungsbedingte Erkrankungen von Hunden entwickeln sich durch die Fütterung von Nahrung, die nicht in artgerechter Weise auf die Nährstoffbedürfnisse des Hundes abgestimmt ist. Entweder ist sie falsch und unausgewogen zusammengesetzt oder sie wird - häufig - in unangemessenen Mengen verfüttert. Aus wissenschaftlicher Sicht, so zeigen Ergebnisse langjähriger veterinärmedizinischer Forschungen, können ernährungsbedingte Erkrankungen vermieden werden. Und zwar durch die Verwendung einer artgerecht zusammengesetzten Vollnahrung in bedarfsgerechter Menge.

Die häufigste Folge von gesundheitlich bedeutsamen Ernährungsfehlern ist das Übergewicht ("Adipositas"). Medizinisch betrachtet ist Übergewicht zumeist eine Folge von verstärkter Einlagerung von Fett, die weder an die Größe eines Hundes, noch an sein alter oder Geschlecht angepasst ist. Fettgewebe hat vielfältige Funktionen. Zum Beispiel den mechanischen Schutz von Organen, die Ausformung der Körperkonturen oder die Wärmeisolation. Fettgewebe ist aber auch ein ganz wesentliches Speicherorgan für Energie: Der Organismus lagert mit der Nahrung aufgenommene Energie (v.a. aus Kohlenhydraten und Fetten) im Fettgewebe ein, wenn diese Energie auf längere Sicht nicht benötigt wird. Der biologische Sinn dieser Fetteinlagerung ist ursprünglich eine Überbrückung von anhaltenden Nahrungsmangelperioden. Die übermäßige Fettspeicherung wird sinnlos, wenn eine regelmäßige Nährstoffversorgung des Tieres gewährleistet ist, wie dies heute der Fall ist. Wichtig: Anders als viele Nährstoffe, die bei übermäßiger Zufuhr leicht wieder ausgeschieden werden können (z.B. wasserlösliche Vitamine), kann überschüssige Energie nicht einfach wieder ausgeschieden werden. Wäre dies möglich, gäbe es weder bei Mensch noch Tier jemals Übergewicht.

Normalgewichtige, gesunde und erwachsene Hunde haben einen Körper-Fettanteil von rund 20 Prozent. Steigt das normale Körpergewicht um 10 bis 20 Prozent an, liegt der Fettanteil bei 28 bis 35 Prozent. Etwa jeder vierte Hund in der westlichen Welt, so stellen Tierärzte fest, hat Übergewicht. Ein noch höherer Anteil findet sich bei älteren Hunden und bei Hündinnen.

Hauptursachen: Überfütterung und Bewegungsmangel

Energie im Stoffwechsel des Tieres
aus: Bubenzer, R.H.: Energie im Stoffwechsel des Tieres. Effem, Verden, 1994,

Warum speichert nun aber ein mehr oder weniger übergewichtiger Hund Energie in seinem Fettgewebe? Grundsätzlich gibt es hierfür drei Gründe.
1.) An erster Stelle steht die Überversorgung des Hundes mit energiehaltiger Nahrung.
2.) Besonders bei älteren Hunden ist - bei eigentlich angemessener Energiezufuhr - auch ein Bewegungsmangel verantwortlich zu machen.
3.) In seltenen Fällen kann schließlich auch eine Stoffwechselerkrankung zu Übergewicht führen.

zu 1.) Die Überversorgung mit Energie kann durch eine Überfütterung sowohl mit artgerecht zusammengesetzter wie mit nicht artgerecht zusammengesetzter Nahrung zustande kommen. Entscheidend ist die Energiedichte der Nahrung, von der zuviel gefüttert wird. Beispiel: Wird einem älteren und bewegungsarmen Hund eine energiereiche, industriell produzierte Vollnahrung für Leistungshunde gefüttert, nimmt der Hund zuviel Energie auf. Diese wird dann gespeichert und führt letztlich zu Übergewicht. Der aktive Leistungshund hingegen braucht diese gesteigerte Energiezufuhr, weil er sonst die geforderte körperliche Leistung nicht erbringen könnte. Problematisch wird es, wenn einem Hund eine energiereiche und falsch zusammengesetzte Nahrung gegeben wird, z.B. fettreiche Schlachtabfälle. Hierbei entwickelt sich nicht nur ein Übergewicht, sondern es können durch die unausgewogene Nährstoffversorgung noch weitere gesundheitliche Störungen auftreten.

zu 2.) Der wissenschaftlich festgestellte Nährstoff- und Energiebedarf eines Hundes, wie er sich in den Ernährungsempfehlungen z.B. des US-amerikanischen National Research Councils ausdrückt, orientiert sich an normal aktiven Hunden in den jeweiligen Lebensphasen (Welpen und Junghunde, erwachsene Hunde, tragende oder säugende Hündinnen, alte Hunde). Bekommt ein Hund jedoch wesentlich weniger Bewegung bei gleichbleibender Futtermenge, muss er die nicht verwendete Energie speichern. Und zwar wieder in Fettgewebe. Andauernder Bewegungsmangel bei verhältnismäßig zu hoher Energiezufuhr führt also unweigerlich zu Übergewicht.

zu 3.) Stoffwechselerkrankungen mit der Folge Übergewicht treten im Vergleich zu den zuvor genannten Ursachen selten auf. Sie sind durch Veränderungen in den Ernährungsgewohnheiten alleine nicht zu bekämpfen. Die Basismaßnahmen bestehen deswegen aus ärztlicher Behandlung der Grunderkrankung.

Fatale Folgen von Übergewicht: Das "metabolische Syndrom"

Das National Research Council
aus: Bubenzer, R.H.: Aufnahme von Nährstoffen mit der Nahrung SV Zeitung, Augsburg: 02/1995.

Bei Übergewicht können zahlreiche medizinische Folgeprobleme auftreten. Zum einen bekommen Hunde durch das erhöhte Körpergewicht Probleme mit dem Knochen- und Bewegungsapparat. Zum anderen lässt das übermäßig mit der Nahrung angelieferte Fett zahlreiche Folgekrankheiten vor allem der Blutgefäße, des Stoffwechsels aber auch des Abwehrsystems entstehen.

* Die Gewichtsbelastung hat besonders bei jungen und wachsenden Hunden fatale Auswirkungen, da sie die gesunde Entwicklung der Knochen stört. Bei erwachsenen und älteren Hunden entwickelt sich hingegen ein Teufelskreis aus Übergewicht und Bewegungsarmut, der sich negativ auf die Gesundheit des Bewegungsapparates auswirken kann. Schäden an Gelenkknorpeln, Schmerzen oder Verschlimmerung einer bestehenden Arthrose sind nur einige Folgen.

* Überschüssige Energie wird übrigens nicht nur in Fettgewebe eingelagert, sondern auch in zahlreichen anderen Geweben und Organen. Z.B. in den Blutgefäßen. Hierdurch entwickelt sich nach und nach eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose), die zu Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt führen kann. Die gesteigerte Energiespeicherung führt auch zu Störungen der Kohlenhydratverarbeitung, die sich letztlich in einer Zuckerkrankheit äußern kann. Mediziner nennen diese Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck, Arteriosklerose und Zuckerkrankheit das "metabolische Syndrom" (Syndrom X). Erschwert wird dieses Problem, wenn durch selbst zubereitete Nahrung ein Übermaß an Kohlenhydraten verfüttert wird.

Übrigens: Übergewicht lässt sich tierärztlich eindeutig durch Vergleich von Körpergröße, Rasse, Geschlecht und alter mit dem Körpergewicht sowie der Messung der Hautfaltendicke (besonders am Ansatz der Rippenbögen) bestimmen! "Schwere Knochen" oder andere, gelegentlich zu hörenden Entschuldigungen für ein Übergewicht können damit problemlos entkräftet werden. Einzig die Trächtigkeit ist eine Lebensphase mit normaler - und vorübergehender - Gewichtszunahme.

Eine besonders bedauerliche Form der Fehlernährung, die vor allem durch Energieüberversorgung zustande kommt, ist die forcierte Aufzucht von Welpen. Bei hierdurch erhöhter Wachstumsgeschwindigkeit führt das rasch entstehende Übergewicht - bei scheinbar guter körperlicher Verfassung - zu zeitweiligen Überbelastungen von Gelenkknorpel und Wachstumsfugen der Knochen. Dies zeigt sich spätestens beim erwachsenen Hund an fatalen Auswirkungen auf Knochengesundheit und Bewegungsfähigkeit. Zudem hat die Trägheit und Bewegungsunlust intensiv aufgezogener Welpen negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kreislauforganen, Muskulatur und Skelett.

Abhilfe: Artgerecht zusammengesetzte Vollnahrung in bedarfsgerechter Menge füttern

Empfehlungen zum Umgang mit übergewichtigen Hunden sind so einfach zu geben, wie es oft schwer wird, diese langfristig durchzuführen: Steht eine Überversorgung mit Energie im Vordergrund, muss die Nahrungsmenge verringert werden. Die Energieaufnahme sollte auf etwa 50% der, für einen normalgewichtigen Hund empfohlenen Menge, reduziert werden. Eine Nulldiät ist zwar auch effektiv, ist aber wegen ihrer Risiken nur unter ärztlicher Kontrolle durchzuführen! Eine ausgezeichnete Methode ist auch die Verwendung von hochwertigen Vollnahrungen mit verringertem Energieanteil. Dies garantiert, dass Hunde während der Reduktionsdiät weiterhin mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt werden und keine Mangelerkrankungen auftreten, wie dies bei Verwendung etlicher energiearmer "Spezialdiäten" passieren kann.

Steht der Bewegungsmangel im Vordergrund des Übergewichtes, sollte der Hund mehr bewegt werden. Die gleichzeitige Verringerung der Nahrungsenergiemenge - entweder durch weniger Futter oder eine energieärmere Vollnahrung - ist die beste Maßnahme. Bei alten bewegungsarmen Hunden, die vielleicht sogar unter krankheitsbedingten Gelenkschmerzen leiden, ist vor allem die Energiemenge der Nahrung zu verringern. Wichtig: Eine rasche Gewichtsreduktion ist aus medizinischer Sicht nicht empfehlenswert, da sie neue Risiken beinhaltet. Anzustreben ist immer eine langfristige Gewichtsreduktion bei gleichzeitiger Ernährungsumstellung.

Knochen- und Gelenkerkrankungen oft ernährungsbedingt

Bubenzer, R.H.: Ernährungsbedingte Erkrankungen des Deutschen Schäferhundes I.
aus: Bubenzer, R.H.: Ernährungsbedingte Erkrankungen des Deutschen Schäferhundes I. SV Zeitung, Augsburg: 2/1995.

Neben dem Übergewicht und seinen Folgen gibt es eine weitere Gruppe von ernährungsbedingten Erkrankungen, die im tierärztlichen Alltag zu schaffen macht: Dies sind Störungen der Knochenentwicklung und Knochenerkrankungen, die im wesentlichen durch eine nicht artgerechte Versorgung mit Mineralstoffen und/oder Vitaminen entstehen. Dies ist bereits ausführlich in den vorausgegangenen Folgen behandelt worden. Dennoch: Da diese ernährungsbedingten Erkrankungen so häufig sind, seien hier noch einmal die wesentlichen Fakten zusammengestellt.

Die gesunde Knochenbildung und der normale Knochenstoffwechsel hängen vor allem von der bedarfsgerechten Versorgung mit den Mengenelementen Calcium und Phosphor sowie dem Vitamin D ab. Mangelt es an einem oder mehreren dieser Nährstoffe, kommt es zu Störungen des Knochenaufbaus sowie des normalen Knochenstoffwechsels. Zum Teil mit schweren Fehlbildungen oder Knochenerkrankungen. Ähnliche Gefahren bestehen bei Überversorgung mit diesen Nährstoffen. Und: Wissenschaftliche Forschungen zeigen, dass vor allem die Mineralstoffe Calcium und Phosphor in der Nahrung in einem bestimmten Mengenverhältnis zueinander stehen müssen, damit es nicht zu Erkrankungen kommt (Calcium:Phosphor = 1,2:1 bis 1,4:1). Das für den Knochenstoffwechsel unerlässliche Vitamin D ist ebenfalls in eng begrenzten Mengen lebensnotwendig für Hunde: Sowohl ein Zuviel als ein Zuwenig führt zu Erkrankungen. Eine artgerecht zusammengesetzte Vollnahrung gewährleistet, dass ein Hund diese Nährstoffe in richtiger Menge und im richtigen Verhältnis zueinander erhält. Sind bereits ernährungsbedingte Erkrankungen aufgetreten, ist auf jeden Fall ein Tierarzt zu Rate zu ziehen. Die zusätzliche Gabe von Mineralstoff- oder Vitaminergänzungspräparaten ohne ärztliche Verordnung ist in keinem Fall empfehlenswert, da sich die vorliegenden Probleme nur verschärfen oder sogar neue auftreten können. Zudem besteht bei Verwendung einer hochwertigen Vollnahrung absolut kein Bedarf an Ergänzungspräparaten.

Das Haarkleid ist ein Spiegel der Ernährung

Ernährungsbedingte Haarveränderungen treten meist nicht sehr typisch in Erscheinung. Sie können sich in Glanzlosigkeit und Mattigkeit des Haares, in fettigem, öligem Haar oder in Sprödigkeit und leichter Brüchigkeit äußern. Wenn ein ansonsten gesunder Hund eine unbefriedigende Fellqualität hat, sollte immer der Verdacht auf eine falsche Ernährung fallen. Eine nicht artgerecht zusammengesetzte Ernährung, der Mangel oder auch Überschuss an bestimmten Nährstoffen führt fast regelmäßig zu Veränderungen der Fellbeschaffenheit. Beispiel: Fehlen ausreichende Mengen der essentiellen Linolsäure in der Hundenahrung, kommt es unter anderem zu einem rauen, trockenen Haarkleid, Hautverdickungen und Haarausfall. Ebenso können eine Energieüberversorgung (s.o.) sowie überwiegende Fleischfütterung Fellprobleme begünstigen.

Möchten Sie die interaktiven Fragen zu dieser Folge beantworten, klicken Sie bitte hier!

Interaktiver Kursus
Folge 13

Folge 1 Fragen 1
Folge 2 Fragen 2
Folge 3 Fragen 3
Folge 4 Fragen 4
Folge 5 Fragen 5
Folge 6 Fragen 6
Folge 7 Fragen 7
Folge 8 Fragen 8
Folge 9 Fragen 9
Folge 10 Fragen 10
Folge 11 Fragen 11
Folge 12 Fragen 12
Folge 13 Fragen 13
Folge 14 Fragen 14
Folge 15 Fragen 15
Folge 16 Fragen 16
Folge 17 Fragen 17
Folge 18 Fragen 18
Folge 19 Fragen 19
Folge 20 Fragen 20
Folge 21 Fragen 21

Fressi-Fressi.de von multi MED vision - Berliner Medizinredaktion Fressi-Fressi.de von multi MED vision - Berliner Medizinredaktion Fressi-Fressi.de von multi MED vision - Berliner Medizinredaktion
© multi MED vision - Berliner Medizinredaktion, 1992-2010. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht:
Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich. Impressum.
Fressi-Fressi.de von multi MED vision - Berliner Medizinredaktion

© multi MED vision - Berliner Medizinredaktion, 1992-2010. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht:
Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich.