Kein Körpergewebe hat die einmaligen Eigenschaften der Knochen: Knochengewebe befindet sich nicht nur in ständigen Auf- und Abbauprozessen (wie andere Körpergewebe auch), sondern ist auch beim erwachsenen Tier in der Lage vollständig neu zu entstehen. Diese so genannte Morphogenese, vergleichbar zu den Vorgängen im ungeborenen Embryo, wird genauso wie der normale Knochenstoffwechsel durch eine Vielzahl von Hormonen gesteuert. An der Spitze steht das Osteogenin - das grundlegende Steuerungsinstrument der Knochensynthese. Neben weiteren Wachstumshormonen gibt es drei Hormone (Parathormon, Kalzitonin oder Vitamin D), die den Stoffwechsel von Kalzium und Phosphor direkt regulieren - den Mineralien also, die wesentlichster Bestandteil des mineralischen Knochengerüstes sind. Das Organsystem Knochen und Gelenke als Teil des Bewegungsapparates besteht aus verschiedenen Anteilen. Der weiche Form gebende Bindegewebe-Anteil ("Knochenmatrix") und der mineralisierte Hart-Anteil des Knochens, der sich beim Hund erst nach der Geburt ausbildet. In den langen Röhrenknochen, in Anteilen des Beckens oder des Schädelknochens finden sich zudem Hohlräume, die das Knochenmark als lebenslange Quelle der roten Sauerstoff tragenden Blutkörperchen beherbergen. Knochen: Vielfältige Aufgaben im Organismus
Knochen haben im Laufe der Evolution der Säugetiere eine Vielzahl unentbehrlicher Funktionen entwickelt. Ins Auge fällt ihre Funktion bei der Aufrechterhaltung der Körperintegrität - ohne ein knöchernes, festes Skelett könnten Tiere auf dem festen Land gar nicht über eine bestimmte Größe hinaus wachsen. Übrigens: Zu dieser stützenden Skelettfunktion ("passiver Bewegungsapparat") gehören noch andere Körpergewebe, v.a. die eiweißreichen, knochenverbindenden Bänder (Ligamenti) und Zwischenwirbelscheiben (Disci), aber auch bestimmte Muskeln und Sehnen, ohne die der - von den Knochen vorgegebene - Körperzusammenhalt verloren gehen würde. Ebenso offensichtlich ist die Funktion der Knochen als Teil des aktiven Bewegungsapparates: Die mechanische Kraftentwicklung, zu der Muskeln als einzigem Körpergewebe befähigt sind, würde wirkungslos im Raum verpuffen, gäbe es nicht ein festes Bezugssystem von Knochen-Ansatzpunkten, auf die die Kraft als Bewegung übertragen werden könnte. Diese Kraftübertragung wird oftmals nicht direkt von Muskeln auf Knochen übertragen, sondern über die äußerst reißfesten aber doch elastischen Sehnen, die viele Knochen und Muskeln miteinander verbinden. Knochen haben aber noch eine Reihe weiterer Funktionen, an die seltener gedacht wird: Hierzu gehören weitere Schutzfunktionen - besonders für die inneren Organe (Rippen des Brustkorbes) und das Gehirn (Knochenschale des Schädels). In unterschiedlichem Ausmaß sind Knochenhohlräume des Schädels zudem an anderen Funktionen wie Kälteisolation oder Hörfunktion beteiligt. Das Fettgewebe im Markraum von Röhrenknochen wiederum kann zur Energiegewinnung herangezogen werden (Speicherfunktion). Für die, im Knochen mineralisierten Mengenelemente Kalzium und Phosphor ist Knochengewebe der wichtigste Speicher. Immerhin enthält der Körper eines Hundes rund 1 bis 1,5 Prozent Kalzium, 98 Prozent davon im Skelett. Der Phosphorgehalt liegt bei 0,5 bis 0,8 Prozent, allerdings befindet sich nur 80 Prozent im Knochengewebe, der Rest in den anderen Körperzellen und Körperflüssigkeiten. Entscheidend für den Knochenstoffwechsel: Kalzium und Phosphor
Kalzium ist eine unverzichtbare strukturelle Komponente jedes Knochens. Das Mengenelement ist zudem an vielen biologischen Prozessen beteiligt, die von der Muskelkontraktion über die Blutgerinnung bis zur Hormonfreisetzung reichen. Wichtig ist Kalzium auch bei der Erregungsleitung der Nerven. Grundsätzlich ist Kalzium ein Element, das in jeder Körperzelle vorkommt ("Mengenelement") und für deren Funktionen und damit das Überleben eines Organismus unverzichtbar ist. Phosphor wiederum ist außer im Knochen zu 20 Prozent auch in Weichgeweben enthalten und stellt einen integralen Bestandteil des Energiestoffwechsel jeder Zelle dar. Zudem ist Phosphor ein bedeutender Baustein der Zellkerne, gerade von wachsenden Geweben. Straff regulierte Kalzium- und Phosphorkonzentrationen im BlutDie vielen Aufgaben von Kalzium und Phosphor im Körper erfordern die genaue Regulierung der im Blut ständig kreisenden Kalzium- und Phosphormenge. Ein gesunder, artgerecht ernährter Hund kann diese physiologisch notwendigen Konzentrationen in engen Grenzen aufrechterhalten.
An der Regulation der Kalziumkonzentration sind drei Organsysteme beteiligt: Verdauungsapparat, Nieren und Knochen. Im Verdauungsapparat wird ein Teil des Nahrungs-Kalziums über verschiedene Mechanismen durch die Darmwand in das Blut transportiert. Umgekehrt kann der Darm beim erwachsenen Hund gewisse Mengen überschüssigen Kalziums mit dem Stuhl auch wieder ausscheiden (es werden bei minimaler Kalziumzufuhr etwa 10 bis 20 mg Kalzium pro kg Körpergewicht am Tag ausgeschieden). Für die Phosphorausscheidung des Hundes ist nicht der Darm sondern die Nieren das Hauptausscheidungsorgan - pro Tag gehen etwa 25 mg Phosphor pro kg Körpergewicht verloren. Die Funktion der Nieren beim Kalziumstoffwechsel liegt vor allem in der Beteiligung an der hormonellen Regulation dieser Vorgänge (s.u.). Eine ganz überragende Rolle im Kalzium- und Phosphorstoffwechsel spielen natürlich die Knochen: Sie lagern nämlich ständig diese Mineralien ein, gleichzeitig werden aber auch Kalzium und Phosphor wieder abgebaut ("Stoffwechsel"). Diese ständigen Auf- und Abbauvorgänge sind von entscheidender Bedeutung für die Anpassung des Knochensystems an die wechselnden körperlichen Anforderungen - die Form und Ausgestaltung der mineralischen Knochenbälkchen wird ständig auf ihre Funktion als Stützgerüst hin optimiert. Hierdurch werden erhebliche Mengen Kalzium pro Tag umgesetzt. Beispiel: Erwachsene Hunde setzen täglich (4 - 8 Milligramm Kalzium) 0,4 - 0,8 Gramm Kalzium pro kg Körpergewicht um. Das sind bei einem 35 kg schweren Hund immerhin (140 bis 280 Milligramm) 14 bis 28 Gramm am Tag. Bei wachsenden Hunden liegt dieser Umsatz mindestens 100-mal höher als bei Hunden mit ausgereiftem Knochensystem. Hormone steuern allesDie direkte Regulation der Kalzium- und Phosphorkonzentration im Blut wird im Wesentlichen durch drei spezifische hormonelle Regulatoren vermittelt: Parathormon, Kalzitonin und Vitamin D. Allen drei Hormonen ist gemeinsam, dass ihre Freisetzung in Abhängigkeit vom Kalziumgehalt des Blutes steht. Umgekehrt steuern sie natürlich den Kalzium-Stoffwechsel in den verschiedenen Körpergeweben, auf die sie einwirken können. ParathormonParathormon wird vom Körper in den Nebenschilddrüsen hergestellt. Und zwar besonders, wenn der Kalziumgehalt des Blutes absinkt. Dann bewirkt das Hormon besonders im Knochen drastische Änderungen: Es lässt nämlich die "Osteoblasten", das sind die Knochenmatrix bildenden Zellen, schrumpfen. Dadurch bekommen ihre Gegenspieler, die Knochen abbauenden "Osteoklasten" die Möglichkeit bis an den mineralischen Knochen heranzureichen und ein wenig von ihm abzubauen. Wie Bergleute gewinnen sie dabei auch das Mineral Kalzium und geben es ans Blut ab. Effekt: Der Kalziumspiegel normalisiert sich wieder. KalzitoninIst zu viel Kalzium im Blut vorhanden, wird vermehrt das Hormon Kalzitonin produziert. Es stammt aus den sog. C-Zellen, die vor allem in Schilddrüse und Nebenschilddrüsen der Hunde zu finden sind. Kalzitonin kontrolliert vor allem die erwähnten Osteoklasten: Es vermindert ihre Fähigkeit, mineralisches Knochengewebe abzubauen und so Kalzium und Phosphor ins Blut abzugeben. Dadurch bekommen die Knochen aufbauenden Osteoblasten wieder die Möglichkeit Eiweißgewebe aufzubauen in das erneut Kalzium und Phosphor eingelagert werden kann. Als Folge sinkt der Kalziumspiegel im Blut wieder auf normale Werte ab. Übrigens: Kalzitonin hat eine interessante Nebenwirkung - es beeinflusst das Sättigungszentrum des zentralen Nervensystems (ZNS). Viel Kalzitonin vermindert so bei den Hunden die Nahrungsaufnahme. Biologischer Sinn ist, die Kalziumüberladung des Blutes auch dadurch zu vermindern, indem die Zufuhr aus dem Darm unterbrochen wird. VitamineAls Dritter im Bunde der Kalziumregulation ist das Vitamin D anzusehen. Die Vorstufen dieses Hormons werden in den Nieren gebildet und in der Leber schließlich zu dem funktionsfähigen Hormon umgewandelt. Beim Hund wird dieser Vorgang durch eine erniedrigte Konzentration von Kalzium im Blut, hohe Spiegel von Parathormon oder geringe Konzentrationen von Phosphor in den Nieren ausgelöst. Vitamin D führt über einige Zwischenschritte zu einer gesteigerten Aufnahme von Kalzium und Phosphor im Darm. In den Nieren dagegen blockiert es die Ausscheidung der beiden Mengenelemente. Auf den Knochen schließlich hat es ebenfalls Wirkungen: Zum einen steigert es die Mineralisierung des Knochens, d.h. die Einlagerung von Kalzium und Phosphor. Zum anderen regt es aber auch die Osteoklasten zu einem gesteigerten Abbau von Knochen an. Insgesamt führt Vitamin D - bei ausreichender Kalziumaufnahme - zu einer vermehrten Mineralisierung der Knochen. Übrigens: Neben Vitamin D wird auch Vitamin A noch eine gewisse Rolle im Knochenstoffwechsel zugerechnet. Alles liegt in der NahrungNicht alles Kalzium der Nahrung wird im Darm aufgenommen. In Abhängigkeit vom Kalziumspiegel im Blut, kann der erwachsene Hund zwischen 0 und 90 Prozent des Kalziums aufnehmen. Die absolute aufgenommene Menge hängt natürlich auch von der Zusammensetzung der Nahrung und ihrem Kalzium-Gehalt ab. Aber auch von einzelnen Nahrungsbestandteilen: So kann ein gesteigerter Phytat-Gehalt (Bestandteil v.a. von Getreiden) der Nahrung die Kalzium-Aufnahme im Darm negativ beeinflussen. Die Verwertung von Phosphor variiert mit 25 bis 80 Prozent ebenfalls stark. Junge Hunde allerdings unterscheiden sich von ausgewachsenen Tieren: Sie haben nämlich keinen Schutzmechanismus vor überhöhter Kalziumzufuhr mit der Nahrung. Deswegen wird unter dem Einfluss der genannten Hormone ein eventueller Kalziumüberschuss überwiegend in Richtung Knochen transportiert. Da hierbei der Knochenabbau parallel nicht gesteigert ist, kommt es zu schwer wiegenden, krankhaften Konsequenzen für die Ausformung des wachsenden Skeletts und dessen Bewegungsfähigkeit. Die gesteigerte und gleichzeitig gestörte Verknöcherung ist, wenn sie länger anhält, im späteren Lebensalter nicht wieder gut zu machen. Der Kalzium-Gehalt der Nahrung ist mit Sicherheit - gerade bei schnell wachsenden Junghunden großer Rassen - ein äußerst kritischer Punkt für die normale Entwicklung des Skeletts. Die Phosphoraufnahme hängt bei Hunden jeden alters vom Angebot in der Nahrung ab, d.h. es kann bei überhöhter Phosphor-Fütterung zu einer verstärkten Aufnahme in den Organismus kommen. Gleichzeitig steigt dann aber auch die Ausscheidung über die Nieren. Mineralstoffversorgung muss dem Bedarf entsprechenGesunde Kalzium- und Phosphor-Spiegel im Blut hängen von einer angemessenen Zufuhr verfügbaren Kalziums und Phosphors mit der Nahrung ab, sowie dem richtigen Verhältnis von Kalzium und Phosphor im Futter und schließlich bedarfsdeckenden Vitamin D-Mengen. Aufgrund von vielen wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen kann bei einer Versorgung mit 100 mg Kalzium und 85 mg Phosphor pro kg Körpergewicht täglich der Erhaltungs-Bedarf eines erwachsenen Hundes sicher gedeckt werden. Bei einem Kalzium: Phosphor-Verhältnis zwischen 1,3:1-2:1 wird, so haben Wissenschaftler festgestellt, die Nutzung der Mineralstoffe optimal sein. Liegt ein solchermaßen optimales Verhältnis vor, verringert sich zudem der Bedarf des Hundes an Vitamin D. Gedeckt werden kann dieser Bedarf, wenn eine Vollnahrung z.B. 1-1,1 Gramm Kalzium und 0,8-1,0 Gramm Phosphor pro 100 Gramm der Trockensubstanz enthält. In einigen Fällen, z.B. bei sehr energiedichtem Futter, sollte der Mineralstoffgehalt etwas höher liegen, um eine optimale Versorgung zu Gewähr leisten. Bedarf an Vitamin DDer Vitamin D-Bedarf hängt stark von den Kalzium- und Phosphor-Konzentrationen sowie dem Verhältnis beider Mineralien in der Nahrung ab. Auch der physiologische Entwicklungszustand (Wachstum, alter) spielt eine wichtige Rolle. Bei einem optimalen Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 1,2:1 sollten 8-10 I.E. (Internationale Einheiten) pro kg Körpergewicht als täglicher Erhaltungsbedarf beim erwachsenen Hund ausreichen. Wegen des stark erhöhten Knochenumsatzes sind bei wachsenden Junghunden 22 I.E. empfehlenswert. Mangel und UngleichgewichtKalzium-Mangel bei Hunden führt zu vielfältigen Störungen des Skelettsystems: Um den Kalziumspiegel im Blut aufrecht zu erhalten, muss immer mehr Kalzium aus dem Kalziumspeicher Knochen abgebaut werden. Der Verlust führt langsam zu einer Osteoporose, wie sie auch bei alten Menschen bekannt ist. Diese geht mit einer Ausdünnung des mineralischen Knochens einher, Knochenbrüche mehren sich und Zähne können sich lockern. An der Wirbelsäule "krachen" die Wirbelkörper zusammen und komprimieren die Nerven, was zu schwersten Dauer-Schmerzen führen kann. Bei wachsenden Hunden geht Kalziummangel mit einer Fehlentwicklung der Knochen ("Osteo-Dystrophie") mit zusätzlich gestörter Mineralisierung wie bei der Rachitis einher. Daneben kann Kalzium-Mangel auch zu vielgestaltigen Krämpfen und generalisierten Krampfanfällen des Hundes führen. Zudem führt der zu niedrige Gehalt an Nahrungs-Kalzium zu einem verändertem Bedarf an anderen Nährstoffen wie z.B. Magnesium. Ein Phosphormangel in der Nahrung führt bei jungen Hunden zu Rachitis, schlechtem Wachstum und einem gestörten Appetit. Bei ausgewachsenen Hunden führt ein Phosphormangel zu weichen und sich verbiegenden Knochen ("Osteomalazie"). Eine übermäßige Aufnahme von Phosphor, d.h. zu große Mengen Phosphor im Futter, zum Beispiel durch überwiegende Fleischfütterung, bewirkt hingegen die Symptome eines Kalzium-Mangels (s.o.), da es die Aufnahme von Kalzium im Darm stört. Kalzium-Überschuss: Zu viel Kalzium in der Nahrung (beispielsweise viel Knochen) stört die Aufnahme anderer Nährstoffe, z.B. von Zink, Magnesium sowie Eisen und kann einen Mangel an diesen Nährstoffen hervorrufen - selbst wenn diese in angemessener Konzentration in der Nahrung vorliegen. Die verstärkt notwendige Phosphorausscheidung über die Nieren kann zudem zu Harnsteinen führen. Die Symptome eines Vitamin D-Mangels finden sich oft zusammen mit denen eines Mangels oder eines Ungleichgewichtes bei Kalzium und Phosphor. Dies bedeutet, es kommt beim jungen Hund zu einer Rachitis und beim ausgewachsenen Tier zu einer Osteoporose. Wie alle fettlöslichen Vitamine kann auch Vitamin D leicht überdosiert werden. Bei starker Überdosierung kommt es dadurch zu akuten Krankheitserscheinungen wie Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit, Schwäche, beschleunigte Atmung, starker Tränenfluss und Appetitlosigkeit. Ist die Vergiftung noch stärker entwickeln sich starker Durst, blutige Durchfälle, Bluthochdruck, äußerster Erschöpfung und schließlich tritt der Tod des Tieres ein. Vergeht bis dahin einige Zeit, werden intensive Verkalkungen in den Lungen, Herzen, Nieren oder Magen gefunden. Diese "Kalzifizierung" der Bindegewebe ist auch typisch für die chronische Überdosierung. Daneben kann es bei jungen Hunden zu Wachstumsverzögerungen und schwer gestörter Zahn- und Gebissentwicklung kommen. Eine moderate Vitamin D-Ergänzung kann übrigens auch zu krankhaften Erscheinungen führen, wenn die Nahrung kalziumarm ist: Es kommt dann zu krankhaften Knochenbrüchen und anderen Skelettschäden, die durch einen Verlust der Skelettdichte bewirkt sind. Kalzium- und Phosphorbedarf in besonderen LebenssituationenTrächtigkeitBei graviden Hündinnen in den letzten Wochen der Schwangerschaft sollten die empfohlenen Mengen gegenüber dem Erhaltungsbedarf von Kalzium und Phosphor um etwa 60 Prozent angehoben werden. Der Kalziumbedarf beträgt dann rund 160 mg, der von Phosphor etwa 140 mg pro kg Körpergewicht. Bei Vitamin D ist die doppelte Menge des Erhaltungsbedarfs empfehlenswert. Dies bedeutet z.B.: Liegt der Kalzium-Erhaltungsbedarf einer 35 Kilo schweren Hündin bei täglich 3,5 Gramm insgesamt, so steigt er um zusätzliche 2,1 Gramm in den letzten Trächtigkeitswochen. Die Deckung dieses erhöhten Kalzium- und Phosphor-Bedarfes mit einer vollwertigen Nahrung ist im Übrigen weniger für die Entwicklung der ungeborenen Foeten von Bedeutung als vielmehr für die, nach der Geburt folgende enorme Leistung der Milchbildung. Die Gabe kalzium- oder phosphorreicher Spezialpräparate erübrigt sich, wenn während Trächtigkeit und Säugeperiode eine hochwertige Vollnahrung gegeben wird. Das Gleiche gilt auch für die Vitamine. Eine auch gut gemeinte Überversorgung mit Kalzium und Phosphor oder auch Vitamin D (z.B. durch entsprechende Mineralstoff- oder Vitaminpräparate) kann zu schweren Schäden von Hündin und Welpen führen. Säugeperiode
Auch während der Laktation ist ein besonderes Augenmerk auf die Mineralstoff- und Vitaminversorgung zu richten, da mit der Milch beträchtliche Mengen von Kalzium und Phosphor abgegeben werden. Liegt der Kalziumgehalt der Nahrung zu niedrig, kann es zu der gefürchteten "hypocalämischen Tetanie" kommen, also schweren Krampfzuständen, die auf einem zu niedrigen Kalziumgehalt des Blutes beruhen. Der Bedarf an Kalzium beträgt während der Säugeperiode ca. 270 mg Kalzium und 220 mg Phosphor pro Kilogramm Körpergewicht (zu Beginn eher etwas weniger, gegen Ende der Laktation etwas mehr). Anders als Kuhmilch, hat Hundemilch einen besonders hohen Kalzium- und Phosphorgehalt. Dieser steigt zudem während der Säugeperiode kontinuierlich weiter an. Dies dient der Verknöcherung des Welpen-Skeletts, stellt aber für die Mutter eine große Belastung dar. Wachstumsphase von Welpen und Junghunden
Wegen des extrem hohen Bedarfs der Welpen an knochenaufbauenden Mineralstoffen liegt der Kalzium- und Phosphorbedarf von Welpen in den ersten beiden Lebensmonaten rund 4 mal höher als beim erwachsenen Hund. Dieser Bedarf nimmt dann mit zunehmender Mineralisierung der Knochen langsam ab. Ganz besonders wichtig sind ausreichende und ausgewogene Mengen von Kalzium und Phosphor in der Nahrung von Welpen großer und schnell wachsender Rassen, da ihr Knochengerüst nach der Geburt sehr schnell mineralisiert wird. Beispiel Kalzium: Erhalten Welpen großwüchsiger Rassen 45 g eines Trockenalleinfutters (mit einem Kalziumgehalt von 12 g/Kg) pro Kilogramm ihres Körpergewichtes, so nehmen sie durchschnittlich 540 mg/kg KG pro Tag auf. Damit ist der empfohlene Bedarf von 355 - 520 mg/Kg KG für die allermeisten Lebenssituationen gedeckt. Um ein gleichmäßiges Knochenwachstum und eine gesunde Skelettentwicklung zu erreichen, kann die Versorgung mit Kalzium und Phosphor durch ausgewogene, altersangepasste Vollnahrungen gesichert werden. Eine Eigenbilanzierung dieser wie aller anderen Nährstoffe erscheint wegen der möglichen Unter- oder Überversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen insbesondere bei Welpen sehr kritisch. Wie bei den Welpen gilt, dass die Deckung des Mineralstoffbedarfs vor allem für wachsende Junghunde der großen Rassen von entscheidender Bedeutung ist. Denn: Auch in dieser Lebensphase ist der häufigste Fütterungsfehler eine Überversorgung mit Energie bei gleichzeitiger ungenügender Deckung des Kalziumbedarfs mit der Nahrung mit der Folge lebenslänglicher Skelett- und Gelenkschäden. Umgekehrt gilt aber: Eine mithilfe der Nahrung zu erzielende maximale Wachstumsgeschwindigkeit verträgt sich zumeist nicht mit den Forderungen an eine optimale Skelett-Entwicklung von Hunden. Gerade schnell wachsende, großwüchsige Rassen sind prädisponiert für Skeletterkrankungen aufgrund einer Über- oder Unterversorgung mit Kalzium und Phosphor. Die häufige Empfehlung vieler Hundezüchter, Junghunden schnellwachsender Rassen eine Extra-Kalziumergänzung - selbst bei Verwendung einer vollständigen und richtig bilanzierten Vollnahrung - zukommen zu lassen ist übrigens wissenschaftlich nicht haltbar. LeistungshundDa bei intensiver körperlicher Arbeit vermehrt Knochen- und Muskelgewebe auf- und abgebaut wird (als Anpassung an die Leistungsanforderung, s.o.), müssen die knochenaufbauenden Mengenelemente Kalzium und Phosphor in ausreichendem Maße in der verwendeten Vollnahrung enthalten sein. Die Muskeln brauchen dagegen während der Aktivität keine zusätzlichen Mengen von Kalzium oder Phosphor. Eine qualitativ hochwertige Vollnahrung wird den gesteigerten Bedarf von Leistungshunden an Vitaminen und Mineralstoffen problemlos decken können. Fehlen dagegen diese, für den gesteigerten Knochenumbau und die vermehrte Muskeltätigkeit notwendigen Mineralien und Vitamine, kann auch der Leistungshund bei körperlicher Ausdauerbelastung krank werden. Auch im Zusammenhang mit Leistungshunden muss darauf hingewiesen werden, dass eine hochwertige Vollnahrung Zusatzpräparate zur angeblichen Leistungssteigerung überflüssig macht. Diese können nicht nur den Geldbeutel belasten, sondern - insbesondere bei Überdosierung - zu schweren Schäden der Gesundheit des Leistungshundes führen. Normale Entwicklung manchmal schwer von krankhaften Störungen zu unterscheidenManchmal ist es auch für den Tierarzt schwer, zwischen ernährungsbedingten - krankhaften - Skelettveränderungen und entwicklungsentsprechenden Erscheinungen an den Knochen zu unterscheiden. Hierzu gehören die, immer wieder beargwöhnten Verdickungen in den Wachstumszonen der langen Röhrenknochen und Knochen-Knorpel-Grenzen des Brustkastens. Früher war es berechtigt bei diesen Symptomen das Vorliegen einer Rachitis zu vermuten. Seitdem aber artgerechte Vollnahrungen für Hunde verschiedener altersgruppen zur Verfügung stehen, ist diese Erkrankung selten geworden. Die Verbreiterung der Wachtumszonen ("Metaphysen") von langen Röhrenknochen ist vielmehr ein physiologisches Ereignis während der Entwicklung - eine Voraussetzung für das Längenwachstum. Besonders bei schnellem Wachstum von großen Rassen ist dies manchmal so ausgeprägt, dass es krankhaft erscheint. Aber diese Auffälligkeiten bilden sich - ohne Zeichen einer gestörten Skelettentwicklung - zurück, wenn die Hunde ausgewachsen sind. Im Gegensatz zur Rachitis kann der Arzt übrigens keine gestörte Mineralisierung der sich entwickelnden Knorpel und neu bildenden Knochen feststellen. Eine Behandlung ist überflüssig. Es ist auch ein Vorurteil, dass die überschießende Knochenfehlbildung ("hypertrophe Osteodystrophie") durch Vitamin C-Mangel hervorgerufen werde, bzw. durch exzessive Vitamin C-Gaben geheilt werden könne. Vitamin C hat mit dieser Erkrankung nichts zu tun. Gleiches gilt auch für die Hüftgelenks-Dysplasie. Skeletterkrankungen des Hundes: Vorbeugung am wichtigsten
Erworbene Skeletterkrankungen beim Hund kommen erschreckend häufig vor, sind sich Wissenschaftler einig: So weisen Junghunde großwüchsiger Rassen zu 85 Prozent erworbene Skeletterkrankungen auf. Die wichtigsten Ursachen sind Kalzium-Mangel der Nahrung sowie Überfütterung der Hunde. Bei Junghunden klein- bis mittelwüchsiger Rassen sind solche Knochenveränderungen seltener - nur jeder vierte Junghund hat darunter zu leiden. Erwachsene Hunde über zwei Jahren sind ebenfalls sehr häufig betroffen: Während immerhin noch 58 Prozent aller großwüchsigen Hund Skelettveränderungen aufweisen, sind es bei den anderen Hunderassen rund 44 Prozent. Die häufigste krankhafte Ursache für Skeletterkrankungen beim Junghund ist die sog. fibröse Osteodystrophie, also eine Knochenfehlbildung, bei der zu wenig Knochenhartsubstanz gebildet wird. Bedingt durch Kalzium-Mangel der Nahrung versucht der Hundeorganismus den lebensnotwendigen Körperfunktionen ausreichend Kalzium bereitzustellen. Dies bedeutet: Dem wachsenden Junghund steht nicht genügend Kalzium für den Knochenaufbau zur Verfügung, beim erwachsenen Hund hingegen wird Knochensubstanz abgebaut. Die Folge sind Knochendeformierungen und -verbiegungen beim jungen, erhöhte Knochenbrüchigkeit beim erwachsenen Hund. Begleitet werden diese Symptome von Schmerzen, Durchtrittigkeit und unsicherem Gang. Diese Krankheitsentstehung erklärt auch die besondere Häufigkeit solcher Erkrankungen bei großen Hunderassen. Da diese beim Wachstum besonders viel Kalzium brauchen, führt ein Mangel des Mengenelementes besonders häufig und schnell zu Störungen. Kleinere Hunde können einen solchen Mangel länger ausgleichen, bevor es zu Symptomen kommt. Ursache des Kalziummangels sind eindeutig Fütterungsfehler: Insbesondere bei einseitiger und überwiegender Ernährung mit Innereien, Muskelfleisch und Getreideprodukten kann der Kalziumbedarf des wachsenden Hundes nicht gedeckt werden. Da diese Futtermittel zudem noch besonders phosphorreich sind, wird der Kalziummangel weiter verstärkt. Die zweite wichtige Ursache für erworbene Skelett-Erkrankungen liegt in einer übermäßigen Aufnahme von Energie bei den wachsenden Welpen. Dies beschleunigt dass Größenwachstum von Knochen und Körper, ohne das die Mineralisierung der Knochen damit Schritt halten könnte. Ein vermindert fester Knochen trifft also mit erhöhter Körpermasse zusammen - Wachstumsstörungen des Skeletts sind, insbesondere bei großwüchsigen Rassen, unausweichlich. Die meisten krankhaften Veränderungen sind, genauso wie bei den Kalzium-Mangelsymptomen, im weiteren Verlauf des Hundelebens nicht mehr umkehrbar. Lediglich operative Maßnahmen können gelegentlich schwere Beschwerden lindern helfen. Wenn es also keine Therapie gibt, bleibt dem Hundehalter lediglich eine Vorbeugung von erworbenen Skeletterkrankungen. Fast immer kann durch eine Regulation der Fütterung im Welpenalter eine spätere Skeletterkrankung ausgeschlossen werden. Eine ausreichende aber nicht übermäßige Kalziumzufuhr kann gut mit hoch qualitativen Vollnahrungen erreicht werden. Solche Vollnahrungen stellen auch die anderen Nährstoffe (z.B. Phosphor oder Vitamin D) in richtiger Menge und Verhältnis zur Verfügung. Schließlich ist, gerade bei großen Rassen eine übermäßige Energiezufuhr zu vermeiden. Die Fütterung sollte immer dem Energiebedarf der Junghunde angepasst sein. Obwohl diese Zusammenhänge bekannt sind, haben immer noch mindestens 50 Prozent der großwüchsigen Hunde Symptome eines Kalziummangels und 20 Prozent durch Überfütterung ausgelöste Wachstumsstörungen. Vielfach sind die Folgen, der im Junghundalter entstehenden Skelettveränderungen Ursache der erst beim erwachsenen Hund auftretenden schmerzhaften und unheilbaren Gelenkerkrankungen, die sich so einfach durch eine artgerechte Verwendung wissenschaftlich bilanzierter Vollnahrungen vermeiden ließen. Möchten Sie die interaktiven Fragen zu dieser Folge beantworten, klicken Sie bitte hier! |
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