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Die Ernährung der trächtigen Hündin


Jagdhunde

Ausschnitt aus "Jagdhunde" von Alexandre-Gabriel Decamps (1839)

Endlich ist es so weit - unsere Hündin erwartet Nachwuchs. Kein Problem eigentlich für eine leistungskräftige und gesunde Hündin. Dennoch gibt es einiges zu bedenken, damit sie die Zeit von Trächtigkeit und Säugeperiode gesund und leistungsfähig durchsteht. Und natürlich auch, damit der Nachwuchs zahlreich, gesund und kräftig sein wird. Im Folgenden werden deshalb einige der wichtigsten Punkte aufgezählt werden, die besonders für trächtige Hündinnen von Bedeutung sind.

Vor der Trächtigkeit: Auf Gesundheit und Gewicht der Hündin achten

Die besten Voraussetzungen für eine komplikationslose Trächtigkeit einer Hündin liegen in ihrer guten Gesundheit und einem alters- und rasse-entsprechenden Gewicht, also einer optimalen Zuchtkondition. Hierfür ist neben den Haltungsbedingungen im Wesentlichen ein Faktor wichtig: Eine hochwertige und artgerechte Ernährung. Dies ist nicht nur das beste Vorbeugungsmittel gegen Erkrankungen sondern garantiert auch - bei empfohlener Anwendung - das Normalgewicht der Hündin.

Ferner, und dies gilt besonders für Leistungshunde, sollte der Einfluss von extremer körperlicher Leistung auf die Empfängnisfähigkeit und den Verlauf der Schwangerschaft einer Hündin berücksichtigt werden: Zu viel Sport verändert das "Hormonkleid" von Hündinnen und kann die Fruchtbarkeit einschränken. Auch der Verlauf der Trächtigkeit kann durch exzessiven Sport beeinträchtigt werden.

Einfluss des Körpergewichts von Hündinnen auf Trächtigkeit, Geburt und Welpen

  • Übergewicht:  Ein deutlich erhöhtes Körpergewicht kann zu kleinen Würfen oder - durch Einengung der Geburtswege - zu Problemen beim Werfen führen. Auch Wehenschwächen sind nicht selten. In der Säugeperiode mit ihren hohen Belastungen können zudem Kreislaufprobleme auftreten. Eine längerfristige Planung, mit rechtzeitig beginnender, gewichtsreduzierender Ernährung ist bei solchen Hündinnen sinnvoll.
  • Untergewicht:  Ist eine Hündin untergewichtig, kommen oftmals nicht genug Eier zum Eisprung - die Zahl der Welpen kann dann sehr klein sein. Zudem haben sehr schlanke Hündinnen Probleme mit der Welpenbildung oder sind der Geburt nicht gewachsen. Bei diesen Tieren kann während der Läufigkeit versucht werden, mit einer energiedichten fettreicheren und schmackhaften Vollnahrung eine Steigerung der Eisprungrate zu erreichen. Die Energiezufuhr darf dabei zwischen 20 bis 50 Prozent über dem normalen Bedarf liegen. Nach dem Belegen wird die Futtermenge wieder auf das Normalmaß reduziert.

Bis auf Ausnahmen: Vor dem Belegen keine Änderung der Ernährung

Damit die Hündin in der kurzen Tragezeit von rund 9 Wochen für neues Leben sorgen kann (das bis zu einem Siebtel ihres eigenen Körpergewichtes ausmachen wird!) und die spätere Milchbildung nicht vermindert ist, sollte die Hündin während der Trächtigkeit nur wenig auf eigene Reserven zurückgreifen. Bei Mangelernährung würde der Hundeorganismus sonst versuchen die benötigten Nährstoffe aus der eigenen Substanz heraus bereitzustellen. Normalgewichtige Hündinnen, die zum ersten Mal werfen oder schon älter sind, brauchen kurz vor Beginn der Läufigkeit rund 10 Prozent mehr Futter, damit sich solche Reserven vergrößern können. In allen anderen Fällen entspricht der Nahrungsbedarf den normalen Zeiten. Die Qualität der Nahrung sollte allerdings wirklich hochwertig sein: Fehlen beispielsweise bestimmte Nährstoffe wie Vitamin A, kommt es gar nicht erst zu einer Trächtigkeit.

Kaum zusätzlicher Nährstoff-Bedarf bis zur fünften Trächtigkeitswoche

Abgesehen vom Heranreifen ungeborenen Lebens ("Fetal- und Embryonalperiode") gibt es keine Phase im Leben von Hunden, die mit solch starken, von der Natur vorgegebenen Veränderungen einhergeht, wie die Trächtigkeit. Dies ist anfänglich noch gar nicht wahrnehmbar: So ist die Gewichtszunahme der Feten in den ersten vier Wochen der Trächtigkeit gering. Das bedeutet, dass auch die Mutter nicht zusätzlich gefüttert zu werden braucht.

Die Energiezufuhr (Woche 1 - 4) sollte deswegen dem normalen Erhaltungsbedarf entsprechen. Aber: In dieser Entwicklungsphase sind die ungeborenen Hunde äußerst empfindlich gegenüber Störungen. Fütterungsfehler, z.B. zu wenig Energie im mütterlichen Futter oder Mangel an Spurenelementen und Vitaminen, können zu Fehlbildungen oder gar zum Absterben von Welpen führen. Aus diesem Grund ist eine Fütterung mit einer hochwertigen Vollnahrung, die alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe enthält, gerade in dieser Periode der Trächtigkeit von großer Bedeutung. Solche Vollnahrungen garantieren auch, dass die vielfältigen physiologischen Veränderungen während der Trächtigkeit (z.B. Hormonumstellungen, Wachstum und Veränderungen der Gebärmutter, Kreislauf- und Stoffwechselveränderungen oder Umstellungen des Immunsystems) naturgemäß eintreten können.

Ab der fünften Trächtigkeitswoche: Schneller Anstieg des Energiebedarfs

Zunahme des Energiebedarfs während der Gravidität
aus: Bubenzer, R.H.: Die Ernährung der trächtigen Schäferhündin. SV Zeitung, Augsburg: 7/1993.

Etwa ab der fünften Trächtigkeitswoche verändert sich die anfängliche Situation: Die Hündin beginnt nun enorme körperliche Leistungen zu erbringen. Diese liegen nicht nur in der zunehmenden Speicherung von Fett (für die spätere Milchbildung notwendig), dem Heranreifen von Milchdrüsen, dem Wachstum der Gebärmutter sondern auch in einer zunehmenden Bereitstellung von Nährstoffen für ihre Nachkommen. Nachdem diese bis jetzt erst 10 Prozent ihres Geburtsgewichtes erreicht haben beginnen sie nun kräftig zu wachsen.

Folge: Der Energiebedarf nimmt immer mehr zu und liegt bald über dem normalen Energieerhaltungsbedarf. Dies zeigt sich auch durch eine, während dieser Phase erhöhte Fresslust der Hündinnen. Nun reicht eine qualitativ hochwertige Nahrung in den üblichen Mengen nicht mehr aus: Schrittweise muss die Energiezufuhr von der 5. bis zur 8. Woche um insgesamt etwa ein Drittel angehoben werden. Entspricht die Energieversorgung diesem gestiegenen Bedarf, werden erniedrigte Geburtsgewichte der Welpen vermieden, wie sie gerade bei großen Würfen möglich sind.

Eiweiße, Mineralstoffe und Vitamine: in den richtigen Mengen unerlässlich

Natürlich kann die Hündin nicht alleine von Energieträgern wie Fetten oder Kohlenhydraten leben. Geschweige denn, der Aufgabe, neues Leben wachsen zu lassen gerecht werden. Hierzu sind noch zahlreiche andere Nährstoffe notwendig. So hat die Hündin während der zweiten Hälfte der Trächtigkeit einen überdurchschnittlich hohen Bedarf an hochwertigem Eiweiß in der Nahrung. Grund: Während eine Hündin (z.B. 20 Kg Körpergewicht) normalerweise 30 bis 40 Gramm Eiweiß ("Protein") pro Tag benötigt, steigt der Bedarf jetzt auf rund 50 bis 70 Gramm.

Der häufigste Ernährungsfehler bei trächtigen Hündinnen ist übrigens die mangelhafte Eiweißversorgung. Ihre Auswirkungen, z.B. untergewichtige Welpen, können nur durch die Ernährung mit qualitativ hochwertigen Vollnahrungen während der Trächtigkeit vermieden werden. Solch eine Nahrung, vor allem wenn sie speziell für trächtige Hündinnen geeignet ist, hat einen hohen und gut verdaulichen Eiweißgehalt, der den Bedarf einer trächtigen Hündin voll abdeckt.

Empfehlungen für die tägliche Energie- und Nährstoffversorgung einer Hündin mit 35 kg Körpergewicht (nach Meyer, 1990)

  Trächtigkeit
1.-4.Woche
Trächtigkeit
ab 5. Woche
Verd. Energie (MJ) 6,5 - 7,9 12,5
Verd. Rohprotein (g) 72 118
Kalzium (mg) 3.500 5.775
Phosphor (mg) 2.625 4.200
Magnesium (mg) 420 525
Natrium (mg) 1.750 2.100
Kalium (mg) 1.925 2.275
Chlor (mg) 4.200 3.150
Eisen (mg) 49,0 238,0
Kupfer (mg) 3,5 5,60
Zink (mg) 31,5 45,5
Mangan (mg) 2,45 2,80
Jod (µg) 525 875
Selen (µg) 87,5 175
Vitamin A (IE) 2.625 - 3.500 7.000 - 17.500
Vitamin D (IE) 350 700
Vitamin E (mg) 35 35 - 70
Vitamin B1 (mg) 0,70 2,10
Vitamin B2 (mg) 1,75 3,5 - 8,75
Vitamin B6 (µg) 0,70 2,10
Vitamin B12 (mg) 17,5 35
Pantothensäure (mg) 7,0 14,0
Niacin (mg) 7,0 15,75
Biotin (µg) 70 140
Folsäure (µg) 140 280
Linolsäure (mg) 5.250 - 7.000 17.500
Cholin (mg) 875 875
Legende: Ernährungswissenschaftler, Tierärzte und Biologen können heute genau den täglichen Bedarf der wichtigsten Nährstoffe von Hunden angeben. Die Übersicht zeigt, dass sich ab der 5. Trächtigkeitswoche der tägliche Bedarf vieler Nährstoffe verdoppelt.

Aber auch Mineralstoffe müssen jetzt, während der Trächtigkeit, in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. So sind Phosphor und Kalzium für die Entwicklung des Knochengerüstes der ungeborenen Welpen von besonderer Bedeutung. Brauchte die Hündin vor der Trächtigkeit täglich noch rund 35 mg Kalzium pro kg Körpergewicht, steigt ihr täglicher Bedarf jetzt auf 65 mg/kg KG. Auch Eisen wird gegen Ende der Schwangerschaft immer wichtiger: Besteht ein Mangel, kann es zu einer Blutarmut mit Herzvergrößerung oder erhöhter Infektions-Anfälligkeit kommen. Eine einseitige Ernährung beispielsweise mit fett- und zuckerreichem Futter oder zu viel Milch- oder Milchprodukten kann zu solchem Mangel führen. Ein Einsatz von tierärztlich nicht verordneten Mineralstoffpräparaten beinhaltet ebenfalls viele Gefahren - besonders bei Überdosierung: So kann zu viel Eisen sogar zum Tode der Hündin führen. Auch die Gabe kalzium- oder phosphorreicher Spezialpräparate erübrigt sich, wenn während Trächtigkeit und Säugeperiode eine hochwertige Vollnahrung gegeben wird. Das Gleiche gilt auch für die Nährstoffgruppe der Vitamine. Zwar benötigt eine trächtige Hündin besonders viel Vitamin A, B12, E oder auch D. Eine unsachgemäße Überdosierung von Vitamin-Präparaten kann ebenfalls Schäden hervorrufen: Zu viel Vitamin D kann z.B. Kalkeinlagerungen in den Herzkranzgefäßen bewirken.

Praktische Ernährung ab der 5. Trächtigkeitswoche

Ab der 5. Woche wird es Zeit, die Hündin auf diejenige Vollnahrung umzustellen, die sie auch später - während der Säugeperiode - erhalten soll. Auf diese Weise können spätere Umstellungsprobleme vermieden werden. Die verwendete Nahrung sollte, wie bereits erwähnt, besonders energiedicht und eiweißreich sein, damit Untergewicht und mangelnde Vitalität der Welpen vermieden werden. Um die Hündin mit einer ausreichenden Menge Energie versorgen zu können, wird der Einsatz von energiereicher Nahrung notwendig. Die Futtermenge ist von der zu erwartenden Anzahl der Welpen sowie der durchschnittlichen Gewichtsentwicklung abhängig. Steht eine Waage zur Verfügung, kann folgendermaßen vorgegangen werden: Kurz vor dem Werfen sollte das Gewicht etwa 120-125 Prozent des Normalgewichtes betragen, nachher zwischen 105 und 110 %. Ist die Gewichtsentwicklung der schwangeren Hündin in dieser Weise verlaufen, besitzt sie ausreichend Nährstoff- und Energiereserven für die bevorstehende Säugeperiode. Während in der ersten Phase der Trächtigkeit das Futter ein- bis zweimal am Tag gegeben wird, ist in der zweiten Phase eine zwei- bis dreimalige Fütterung empfehlenswert. Bei einer freien Fütterung nach Belieben ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle unumgänglich. Frisches Wasser braucht die Hündin während der ganzen Trächtigkeit natürlich in ausreichendem Maße.

Übrigens: Alle Hunde können notfalls ohne die Zufuhr des Energieträgers Kohlenhydrat leben, da sie - anders als Menschen - Fette und vor allem Eiweiße in hohem Maße zu lebensnotwendigen Kohlenhydraten umwandeln können. Dies bedeutet aber nicht, dass Hunde nun eine Nahrung erhalten sollten, die nur Eiweiße und Fette enthält. Besonders bei einer trächtigen Hündin könnte es hierdurch sehr rasch zu einer mangelhaften Energieversorgung kommen. Zudem ist die Fähigkeit von Hunden wahrscheinlich ein naturgegebener Schutz vor Mangelsituationen, in denen Hunde (Wölfe) nicht genügend Kohlenhydrate aufnehmen können. Eine solche Mangelsituation entspricht aber nicht den normalen Ernährungsbedingungen. Und: Kohlenhydrate haben noch eine weitere wichtige Funktion, wie im folgenden Abschnitt erläutert wird.

Trächtigkeit: Verdauungsprobleme bei Hündinnen

Viele hoch trächtige Hündinnen neigen zu einer verlangsamten Darmtätigkeit, die zu Verstopfungen führen kann. Verstopfungen aber können zu Schadstoffbelastungen des Organismus (und des ungeborenen Lebens) führen, da viele Stoffwechselgifte nicht so schnell wie vorgesehen wieder ausgeschieden werden. Geringe Mengen an organischen, kohlenhydratreichen Faserstoffen in der Nahrung ("Ballaststoffe") regulieren zumeist eine solche Futterpassagestörung - Knochen oder ballaststoffarme Kost verstärken sie. Ganz besonders wichtig: Tägliche Bewegung der Hündin regt ebenfalls die Darmtätigkeit deutlich an.

In den letzten Wochen vor der Geburt stimmen Futteraufnahmeverhalten und tatsächlicher Nährstoffbedarf oft nicht mehr überein: die Hündin frisst zu wenig - wahrscheinlich wegen zunehmender Einengung des Bauchraums und/oder Hormonveränderungen. Deswegen sollte die Futterzuteilung etwa ab Ende der 4. Woche erhöht werden - also bereits bevor der Bedarf tatsächlich so hoch ist. Und zwar auf etwa 50 Prozent des normalen Bedarfs von Hündinnen. In der letzten Woche nimmt die Hündin dann zumeist nur noch Futter entsprechend ihres eigenen Bedarfs auf.

Starker Flüssigkeitsverlust während der Geburt

Wegen der Anstrengungen der Geburt sowie des großen Flüssigkeitsverlust währenddessen benötigt die Hündin viel Flüssigkeit bei der Geburt. Deswegen sollte ihr ständig frisches Trinkwasser zur Verfügung stehen. Bei vielen Hündinnen ist es nach der Geburt normal, wenn sie nur zögerlich wieder Nahrung aufnehmen. Dauert dies nicht länger als zwei Tage, braucht man sich keine Sorgen machen.

Rüde

Besondere Fütterungsrichtlinien für Rüden vor der Deckung gibt es nicht. Es empfiehlt sich aber auch hier eine hochwertige Nahrung zu geben; Übergewicht ist zu vermeiden. Mangel an bestimmten unverzichtbaren Nährstoffen (z.B. essenzielle Fettsäuren, Selen, Zink) in der Entwicklung des Hundes können zu Einschränkungen der Fruchtbarkeit des Rüden führen.

Zusammenfassung

Eine optimale Voraussetzung für eine gesunde und erfolgreiche Schwangerschaft ist also eine körperliche Bestform. Diese wiederum ist in starkem Maße von einer artgerechten Ernährung abhängig. Artgerechte und moderne Hundeernährung aber bedeutet die Verwendung einer Nahrung, die alle lebensnotwendigen Nährstoffe wissenschaftlich bilanziert, d.h. in den richtigen Mengen und Verhältnissen zueinander, enthält.

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