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Ernährung der säugenden Hündin
Nach der Geburt: Steiler Anstieg des Energiebedarfs


Venus und Adonis

Ausschnitt aus "Venus und Adonis" von Peter Paul Rubens (1. Hälfte 17. Jh.)

Nach der Geburt ihrer Welpen hat eine Hündin zwei große Aufgaben zu bewältigen: Zum einen muss sie sich selbst von den vorausgegangenen Anstrengungen (Trächtigkeit und Geburt) erholen, ihre verbrauchten Reserven wieder aufbauen und ihr Hormonsystem umstellen. Zum anderen hat sie mehrere junge Welpen zu säugen und sie mit allen Nährstoffen zu versehen, die die Kleinen für ein artgerechtes und gesundes Wachstum benötigen. Aus diesen Gründen steigt der Energie- und Nährstoffbedarf der säugenden ("laktierenden") Hündin nach der Geburt steil an.

Dieser gesteigerte Bedarf der laktierenden Hündin hängt dabei wesentlich vom Umfang ihrer Milchproduktion ab. Und: Die Milchproduktion steigt im Verlauf der Säugeperiode bis zum Beginn der Beifütterung sogar noch weiter an. Je nach Welpenzahl kann es dabei zu gewaltigen Leistungen der Mutter kommen: Ein einzelner Welpe braucht um ein Gramm Körpergewicht zuzusetzen zwei Gramm Hundemilch. Sechs Welpen z.B. nehmen pro Tag etwa 400 Gramm zu. Das bedeutet eine tägliche Milchleistung von 800 Gramm. In einer etwa 40-tägigen Säugeperiode entspricht das rund 32 Litern. Also 32 kg Milchproduktion bei einer Hündin von vielleicht 20 oder 30 Kilogramm Eigengewicht! Schließlich hängt der erhöhte Nährstoffbedarf auch von dem Charakter des Tieres ab: Ist die Hündin sehr lebhaft, wird er höher sein; hat sie eher ein ruhiges Wesen, liegt er etwas niedriger.

Welpenzahl für den Energiebedarf der Hündin entscheidend

Um den zusätzlichen Energiebedarf laktierender Hündinnen zu bestimmen, müssen deswegen drei Aspekte berücksichtigt werden:

  1. Energiegehalt der Milch
  2. Milchmengenproduktion (v.a. durch die Zahl der Welpen bestimmt)
  3. Körpergewicht der Hündin
Energiebedarf einer Zuchthündin
aus: Bubenzer, R.H.: Die Ernährung der säugenden Schäferhündin. SV Zeitung, Augsburg: 9/1993.

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass sich der Energiegehalt ("Kalorien") der Hundemilch (s.u.) während der Säugeperiode kaum ändert. Was sich hingegen ändert, ist die Milchmenge. Deswegen nimmt der Energie- und Nährstoffbedarf der Hündin nach Beginn der Laktation immer weiter zu: Von der ersten Woche an allmählich ansteigend bis zum Maximum in der 3. - 5. Woche (siehe Abbildung). So kann der Energiebedarf bei mittelgroßen Würfen in der 1. Woche das 1,5 - 2-fache, in der 3. - 5. Woche das 2,5 - 3,5-fache (im Extremfall sogar das 4-fache) des Erhaltungsbedarfes erreichen. Bei der angemessenen Energiezufuhr muss man sich deswegen auch und vor allem an der Wurfgröße orientieren.

Allerdings gibt es dabei ein Problem: Eine Hündin muss ausreichende Mengen Nahrung aufnehmen können, um diesen stark erhöhten Energiebedarf zu decken. Dies geht nur, gerade bei großen Würfen, wenn hochwertige Vollnahrungen mit hoher Nährstoff- und besonders Energiedichte gefüttert werden. Da Hunde in erster Linie ihre Energie aus Fetten beziehen, bedeutet dies praktisch, dass eine Vollnahrung mit ausreichend hohem Fettanteil zu füttern ist, die den Energiebedarf der Hündin auch wirklich voll decken kann.

Energiemangel und seine Auswirkungen

Ist dies nicht der Fall, wird sich ein Energiemangel ausbilden, der sich mit zahlreichen Beschwerden andeutet: Das erste Symptom einer Energie-Unterversorgung bei laktierenden Hündinnen ist eine verminderte Milchleistung, gefolgt von einem allgemeinen Gewichtsverlust. Der Tierarzt findet nach länger anhaltendem Energiemangel eine Verkleinerung fast aller innerer Organe der Hündin. Grund: Zur lebensnotwendigen Energiegewinnung werden die - vor allem aus Fettgewebe bestehenden - Schutzhüllen der inneren Organe abgebaut. Auf längere Sicht führt der dauernde Energiemangel dann auch zu einem Wachstums-Stopp der Knochen (bei Welpen und Junghunden) oder zu einer Osteoporose (beim erwachsenen Hund). Natürlich kann die Hündin bei weiter andauerndem Energiemangel nicht mehr richtig Milch geben. Schließlich versagen auch ihre Abwehrfunktionen und es kommt zu Infektionen. Ohne menschliche Hilfe würde dieser Energiemangel den Tod der schwächeren, wenn nicht sogar aller Welpen bedeuten. Für die betroffene Hündin können zudem langwierige Krankheiten entstehen.

Kohlenhydrate und Laktosesynthese

Während der Laktation ist der Glukosebedarf (Einfachzucker aus der Nährstoffgruppe der Kohlenhydrate) der Hündin deutlich erhöht. Grund: Aus Glukose werden in der Leber der Hündin wichtige Mehrfachzucker (z.B. Milchzucker - Laktose) produziert, die die Welpen dringend brauchen. Hunde können zwar theoretisch ihren gesamten Stoffwechselbedarf an Glukose auch aus anderen Energielieferanten, v.a. den Fetten, gewinnen und sind nicht auf die Zufuhr von Kohlenhydraten angewiesen. Dennoch sind Kohlenhydrate in der Nahrung von großer Bedeutung: Nicht nur als darmtätigkeits-regulierende Ballaststoffe, sondern auch als Energieträger. Deswegen sollte diese Nährstoffgruppe in ausreichendem Maße vorhanden sein.

Ein gesundes Welpenwachstum erfordert gesteigerte Eiweißzufuhr

Auch der Eiweißbedarf laktierender Hündinnen nimmt infolge der hohen Milchmengenproduktion und des hohen Eiweißgehaltes in der Milch erheblich zu. Ähnlich wie bei der Energie steigt der Eiweißbedarf bei kleinen Rassen bis auf das 3-, bei großen auf das 3 - 5-fache des Erhaltungsbedarfes an. Bei geringer biologischer Wertigkeit des verfütterten Eiweißes steigt der Bedarf sogar noch weiter. Beispiel: Um einen Liter Hundemilch mit einem Gehalt von 80 Gramm Eiweiß zu produzieren, muss die Hündin am Tag rund 130 Gramm Eiweiß zusätzlich aufnehmen (Voraussetzung: 60-% ige Ausnutzung der verdaulichen Nahrungsproteine). Damit ein zu starker Gewichtsverlust der Hündin verhindert wird, sollte das Futter nicht nur energiereich sein, sondern auch hochwertiges, d.h. an essenziellen Aminosäuren reiches, Eiweiß enthalten. Hochwertig bedeutet aber auch, dass die Verteilung der Eiweißbausteine ("Aminosäuren") dem natürlichen Bedarf von Hunden entspricht.

Mineralstoffe und Vitamine

Wegen der gesteigerten Stoffwechselaufgaben der laktierenden Hündin muss auch die Mineralstoffversorgung durch die Nahrung garantiert sein. Unter den Mineralstoffen kommt dem Kalzium erhebliche Bedeutung zu, da bei zu geringem Nahrungs-Angebot nicht nur die Gefahr einer geringeren Milchmengenproduktion besteht, sondern auch Kalziummangel-Krämpfe der Mutter auftreten können. Für die heranwachsenden Welpen ist Kalzium (und Phosphor) für die gesunde Entwicklung des Skeletts unverzichtbar. Aber nicht nur Mengenelemente, sondern - wie in der folgenden Tabelle gezeigt - auch Spurenelemente, werden von der Hundemutter in teilweise stark erhöhtem Maße benötigt.

Bei allen Mineralstoffen - ob Mengen- oder Spurenelemente - besteht ein erhöhter Bedarf während der Säugeperiode (Beispiel: Hündin, 35 kg, pro Tag)

  Erhaltungs-Bedarf Säugeperiode 4-6 Welpen Steigerungs-Faktor
Kalzium (g) 3,5 14,9 4,3x
Phosphor (g) 2,6 10,2 3,9x
Eisen (mg) 49,0 84,0 1,7x
Kupfer (mg) 3,5 23,5 6,7x
Zink (mg) 31,5 112 3,6x
Mangan (mg) 2,5 4,2 1,7x
Jod (µg) 525 875 1,7x
Selen (µg) 87,5 175 2,0x

Da die Hundemilch auch reichlich Vitamine enthält, ist der Vitaminversorgung durch die Nahrung gerade in der Säugezeit große Aufmerksamkeit zu schenken. In der Zeit der Hochlaktation kann es gelegentlich zu Veränderungen im Temperament der Hündin kommen (Aggressivität gegenüber Besuchern, vermehrte Unruhe). Nach praktischen Erfahrungen liegt hier zumeist ein Mangel an Vitamin B6 oder B1 vor, der bei Verwendung hochwertiger Vollnahrung nicht auftritt. Für Mineralstoffe und Vitamine kann also festgestellt werden, dass der Bedarf während der Säugeperiode jeweils deutlich erhöht ist. Warum ist aber der Bedarf nicht bei allen Nährstoffen in gleichem Umfang gesteigert? Dies erklärt sich aus folgendem Umstand: Einige Nährstoffe werden überwiegend für die Ernährung der Welpen benötigt (z.B. die erwähnten Mengenelemente Kalzium und Phosphor). Andere Nährstoffe hingegen (vor allem Spurenelemente und zahlreiche Vitamine) werden auch für die gesteigerten Stoffwechselleistungen der säugenden Hündin selbst gebraucht.

Praktische Ernährung einer säugenden Hündin

Empfehlungen für die Energie- und Nährstoffversorgung von Zuchttieren
Laktation (4-6 Welpen);
pro Tag und pro kg LM

Lebendmasse (kg) 10 35
verdauliche Energie (MJ) - pro Tier 8,2 25,7
verdauliches Rohprotein (g) - pro Tier 84 260
Kalzium (mg) 425 Vitamin A (IE) 200 - 500
Phosphor (mg) 290 Vitamin D (IE) 20
Magnesium (mg) 26 Vitamin E (mg) 1 - 2
Natrium (mg) 105 Vitamin B1 (mg) 0,06
Kalium (mg) 125 Vitamin B2 (mg) 0,1 - 0,25
Chlor (mg) 190 Vitamin B6 (mg) 0,06
Eisen (mg) 2,40 Vitamin B12 (µg) 1
Kupfer (mg) 0,67 Pantothensäure (mg) 0,4
Zink (mg) 3,20 Nikotinsäure (mg) 0,45
Mangan (mg) 0,12 Biotin (µg) 4
Jod (µg) 25 Folsäure (µg) 8
Selen (µg) 5 Linolsäure (mg) 500
Quelle: nach Meyer 1990 Cholin (mg) 25

Um den gestiegenen Nährstoff-Bedarf der laktierenden Hündin praktisch zu befriedigen, muss die verwendete Nahrung bestimmte Anforderungen erfüllen. So sollten rund 1,8MJ (MegaJoule) verdaulicher Energie in 100 gr Trockensubstanz enthalten sein, um den hohen Energiebedarf zu decken. Eine hohe Akzeptanz ist ebenfalls wichtig: Was nützt der theoretisch hohe Energiegehalt des Futters, wenn die Hündin es nicht fressen mag? Ist eine oder sind sogar beide Anforderungen nicht erfüllt, kann die Hündin, vor allem bei großen Würfen, nicht genügend Futter aufnehmen, um ihren Energiebedarf zu decken. Folge: Bei verringerter Milchleistung kommt es zu Abmagerung und Erschöpfungszuständen. Die Welpen zeigen vermehrt Unruhe und wachsen langsamer. Als grundsätzlicher Maßstab für eine ausreichende Energieversorgung von säugenden Hündinnen kann gelten: Sie darf in der Laktationsperiode nicht mehr als 5-10 Prozent ihres normalen Körpergewichtes verlieren.

Um eine ausreichende Energiedichte in der Ration zu erreichen und den Bedarf an ungesättigten Fettsäuren zu decken, sollte die Vollnahrung - neben anderen hochwertigen Komponenten - rund 10% Fett enthalten. Weitere 10 - 20% der Futterenergie sollten aus Kohlenhydraten bereitgestellt werden, da die Hündin vor allem für die Milchzuckersynthese (s.o.) größere Glukosemengen benötigt. Das im Futter enthaltene Rohprotein (rd. 25% der Futtertrockensubstanz) sollte mindestens zu 50 Prozent tierischer Herkunft sein, da auf diese Weise der Bedarf an essenziellen Aminosäuren am sichersten gedeckt wird. All diese Anforderungen können in der Regel von hochwertigen, artgerecht bilanzierten Vollnahrung erfüllt werden.

Die Futtermengen richten sich nach Laktationsstadium und Welpenzahl. Als Faustregel gilt: Ab der 3. - 5. Woche muss pro Welpe etwa 1/4 des normalen Erhaltungsbedarfes zugelegt werden. Z.B. bei 4 Welpen pro Wurf das Doppelte, bei 8 Welpen das 3-fache derjenigen Futtermenge, die die Hündin normalerweise benötigt.

Hündinnen mit großen Würfen erhalten ihr Futter nach Belieben. Bei kleinen Hündinnen bzw. kleinen Würfen empfiehlt sich eine Fütterung entsprechend der Gewichtsentwicklung der Hündin, um der Entwicklung eines Übergewichts vorzubeugen. Die tägliche Menge Vollnahrung sollte dann auf 3 Mahlzeiten pro Tag verteilt werden.

Vermehrter Wasserbedarf

Wasser muss während der Laktation ständig zur Verfügung stehen: Immerhin gibt eine z.B. 30 kg schwere Hündin mit einer täglichen Milchleistung von 4 Prozent ihres Körpergewichts fast einen Liter Wasser allein mit der Milch ab. Zudem verlangt der erhöhte Stoffwechselumsatz wesentlich mehr Wasser als normal. Während die Wasseraufnahme in normalen Zeiten ungefähr dem 2- bis 3-fachen der aufgenommenen Trockenfuttermenge entspricht, sollte die Wassermenge während der Laktation besser (mindestens) 4-fach höher sein.

Absetzen ab der fünften Woche

Ein Absetzen der Welpen ist ab der 5. Lebenswoche möglich. Beginnen die Welpen, etwa im alter von rd. 3 bis 4 Wochen, aus dem Napf der Mutter mitzufressen, sollten Hündin und Welpen getrennt gefüttert werden, da die Hündin zumeist nicht teilen will. Nehmen die Welpen zum Absetzzeitpunkt noch nicht genügend Beifutter auf, kann die Futtermenge der Hündin vorübergehend gedrosselt werden, damit die Milchmengenproduktion nachlässt und die Welpen sich stärker für das Beifutter interessieren. Im Extremfall kann auch ein Fastentag der Mutter eingelegt werden. Ist die Säugeperiode beendet, wird wieder auf normales, hochwertiges Futter umgestellt werden, das im wesentlich entsprechend des normalen Erhaltungsbedarfes dosiert wird.

Aber: Es ist bei der Auswahl der Vollnahrung darauf zu achten, dass jede Hundemutter nach der vollbrachten Leistung eine gewisse Zeit der Rekonvaleszenz braucht um ihre körpereigenen Reserven wieder aufzubauen. D.h. die Nahrung sollte besonders ausgewählt und qualitativ hochwertig sein.

Hundemilch: Das Beste, was die Hundemutter ihren Kleinen geben kann

Voraussetzung für die Milchproduktion einer Hündin ist die Ausreifung der Milchdrüsen. Unter dem Einfluss von Hormonen wächst und reift bei der trächtigen Hündin das Milchdrüsengewebe heran. Um die einzelnen Drüsen herum lagert sich zunehmend Fett im Gewebe ein, damit während der Säugeperiode gewisse Energiereserven zur Verfügung stehen. Beide Veränderungen führen zu einer Vergrößerung des Gesäuges.

Funktion der Milchdrüse
aus: Bubenzer, R.H.: Ernährung trächtiger und säugender Hündinnen. Effem, Verden, 1994, S. 10.

Die Drüsenzellen im Milchdrüsengewebe produzieren während der Laktation die Milch. Wasser und Nährstoffe werden über die Blutgefäße dorthin transportiert. Das zurückfließende Blut nimmt dann gleich Fette aus dem Fettgewebe mit zurück zur Leber. Folge: Die Fettschicht nimmt langsam wieder ab.

Die Hundemilch hat nicht nur die Aufgabe der Ernährung der kleinen Welpen, sondern versorgt diese - zumindest während der ersten Tage - auch mit Immunstoffen. Diese sog. Immunglobuline übernehmen in der ersten Zeit nach der Geburt den Schutz der Welpen vor Krankheitserregern. Und zwar solange, bis ihr eigenes Abwehrsystem nach einigen Wochen ausgereift ist.

Wie bei allen Säugetieren ist die Zusammensetzung der Hundemilch je nach Phase der Laktation unterschiedlich. Die in den ersten Stunden und Tagen von der Hündin produzierte Vormilch ("Kolostralmilch") enthält mehr Eiweiß als reife Milch. Viele dieser zusätzlichen Eiweiße sind die erwähnten Schutzstoffe gegen Infektionen ("Immunglobuline"). Die Kolostralmilch hat zudem eine - für die neugeborenen Welpen sehr wichtige - leicht abführende Wirkung.

Im weiteren Fortgang der Säugezeit ändert sich die Zusammensetzung der Hundemilch: Jetzt hat sie einen hohen Anteil an Eiweißen (ca. 80 gr pro Liter) und Milchfetten - wogegen der Milchzuckeranteil (Laktose) weiterhin relativ gering ausfällt. Die, in der Hundemilch enthaltene Nahrungsenergie verteilt sich folgendermaßen: Rund 60 % entfallen auf Fette, 30 % auf Eiweiße und lediglich 10 % auf den erwähnten Milchzucker. Hundemilch ist aber nicht nur äußerst energiekonzentriert (625 KJ Bruttoenergie auf 100 gr Originalsubstanz), sondern auch sehr nährstoffreich und enthält sehr viele Mineralstoffe und Vitamine. Die Mengenelemente Kalzium und Phosphor (s.o.) stehen dabei im Vordergrund. Hundemilch hat aber auch einen besonders hohen Gehalt an Vitaminen, z.B. Vitamin A oder Vitamin B2. Übrigens: Der Kalzium- und Phosphorgehalt der Hundemilch nimmt, anders als der Gehalt anderer Nährstoffe, während der Laktation immer noch weiter zu.

Hundemilch ist nicht gleich Kuhmilch

Zusammensetzung der Hundemilch
aus: Bubenzer, R.H.: Die Ernährung der säugenden Schäferhündin. SV Zeitung, Augsburg: 9/1993.

Vergleicht man Hunde- mit Kuhmilch, so finden sich sowohl bei der absoluten Menge als auch der Verteilung wichtiger Nährstoffe bedeutende Unterschiede. In Folge dieser natürlichen Entwicklungsunterschiede zwischen Hunden und Rindern ist die Verteilung der Eiweißbausteine in der Milch der jeweiligen Tierart verschieden. Während sich beispielsweise in der Hundemilch vermehrt schwefelhaltige Aminosäuren (Eiweißbausteine) finden, kommt in der Kuhmilch mehr Lysin vor.

Bei den Fetten gibt ebenso deutliche Unterschiede: In der Hundemilch kommen nur wenig kurzkettige Fettsäuren, dafür aber - anders als bei der Kuhmilch - hohe Gehalte an ungesättigten Fettsäuren. Das Verhältnis ungesättigter zu gesättigten Fettsäuren in der Hundemilch liegt bei 2 zu 1, in der Kuhmilch ist es genau umgekehrt.

Ohne hochwertige Ernährung keine angemessene Milchproduktion

Damit die Hündin überhaupt die, von der Natur vorgesehenen Mengen an Eiweißen produzieren kann, muss die Nahrung entsprechende Mengen an Eiweißen bzw. essenziellen Aminosäuren enthalten. Ein Mangel an Eiweißen in der Nahrung und damit auch in der Hundemilch kann zu schwer wiegenden Entwicklungsstörungen der Welpen führen. So kann eine einseitige Ernährung - beispielsweise bei überwiegender Verfütterung linolsäurearmen roten Fleischs oder Schlachtabfälle - zu einem Abfall dieser Fettsäure in der Hundemilch führen und die Entwicklung der Welpen beeinträchtigen.

Genügende Mengen von Mineralstoffen hingegen beugen Knochenentwicklungsstörungen, angemessene Vitamingehalte gehäuften Infektionen vor. Diese Beispiele zeigen, dass gerade auf die angemessene Ernährung einer säugenden Hündin besonders geachtet werden muss, damit

  1. diese nicht in ihrer körperlichen Verfassung leidet und sich
  2. die Welpen artgerecht entwickeln können.

Letzteres ist bei mutterlosen Welpen, wie aus dem oben gesagten folgt, mit Verfütterung von Kuhmilch nicht möglich. Wird die Kuhmilch nicht an die Bedürfnisse von heranwachsenden Hunden angepasst, resultieren schwere Entwicklungsstörungen der heranwachsenden Welpen.

Ist die Säugeperiode im Leben von Hunden auch nur eine kurze Phase von wenigen Wochen, werden in dieser Zeit dennoch entscheidende Weichen für das artgerechte Wachstum, die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Lebensalter der heranwachsenden und erwachsenen Hunde gestellt. Anders als in der "Menschenmedizin" wurde von Veterinären und Ernährungswissenschaftlern nie infrage gestellt, dass Hundemilch für Welpen die Beste aller denkbaren "Vollnahrungen" darstellt. Die Hundehalter stehen deswegen vor der Verantwortung, säugenden Hündinnen durch Gabe hochwertiger Nahrung die Bildung von eben dieser - für Welpen optimal geeigneter - Milch zu ermöglichen. Die extrem hohen Anforderungen an eine artgerechte Nahrung lassen es insbesondere bei säugenden Hündinnen sinnvoll erscheinen, zu diesem Zweck auf hochwertige Vollnahrungen zurückzugreifen. Nur so kann ein Hundehalter wirklich garantieren, dass seine Hündin das Optimum aller notwendigen Nährstoffen (für sich selbst wie für die Welpen) erhält.

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Interaktiver Kursus
Folge 8

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