Vitamine sind chemische Verbindungen, die weder zur Energiegewinnung noch zum Aufbau von Organstrukturen im Hundeorganismus herangezogen werden, aber dennoch für das Leben unerlässlich sind. Sie werden definiert als Substanzen, die ein Organismus nicht selbst synthetisieren kann, die jedoch lebensnotwendig sind. Wahrscheinlich, so vermutet die Wissenschaft, ist die Fähigkeit der Tiere Vitamine selbst in der Leber zu synthetisieren im Laufe der Evolution durch Mutationen (Veränderungen) des Erbgutes verloren gegangen. Dies wird deutlich beispielsweise am Niacin: Tiere können dieses Vitamin noch selbst synthetisieren. Nur wenn die Aminosäure Tryptophan in der Nahrung fehlt, wird Niacin essenziell. Beim Vitamin D dagegen ist festgestellt worden, dass ein Hund bestimmte Zwischenstufen des aktiven Vitamins noch selbst synthetisieren kann.
Vitamine sind Wirkstoffe, die nahezu in alle entscheidenden Körperfunktionen von Stoffwechsel, Wachstum, Regeneration, Fortpflanzung oder Sinnesfunktionen steuernd eingreifen. Zumeist stellen sie dabei aber nicht das aktive Enzym dar, welches aus chemischen Ausgangsstoffen die gewünschten biochemischen Endprodukte herstellt. Vielmehr wirken sie meistens als unerlässliche Cofaktoren (Coenzyme) bei biochemischen Umwandlungen im Stoffwechsel. Ein Mangel an Vitaminen (Hypovitaminose oder Avitaminose) führt deswegen in aller Regel zu deutlich eingeschränkten Stoffwechselfunktionen verschiedenster Art, die nach kürzerer oder längerer Zeit zu Krankheitssymptomen führen können. Die Zeitdauer ist dabei besonders von der Vitamin-Speicherfähigkeit sowie dem Bedarf des Organismus abhängig. Besonders die fettlöslichen Vitamine (A, D, E und K) können gespeichert werden, ein Mangel tritt nicht sofort in Erscheinung. Ein Mangel der übrigen, wasserlöslichen Vitamine dagegen tritt, je nach funktioneller Bedeutung des Vitamins für den Hund, relativ rasch in Erscheinung. Umgekehrt wirkt sich auch ein Zuviel der lebensnotwendigen Vitamine (Hypervitaminose) fatal aus: Es kommt zu einer Vielzahl von krankmachenden Nebenwirkungen, die nur durch eine artgerechte Ernährung zu vermeiden sind. Besonders gefährlich aus tierärztlicher Sicht sind dabei falsch dosierte Vitaminpräparate, die nur durch Ärzte im Falle einer Erkrankung verordnet werden sollten. Bei Verwendung einer hochwertigen Vollnahrung für den Leistungshund sollte ein Hund mit allen lebensnotwenigen Vitaminen in artgerechtem Umfang versorgt so werden, dass weder ein Mangel noch eine Hypervitaminose auftreten kann. Die Speichermöglichkeit von Vitaminen bedingt auch ihre Gefährlichkeit bei Überversorgung: Die fettlöslichen Vitamine können in hohem Maße im Organismus weiter angereichert werden und dessen Stoffwechsel und Körperfunktionen nachhaltig stören. Die wasserlöslichen Vitamine hingegen werden rasch über die Nieren des Hundes ausgeschieden, so dass chronische Vergiftungssituationen - wie sie bei einigen diese Vitamine möglich sind - eine Vitamin-Gabe über längere Zeit erfordert. Mikroorganismen und Pflanzen sind Hauptquelle der VitamineDie Quelle der Vitamine sind letztlich einzellige Mikroorganismen und Pflanzen, die noch die Fähigkeit der Vitaminsynthese behalten haben. Ein Teil der Vitamine, die jeder Hund braucht, stammt also aus der Nahrungskette, die von den Pflanzen bis zu den Tieren reicht. Ein weiterer Teil wird von Mikroorganismen produziert, die sich im Darm von Säugetieren aufhalten und dort in Symbiose mit dem Tier zusammen leben (Darmbakterien). D.h. der Preis, den die Darmbakterien an ihren "Wirt" an den Hund zu zahlen haben, ist die Produktion wichtiger Vitamine. Bei einer weiteren Gruppe von Vitaminen schließlich liefert die Natur halb fertige Vorstufen der späteren Vitamine (Provitamine), die vom Organismus dann zu der funktionsfähigen chemischen Verbindung umgebaut wird. Ein Beispiel ist das bereits erwähnte Vitamin D. Vitamin-Bedarf von vielen Faktoren abhängigDer tägliche Bedarf eines Hundes an den verschiedenen Vitaminen ist je nach Lebenssituation unterschiedlich: Während Gravidität und Laktation benötigt eine Hündin besonders viel Vitamine, genauso wie die Welpen während ihres Wachstums. Andere körperliche Leistungen, z.B. beim Sport und Stress wie bei Wachhunden erfordern ebenfalls eine vermehrte Zufuhr bestimmter Vitamine. Der Vitaminmehrbedarf steht dabei meistens in direktem Verhältnis zur Energieaufnahme bzw. -verbrauch des jeweiligen Tieres. Der genaue Bedarf eines Hundes an den verschiedenen Vitaminen in den jeweiligen Lebenssituationen ist nach jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung erst teilweise bekannt. Dies liegt im Wesentlichen an der Vielzahl komplexer Stoffwechselvorgänge, an denen viele Vitamine beteiligt sind. Der Bedarf an Vitamine, deren Aufgabe genau bekannt ist (Beispiel: Vitamin D), kann dagegen genauestens angegeben werden. Hochwertige Vollnahrungen sollten die hieraus resultierenden fundierten Ernährungsempfehlungen von Ärzten, Ernährungswissenschaftlern und anderen Experten berücksichtigen. Eine befriedigende Bilanzierung der Vitamine durch selbst hergestellte Hundenahrung erscheint angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse und Bedarfsanalysen kaum realisierbar. Umgekehrt ist eine artgerechte Versorgung mit den lebensnotwendigen Vitaminen ein wichtiger Faktor einer höheren Lebenserwartung, geringerer Krankheitsanfälligkeit, verstärkter Regenerationsfähigkeit nach Krankheit oder Verletzung sowie einer optimalen Leistungsfähigkeit. Keine Erhöhung der Leistungsfähigkeit durch VitaminpräparateUm es gleich vorwegzunehmen: Vitamine, isoliert verabreicht oder in unphysiologisch erhöhten Mengen mit der Nahrung gegeben, erhöhen in keiner Lebenssituation, die Leistungsfähigkeit eines Hundes - sei es bei Sporthunden, bei trächtigen Hündinnen oder Welpen. Von entsprechenden Ergänzungspräparaten ist deswegen unbedingt abzuraten. Zwölf Vitamine sind für Hunde essenziell, wobei eines wie erwähnt nur unter bestimmten Bedingungen essenziell ist (Niacin). Alle wichtigen Vitamine beziehungsweise Vitamingruppen, werden im Folgenden in ihren Funktionen und Besonderheiten vorgestellt. In der Übersicht finden sie ergänzend hierzu den von Experten festgestellten Bedarf von Hunden an diesen Vitaminen. Die optimale Deckung des Vitaminbedarfs wird durch Vitamin-Dosierungen in der Nahrung erreicht, die etwas über diesem Mindestbedarf liegen. Der Grund hierfür liegt in der unvollständigen Aufnahme der, in der Nahrung enthaltenen Vitaminkonzentrationen. Zudem sind einige Vitamine recht unstabil und werden durch Licht, Hitze, Oxidation, Feuchtigkeit oder auch bestimmte Mineralstoffe zerstört. Übrigens: Die Reihenfolge der Vitamine bedeutet keine Wertung in Hinsicht auf ihre Bedeutung im Hundeorganismus. Vitamine sind ja gerade unverzichtbare Bestandteile der Ernährung, deren Mangel mit einem gesunden Leben nicht vereinbar ist. Fettlösliche VitamineVitamin A - wichtig für Wachstum, Fortpflanzung und Augen
Obwohl Vitamin A als eines der ersten Vitamine vor über 70 Jahren entdeckt wurde, ist seine Funktion noch weitgehend unbekannt. Lediglich aus den Mangelerscheinungen lassen sich die Funktionsbereiche ableiten, insgesamt drei an der Zahl. Vitamin A ist eine Gruppe von drei wirksamen Substanzen - Retinol, Retinaldehyd und Retinsäure. Wichtig sind auch Vorstufen des Vitamins - die Karotin-Provitamine. Vitamin A spielt eine bedeutende Rolle beim Wachstum von Hunden - besonders der Entwicklung und Differenzierung von Haut, Schleimhaut und Knochengewebe. In diesem Funktionsbereich sind alle drei Vitamin A-Verbindungen wirksam. Im Bereich der Reproduktion ist Vitamin A ebenfalls unverzichtbar - besonders bei der Entwicklung der Samenzellen des Rüden, der Plazentaentwicklung der Hündin und dem embryonalen Wachstum. Die Vitamin A-Verbindung Retinaldehyd ist in fast allen Bereichen der Sehfunktion der Augen wichtig, d.h. bei der Bildung der Sehpigmente oder der Funktion der Sehzellen vor allem beim Farbensehen.
Entsprechend der genannten drei Funktionskreise entwickeln sich bei länger anhaltendem Mangel an Vitamin A Störungen der Haut (massive Verhornungen) und der inneren Schleimhäute (Zunahme Bronchialschleimhaut mit Lungenentzündungen), Knochenentwicklungs-Störungen, erhöhte Infektionsneigung und schließlich Gewichtsverlust. Weiterhin sind vielfältige Krankheitssymptome der Augen zu beobachten. Diese reichen von Austrocknung und Entzündungen der Augenhornhaut über Störungen der Sehfunktion bis hin zur Erblindung. Die, bei Vitamin A mögliche Überversorgung mit dem Wirkstoff manifestiert sich insbesondere am, für heranwachsende Leistungshunde wichtigen Bewegungsapparat: Es wird weniger Knorpel innerhalb der Gelenke aufgebaut und die artgerechte Ausformung der Knochen ist gestört. Zudem können sich Degenerationen von Blutgefäßen einstellen. Welpen leiden dabei zudem an Gewichtsverlust, werden lethargisch und entwickeln starke Schmerzen in den Gelenken. Eine Hypervitaminose A von trächtigen Hündinnen führt bei ihren Welpen zu angeborenen Entwicklungsstörungen z.B. des Kiefers. Vitamin D (Cholecalciferol) - wichtiges Hormon im KalziumstoffwechselDieses Hormon gehört zu den am besten erforschten Substanzen der Biologie und Medizin. Ursache ist seine hormonähnliche Beteiligung an einem klar definierten Funktionskreis des Säugetierkörpers - dem Knochenstoffwechsel. Vitamin D, so haben Sie in Folge 5 ("Mineralstoffwechsel") bereits erfahren, wirkt vor allem im Darm, dem Skelettsystem und der Niere. Seine Funktion besteht überwiegend in der Aufrechterhaltung eines normalen Kalzium- und Phosphatspiegels im Blut, also von den beiden Mineralstoffen, die das mineralische Knochengerüst aufbauen. Über- und Unterdosierungen von Vitamin D können vor allem fatale Folgen für die Entwicklung des Knochensystems und damit die lebenslange Gesundheit eines Hundes haben. Wie bereits erwähnt, ist Vitamin D eine hormonähnliche Substanz, deren wirksame Form erst im Organismus aus Vorstufen entsteht. Diese chemischen Vorstufen müssen dazu in der Haut durch das ultraviolette Licht der Sonne umgewandelt werden, bevor sie in Leber und Niere zum stoffwechselaktiven Vitamin D umgewandelt werden. Vitamin E (Tocopherol) - nur geringer Effekt auf das ImmunsystemDie Gruppe der Tocopherole ist in ihrer Funktion und vor allem ihrer Bedeutung für Säugetiere noch nicht eindeutig geklärt. Klar ist nur, dass Vitamin E eine Substanz ist, die die äußere Membran von Zellen vor Schäden schützt. Beispielsweise vor der Zerstörung durch aggressive Sauerstoffverbindungen oder einer übermäßigen Einlagerung von Fett. In allen Zellmembranen sind Fettverbindungen enthalten, z.B. die mehrfach ungesättigte Linolsäure. Diese Zellbestandteile haben die Neigung von selbst zu zerfallen. Dabei kann es zum Tod von Zellen und der Unterbindung vieler Lebensfunktionen kommen. Ein effektiven Schutz gegen diesen, auch Autooxidation genannten Zerfall der Zellmembran bietet Vitamin E. Der Mangel des Vitamins führt deswegen zu einer Vielzahl, allerdings uncharakteristischen Gesundheitsstörungen. Hierzu gehören Muskelschwäche - als Folge einer Degeneration von Skelettmuskelzellen. Oder ein gestörter Verlauf der Trächtigkeit und nachfolgend zu schwachen und/oder toten Welpen. Auch die Samenzellbildung beim Rüden kann gestört sein oder komplett ausfallen. Immer wieder treten auch Schädigungen an den Augen auf, wenn auch andere als bei Mangel von Vitamin A. Beim Mangel an Vitamin E kommt es vor allem zur Zerstörung der lichtempfindlichen Rezeptoren durch übermäßige und zerstörende Fetteinlagerungen. In übertriebener Weise wird in bestimmten Medien über einen Aspekt der Vitamin E-Funktion berichtet: und zwar der Effekt auf das Abwehrsystem. Zwar kommt es bei absolutem Mangel an Vitamin E auch zu einer Einschränkung der Immunfunktionen, der umgekehrte - häufig zu hörende - Schluss, dass große Mengen an Vitamin E die Immunfunktion über das physiologische Maß hinaus erhöhen, ist mit Sicherheit falsch. Bei einer solchen Überdosierung kann es, wenn auch eher selten, zu gefährlichen Störungen besonders der Blutgerinnung von Hunden kommen. Zudem hemmen hohe Dosen Vitamin E die Aufnahme von Vitamin A und Vitamin K. Vitamin K - wichtig bei der BlutgerinnungDieses Vitamin spielt physiologischerweise eine entscheidende Rolle bei der Blutgerinnung. Es bewirkt in den Leberzellen die Synthese des Gerinnungs-Eiweißes Prothrombin und verschiedener anderer Gerinnungsfaktoren - ist also mitverantwortlich für den raschen Verschluss von blutenden Wunden und Gefäßverletzungen. Es kommt in allen grünen Pflanzen vor und wird dem Hund zudem von den Bakterien der Darmflora bereit gestellt. Wahrscheinlich reichen die, von den Darmbakterien produzierten Vitamin K-Mengen für die normale Versorgung aus - Voraussetzung ist natürlich, dass der Hund gesund ist. Kommt es dennoch zu einem Mangel, so entwickeln sich vor allem innere Blutungen, die ohne Gegenmaßnahmen nach einiger Zeit zum Tode führen können. Dies kommt insbesondere bei fehlernährten Welpen vor, deren Darmbakterien noch keine ausreichenden Vitamin K-Mengen produzieren. Die - extrem seltene - Hypervitaminose dagegen führt besonders bei jungen Hunden zum Zerfall von roten Blutkörperchen, zur Gelbsucht und schließlich ebenfalls zum Tode. Wie Vitamin D ist Vitamin K also ein Vitamin mit bekannter Funktion. Wasserlösliche VitamineVitamine der B-Gruppe
Zu der Gruppe der wasserlöslichen Vitamine gehört der Vitamin B-Komplex. Also verschiedene Vitamine, die teilweise aus historischen Gründen noch in dieser Gruppe zusammengefasst werden. Teilweise kommen die B-Vitamine aber auch gemeinsam vor und haben eine große funktionelle Ähnlichkeit. Ebenfalls wasserlöslich ist auch Vitamin C, das zwar für Menschen aber nicht für Hunde essenziell ist. Allen wasserlöslichen Vitaminen ist gemeinsam, dass sie kaum im Organismus gespeichert werden können. Thiamin (Vitamin B1) - das "Nerven-Vitamin"Bereits 1630 wurde die Krankheit Beri-Beri beschrieben - eine durch Thiamin-arme Kost (polierter Reis) hervorgerufene Hypovitaminose, die auch heute in Ostasien noch eine große Rolle spielt. Thiamin ist ein Vitamin, das eine überragende Bedeutung für das Nervensystem hat. Übrigens: Thiaminmangel bei Menschen der westlichen Welt ist der häufigste Vitaminmangelzustand. Grund ist der Alkoholismus, der die Suchtkranken zu wenig thiaminhaltige Nahrung aufnehmen lässt. Der Thiaminbedarf eines Hundes ist, ähnlich wie bei anderen Vitaminen, stark vom Energieverbrauch sowie der Art der Ernährung abhängig. So kann eine nicht artgerechte Nahrung das "Wohlbefinden" der Darmbakterien beeinträchtigen und damit die bakterielle Produktion des Vitamins durch die Mikroorganismen stören. Mangelzustände werden, wegen fehlender Speicherkapazität, schnell deutlich: Ein nicht optimales Wachstum der Welpen mit Wachstumsverlangsamung bei Welpen, Abmagerung und mangelnde Fresslust bei erwachsenen Hunden sowie Kotfressen (Koprophagie) können auftreten. Chronische Mangelsituationen werden an Störungen des Nervensystems deutlich: Appetitlosigkeit, Erbrechen, Krämpfe, Muskelschwäche oder auch Herz-Kreislaufstörungen und plötzlicher Tod durch Herzversagen. Eine akute Überdosierung von Thiamin führt zu einem raschen Abfall des Blutdrucks und durch Ausfall des Atemzentrums zum Tode des vergifteten Hundes. Riboflavin (Vitamin B2) - unverzichtbares MultitalentKaum ein Vitamin ist an derartig vielen Stoffwechselvorgängen in jeder einzelnen Körperzelle beteiligt wie Riboflavin. Es kommt zumeist an die sog. Flavoproteine vor. Dies sind essenziell wichtige Eiweiß-Bestandteile vieler entscheidender Enzyme und Coenzyme. An den vielfältigen und nur teilweise bekannten Funktionen dieses Vitamins wird die Hierarchie einzelner Wirkstoffe im Stoffwechsel deutlich: Während letztlich die so genannten Enzyme (Fermente) die chemischen Umwandlungen im Stoffwechsel durchführen, sind sie auf die Mitarbeit von Coenzymen angewiesen, die z.B. die Energie anliefern. Die Coenzyme beteiligen sich aber nur indirekt an den chemischen Umsetzungen. Viele Vitamine wiederum sind entweder selbst als Coenzyme tätig oder wiederum für die richtige Funktion von Coenzymen notwendig. Ihre Rolle dabei entspricht dabei genau den Aufgaben vieler Spurenelementen, die ebenfalls nur indirekt, dennoch aber unverzichtbar an chemischen Umwandlungen im Körper beteiligt sind. Riboflavin, das wie andere wasserlösliche Vitamine nicht gespeichert werden kann, wird beim Hund teilweise durch die symbiontischen Darmbakterien zur Verfügung gestellt. Dennoch kann ein Riboflavinmangel der Nahrung zu erheblichen Krankheitssymptomen führen. Diese reichen von Appetitlosigkeit und niedriger Körpertemperatur über Apathie und fortschreitende Schwäche zum plötzlichen Kreislaufzusammenbruch und Tod. Ein chronischer Mangel dagegen führt zur Abnahme des Körpergewichts, Schwäche, Augenschäden oder Hautentzündungen. Bei trächtigen Hündinnen kommt es zu Fehlbildungen der Feten. Eine Überdosierung des Vitamins dagegen hat bei Hunden vermutlich keine Auswirkungen. Panthothensäure-Mangel führt zur AbwehrschwächeDie Panthotensäure wird aus historischen Gründen dem B-Komplex zugeordnet. Es handelt sich aber wahrscheinlich um ein eigenständiges Vitamin. Auch die Panthothensäure ist als Bestandteil des Coenzym A's, eines der wichtigsten Coenzyme der Säugetiere überhaupt, an vielen entscheidenden Stoffwechselvorgängen in jeder Zelle beteiligt. Sein Mangel führt, ähnlich wie ein Riboflavinmangel, zu vielfältigen, eher uncharakteristischen Krankheitssymptomen. Solche Symptome, z.B. Appetitstörungen, Wachstumsverminderung bei Welpen, Auszehrung oder Krämpfe, sind typisch für Mangelzustände von Vitaminen mit sehr vielfältigen Aufgaben. Auffällig bei einem Mangel an Panthothensäure ist allerdings die abnehmende Abwehrkraft auf Grund mangelhafter Synthese von Antikörpern (Eiweißen, die Erreger vernichten können). Niacin - nicht immer ein Vitamin
Immerhin rund 200 Enzyme sind bis jetzt bekannt, die in ihrer Funktion auf Coenzyme angewiesen sind, die nur zusammen mit dem Vitamin Niacin funktionieren. Hauptaufgaben dieser Enzyme sind Synthese und Aufbau von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten. Aber: Niacin ist für den Hunde nur dann essenziell, wenn in der Nahrung die Aminosäure Tryptophan fehlt. Ist dieser Eiweißbaustein vorhanden, so können Hunde hieraus Niacin synthetisieren. Zudem wird Niacin auch durch die Darmbakterien geliefert. Entwickelt sich ein Niacin-Mangel (beim Menschen Pellagra genannt), kann es beim Hund zu einer schwarzen Zunge kommen. Ursache sind schwere Entzündungen und Geschwürsbildungen von Mund und Rachen mit blutigem Speichel. Gleichzeitig kommt es auch zu Hautentzündungen, Durchfällen und Störungen der Nervenfunktionen. Zudem können alle, bereits erwähnten Mangelsymptome auftreten. Auch eine Überdosierung dieses Vitamins bleibt nicht folgenlos: Starke Hautrötungen oder Wachstumsstörungen sind vom Tierarzt zu beobachten. Pyridoxin (B6) - wichtig im EiweißstoffwechselPyridoxin ist Cofaktor vieler Enzyme besonders des Aminosäure- und Eiweißstoffwechsels. Bis jetzt sind über 50 Enzyme bekannt, deren Funktion von dem Vitamin abhängt. Pyridoxin ist auch für die Blutbildung unverzichtbar, insbesondere für die Produktion des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin). Typisch für einen Mangel an dem Vitamin ist deswegen auch eine zunehmende Blutarmut (Anämie), die bei chronischem Mangel eindeutige Veränderungen nach sich zieht: Beispielsweise Herzveränderungen, Nervenschäden oder Gewichtsverlust. Bei Welpen fallen neben der Blutarmut Appetitlosigkeit, Wachstumsverlangsamung und Hautveränderungen auf. Wenigstens bei diesem Vitamin kommt es auch bei hohen Dosierungen zu keinen toxischen Effekten. Folsäure - Störung der Zellteilung
Die Folsäure wurde, wie die Panthothensäure zum B-Komplex gerechnet. Es ist wichtig für den Kohlenstoffwechsel und die Biosynthese von Eiweißen. Darmbakterien liefern Hunden einen beträchtlichen Teil dieses Vitamins. Ein Mangel führt neben Allgemeinsymptomen wie Niacin zu einer Blutarmut. Ursache ist hierbei aber nicht die eingeschränkte Synthese des Blutfarbstoffs sondern - auf Grund von Zellteilungsstörungen im Blut bildenden System - der roten Blutkörperchen selbst. Übrigens: Bei den Menschen der westlichen Welt ist ein Folsäuremangel der häufigste Vitamin-Mangelzustand. Wie bei Pyridoxin sind bei Hunden noch keine Überdosierungserscheinungen beobachtet worden. Biotin (Vitamin H)Zum Stoffwechsel gehört nicht nur die unmittelbare Syntheseleistung, sondern auch die Zulieferung chemischer Verbindungen und Elemente. Ohne diese könnte ein Enzym schließlich seine Arbeit nicht verrichten. Eine wichtige Verbindung in allen Lebensvorgängen ist das Kohlendioxid (CO2), das alle Säugetiere ausatmen. Das Vitamin Biotin ist eines der wichtigsten Coenzyme, die CO2 im Rahmen vieler biochemischer Prozesse übertragen ("Carboxylierung"). Allerdings ist eine Mangelsituation sehr selten, da viel Biotin im Darm synthetisiert wird und zudem in sehr vielen Nahrungsmittel vorkommt. Mangelsymptome beim Hund, ausgelöst z.B. durch die Fütterung mit rohen Eiern (Eier enthalten eine Substanz, die die Aufnahme von Biotin im Darm verhindern), führen zu Veränderungen von Haut und Fell. Z.B. glanzlosem, trockenem und sprödem Haar, Ergrauen und Ausfall von Haaren oder juckende Hautentzündungen. Cobalamin (Vitamin B12) - wichtig für die EnergielieferungDie Bezeichnung Cobalamin fasst eine Gruppe chemisch und funktionell sehr ähnlicher Substanzen zusammen. Typisch ist, dass Cobalamin nur von Mikroorganismen, aber nicht von Pflanzen synthetisiert werden kann. Die Aufgabe von Cobalamin ist genau bekannt: Es ist an einem der wichtigsten energieliefernden Stoffwechselwege, dem sog. Zitronensäurezyklus beteiligt. Adäquate Leistungsnahrungen unterstützten durch Vitamin B12 und Spurenelemente (z.B. Eisen) die Muskelaktivität und den Sauerstofftransport des Blutes. Auch für die Synthese von Kernsäuren, die die Erbsubstanz in jeder Zelle bilden, ist Cobalamin unverzichtbar. Bei einem Mangel kommt es deswegen schnell zu einer Blutarmut, da, wie bei Folsäure, die Zellteilung im Blut bildenden Gewebe gestört ist. Bei einer Überversorgung kommt es nur zu wenigen Veränderungen, vor allem an den Blutgefäßen. Nicht essenzielle 'Vitamine': Askorbinsäure (Vitamin C)Hunde benötigen keine Zufuhr von Vitamin C mit der Nahrung - nicht einmal wachsende Welpen. Da bei Vitamin C-Mangel keine, der von anderen Säugetieren bekannten Mangelsymptome auftreten, ist klar, dass Hunde Vitamin C selbst synthetisieren können. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine zusätzliche Gabe von Vitamin C von irgendeinem Nutzen für Hunde ist - auch nicht im Krankheitsfalle. Dies gilt im Übrigen in gleichem Maße auch für den Menschen. Möchten Sie die interaktiven Fragen zu dieser Folge beantworten, klicken Sie bitte hier! |
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| © multi MED vision - Berliner Medizinredaktion, 1992-2010. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht: Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich. Impressum. |
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