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Mineralstoffe und Ernährung


Arearea

Ausschnitt aus "Arearea" von Paul Gauguin (1890)

Mineralstoffe sind Substanzen der anorganischen, also unbelebten Natur. Sie gelangen überwiegend als gelöste Salze über die Nahrung in den Organismus. Hier kommen sie entweder auch gelöst vor - z.B. in der Blutflüssigkeit - oder werden in feste, anorganische Körperstrukturen - wie im Knochen - eingebaut. Die Biochemiker unterscheiden zwei Gruppen von Mineralstoffen im Organismus eines Lebewesens. Zum einen die so genannten Mengenelemente, also Mineralstoffe, die in großen Mengen vorkommen. Zum anderen die Spurenelemente, die in winzigen, z.T. kaum messbaren Konzentrationen an entscheidenden Schlüsselstellen des Lebens vorhanden sind. So wie die Mineralstoffe in Mengen- und Spurenelemente zu unterteilen sind, können sie auch nach ihrer Funktion unterschieden werden. Im Wesentlichen liegen die Funktionen im Bereich 'Baustoff von Körpersubstanz' und im Bereich 'Steuerungsvorgänge von Lebensvorgängen'.

Für beide Funktionsbereiche von Mineralstoffen werden im folgenden Beispiele vorgestellt. Die Übersichtstabellen zeigen Ihnen darüberhinaus einen Ausschnitt aus der Fülle von weiteren Funktionen, die für Leistungshunde von besonderer Bedeutung sind. Da Mineralstoffe - genauso wie die essenziellen Vitamine, Eiweiße und Fettsäuren - vom Körper nicht selbst synthetisiert werden können, ist die artgerechte Versorgung mit der Nahrung von großer Bedeutung für die Gesundheit eines Hundes. Unterversorgung und Überversorgung mit Mineralstoffen sind unbedingt zu vermeiden. Es ist übrigens ein Vorurteil, dass bei den Mengenelementen Ernährungsdefizite auftreten dürften, weil der Organismus ja so viel davon enthielte. Eine artgerechte Ernährung gerade von Leistungshunden darf auf keinen Fall nur auf die lebensnotwendige Versorgung mit Spurenelementen abzielen, sondern muss auch biologisch ausreichende Mengen an Mengenelementen zur Verfügung stellen. Nur so kann die Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Aktivität, Lebensfreude oder Reproduktionsfähigkeit eines Hundes Gewähr leistet werden.

Anteil von Mengenelementen am Gesamtkörpergewicht
eines erwachsenen Hundes von 35 kg

  Prozent Gramm - gesamt
bei 35 kg
Kalzium 1 - 1,5 350 - 525
Phosphor 0,5 - 0,8 175 - 280
Kalium 0,172 60,2
Natrium 0,121 42,35
Chlor 0,11 38,5
Magnesium 0,026 9,10
Eisen 0,010 3,5
Zink 0,0085 2,98
Kupfer 0,00076 0,27

Beispiel Mengenelemente: Kalzium und Phosphor

Das Organsystem Knochen und Gelenke als Teil des Bewegungsapparates besteht aus verschiedenen Anteilen: 1.) der weiche Form gebende Bindegewebe-Anteil ("Knochenmatrix") und 2.) der mineralisierte Hart-Anteil des Knochens, der sich beim Hund erst nach der Geburt ausbildet. In den langen Röhrenknochen, in Anteilen des Beckens oder des Schädelknochens finden sich 3.) zudem Hohlräume, die beispielsweise das Knochenmark als lebenslange Quelle der roten Sauerstoff tragenden Blutkörperchen beherbergen. Die vielfältigen Funktionen der Knochen können beim heranreifenden und erwachsenen Hund nur Gewähr leistet werden, wenn das harte Knochengerüst - aufgebaut aus Mengenelementen - lebenslänglich eine ausreichende Stärke, Elastizität und Biegefestigkeit aufweist.

Entscheidend für den Knochenstoffwechsel: Kalzium und Phosphor

Kalzium-Phosphor-Bedarf von Hunden
aus: Bubenzer, R.H.: Knochen und Kalzium-Phosphorstoffwechsel beim Deutschen Schäferhund. SV Zeitung, Augsburg: 8/1994.

Kalzium ist eine unverzichtbare strukturelle Komponente jedes Knochens. Das Mengenelement ist zudem an vielen biologischen Prozessen beteiligt, die von der Muskelkontraktion über die Blutgerinnung bis zur Hormonfreisetzung reichen. Wichtig ist Kalzium auch bei der Erregungsleitung der Nerven. Grundsätzlich ist Kalzium ein Element, das in jeder Körperzelle vorkommt und für deren Funktionen und damit das Überleben jedes Organismus unverzichtbar ist. Phosphor wiederum ist, außer im Knochen, auch in Weichgeweben enthalten und stellt einen integralen Bestandteil des Energiestoffwechsel jeder Zelle dar. Zudem ist Phosphor ein bedeutender Baustein der Zellkerne, gerade von wachsenden Geweben.

Straff regulierte Kalzium- und Phosphorkonzentrationen im Blut

Die vielen Aufgaben von Kalzium und Phosphor im Körper erfordern die genaue Regulierung der im Blut ständig kreisenden Kalzium- und Phosphormenge. Ein gesunder, artgerecht ernährter Hund kann diese physiologisch notwendigen Konzentrationen in engen Grenzen aufrechterhalten.

Konzentrationen im Blutplasma

Kalzium Phosphor
Erwachsener Hund 10 - 11 mg/dl 4 - 6 mg/dl
Wachsende Junghunde 11 - 13 mg/dl 8 - 10 mg/dl

An der Regulation der Kalziumkonzentration sind 3 Organsysteme beteiligt: Verdauungsapparat, Nieren und Knochen. Im Verdauungsapparat wird ein Teil des Nahrungskalziums über verschiedene Mechanismen durch die Darmwand in das Blut transportiert. Umgekehrt kann der Darm beim erwachsenen Hund gewisse Mengen überschüssiges Kalzium mit dem Stuhl auch wieder ausscheiden (Es werden bei minimaler Kalziumzufuhr etwa 10 bis 20 mg Kalzium pro kg Körpergewicht am Tag ausgeschieden). Für die Phosphorausscheidung des Hundes ist nicht der Darm sondern die Nieren das Hauptausscheidungsorgan - pro Tag gehen etwa 25 mg Phosphor pro kg Körpergewicht verloren.

Die Funktion der Nieren beim Kalziumstoffwechsel liegt vor allem in der Beteiligung an der hormonellen Regulation dieser Vorgänge. Eine ganz überragende Rolle im Kalzium- und Phosphorstoffwechsel spielen natürlich die Knochen: Sie lagern nämlich ständig diese Mineralien ein, gleichzeitig werden aber auch Kalzium und Phosphor wieder abgebaut ("Knochen-Stoffwechsel"). Diese ständigen Auf- und Abbauvorgänge sind von entscheidender Bedeutung für die Anpassung des Knochensystems an die wechselnden körperlichen Anforderungen: Die Form und Ausgestaltung der mineralischen Knochenbälkchen wird ständig auf ihre Funktion als Stützgerüst hin optimiert. Hierdurch werden erhebliche Mengen Kalzium pro Tag umgesetzt. Beispiel: Erwachsene Hunde setzen täglich 4 - 8 Milligramm Kalzium pro kg Körpergewicht um. Das sind bei einem 35 kg schweren Hund immerhin 140 bis 280 Milligramm am Tag. Bei wachsenden Hunden liegt dieser Umsatz mindestens 100-mal höher als bei Hunden mit ausgereiftem Knochensystem. Dies bedeutet für den Leistungshund: Trainingseffekt bauen nicht nur Muskulatur auf, sondern führen auch zu Leistungsanpassungen der Knochen. Oder umgekehrt: Beginnt ein Hund nach langer Ruhephase wieder mit Leistungssport, dauert es einige Wochen, bis sein Knochengerüst den Belastungen wieder optimal angepasst ist (Ein Extrembeispiel sind die Veränderung von Muskeln und Knochen bei anliegendem Gipsverband: Die Extremität wird dünner, weil sich Muskelmasse und Knochendichte vermindern. Leistungsfähigkeit und Bruchfestigkeit der Gliedmaßen sind anschließend vermindert und müssen wieder trainiert werden).

Mineralstoffe, Mengenelemente und Spurenelemente
aus: Bubenzer, R.H.: Der Mineralstoffwechsel bei der Ernährung des Deutschen Schäferhundes. SV Zeitung, Augsburg: 01/1993.

Hormone steuern alles

Die direkte Regulation der Kalzium- und Phosphorkonzentration im Blut wird im Wesentlichen durch drei spezifische hormonelle Regulatoren vermittelt: Parathormon, Kalzitonin und Vitamin D. Allen drei Hormonen ist gemeinsam, dass ihre Freisetzung in Abhängigkeit vom Kalziumgehalt des Blutes steht. Umgekehrt steuern sie natürlich den Kalzium-Stoffwechsel in den verschiedenen Körpergeweben, auf die sie einwirken können. Die Steuerungssubstanzen Parathormon und Kalzitonin werden vom Organismus selber synthetisiert: Das Parathormon in den Nebenschilddrüsen und Kalzitonin vor allem in den C-Zellen von Nebenschilddrüse, Schilddrüse und Lungengewebe. Die Funktion dieses Hormons liegt übrigens weniger in der Regulation des Kalzium-Haushaltes, sondern es ist ein wichtiger Neurotransmitter. Also eine Substanz, die in der Lage ist Nervensignale zu übertragen oder zu hemmen. Beim Hund hemmen hohe Konzentrationen von Kalzitonin im Blut das Sättigungszentrum. Hierdurch kommt es zu einer verringerten Nahrungsaufnahme und damit zum gewünschten Kalzitonineffekt: nämlich weniger Kalzium im Blut. Im Gegensatz zu diesen beiden Hormonen muss Vitamin D bzw. seine Vorstufen in der Nahrung enthalten sein - es ist also wie alle Vitamine essenziell. Folge: Auf die ausreichende Versorgung über die Nahrung muss besonders geachtet werden.

Alles liegt in der Nahrung

Nicht alles in der Nahrung enthaltene Kalzium wird im Darm aufgenommen. In Abhängigkeit vom Kalziumspiegel im Blut, kann ein erwachsener Hund zwischen 0 und 90 Prozent des Kalziums aufnehmen. Die absolut aufgenommene Menge hängt natürlich auch von der Zusammensetzung der Nahrung und ihrem Kalzium-Gehalt ab. Aber auch von einzelnen Nahrungsbestandteilen: So kann ein gesteigerter Phytat-Gehalt (Bestandteil vor allem von Getreiden) der Nahrung die Kalzium-Aufnahme im Darm negativ beeinflussen. Die Verwertung von Phosphor variiert mit 25 bis 80 Prozent ebenfalls stark.

Junge Hunde allerdings unterscheiden sich von ausgewachsenen Tieren: Sie haben nämlich keinen Schutzmechanismus vor überhöhter Kalziumzufuhr mit der Nahrung. Deswegen wird unter dem Einfluss der genannten Hormone ein eventueller Kalziumüberschuss überwiegend in Richtung Knochen transportiert. Da hierbei der Knochenabbau parallel nicht gesteigert ist, kommt es zu schwer wiegenden, krankhaften Konsequenzen für die Ausformung des wachsenden Skeletts und dessen Bewegungsfähigkeit. Die gesteigerte und gleichzeitig gestörte Verknöcherung ist, wenn sie länger anhält im späteren Lebensalter nicht wieder gut zu machen. Der Kalzium-Gehalt der Nahrung ist mit Sicherheit - gerade bei schnell wachsenden Junghunden großer Rassen - ein äußerst kritischer Punkt für die normale Entwicklung des Skeletts. Die Gabe zusätzlicher Kalzium- und/oder phosphorhaltiger Mineralstoffpräparate ist - genauso wie isolierte kalziumreiche Futtermittel (z.B. Knochen) - unbedingt zu vermeiden

Die Phosphoraufnahme hängt bei Hunden jeden alters vom Angebot in der Nahrung ab, d.h. es kann bei überhöhter Phosphor-Fütterung zu einer verstärkten Aufnahme in den Organismus kommen. Gleichzeitig steigt dann aber auch die Ausscheidung über die Nieren.

Mineralstoffversorgung muss dem Bedarf entsprechen

Biologische Kalzium- und Phosphor-Spiegel im Blut hängen von einer angemessenen Zufuhr verfügbaren Kalziums und Phosphors mit der Nahrung ab, sowie dem richtigen Verhältnis von Kalzium und Phosphor im Futter und schließlich bedarfsdeckenden Vitamin-D-Mengen ab. Viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei einer Versorgung mit 100 mg Kalzium und 85 mg Phosphor pro kg Körpergewicht täglich der Erhaltungs-Bedarf eines erwachsenen Hundes (35 kg) sicher gedeckt werden kann.

Bei einem Kalzium-Phosphor-Verhältnis zwischen 1,2:1 - 1,4:1 wird, so haben Wissenschaftler festgestellt die Nutzung der Mineralstoffe optimal sein. Liegt ein solchermaßen optimales Verhältnis vor, verringert sich zudem der Bedarf des Hundes an Vitamin D. Gedeckt werden kann dieser Bedarf, wenn eine Vollnahrung 1-1,1 Gramm Kalzium und 0,8-1,0 Gramm Phosphor pro 100 Gramm der Trockensubstanz enthält. In einigen Fällen, z.B. bei sehr energiedichtem Futter, sollte der Mineralstoffgehalt etwas höher liegen um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

Bedarf an Vitamin D

Der Vitamin-D-Bedarf hängt stark von den Kalzium- und Phosphor-Konzentrationen sowie dem Verhältnis beider Mineralien in der Nahrung ab. Auch der physiologische Entwicklungszustand (Wachstum, alter) spielt eine wichtige Rolle. Bei einem optimalen Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 1,2:1 sollten 8 - 10 I.E. (Internationale Einheiten) pro kg Körpergewicht als täglicher Erhaltungsbedarf beim erwachsenen Hund ausreichen. Wegen des stark erhöhten Knochenumsatzes sind bei wachsenden Junghunden 22 I.E. empfehlenswert.

Mangel und Ungleichgewicht

Kalzium-Mangel bei Hunden führt zu vielfältigen Störungen des Skelettsystems: Um den Kalziumspiegel im Blut aufrecht zu erhalten, muss immer mehr Kalzium aus dem Kalziumspeicher Knochen abgebaut werden. Der Knochenverlust führt langsam zu einer Osteoporose, wie sie auch bei alten Menschen bekannt ist. Diese geht mit einer Ausdünnung des mineralischen Knochens einher, Knochenbrüche mehren sich und Zähne können sich lockern. An der Wirbelsäule "krachen" die Wirbelkörper zusammen und komprimieren die Nerven, was zu schwersten Dauer-Schmerzen führen kann. Bei wachsenden Hunden geht Kalziummangel mit einer Fehlentwicklung der Knochen ("Osteo-Dystrophie") mit zusätzlich gestörter Mineralisierung wie bei der Rachitis einher.

Daneben kann Kalzium-Mangel auch zu vielgestaltigen Krämpfen und generalisierten Krampfanfällen des Hundes führen. Zudem führt der zu niedrige Gehalt an Nahrungs-Kalzium zu einem verändertem Bedarf an anderen Nährstoffen wie z.B. Magnesium. Ein Phosphormangel in der Nahrung führt bei jungen Hunden zu Rachitis, schlechtem Wachstum und einem gestörten Appetit. Bei ausgewachsenen Hunden führt ein Phosphormangel zu weichen und sich verbiegenden Knochen ("Osteomalazie"). Eine übermäßige Aufnahme von Phosphor, z.B. große Mengen phosphorreichen Fleisches, bewirkt hingegen die Symptome eines Kalzium-Mangels (s.o.), da es die Aufnahme von Kalzium im Darm stört. Zu viel Kalzium in der Nahrung (beispielsweise viel Knochen) stört die Aufnahme anderer Nährstoffe, z.B. Zink, Magnesium sowie Eisen und kann einen Mangel an diesen Nährstoffen hervorrufen - selbst wenn diese in angemessener Konzentration in der Nahrung vorliegen. Die verstärkt notwendige Phosphorausscheidung über die Nieren kann zudem zu Harnsteinen führen.

Die Symptome eines Vitamin-D-Mangel finden sich oft zusammen mit denen eines Mangels oder eines Ungleichgewichtes bei Kalzium und Phosphor. Dies bedeutet, es kommt beim jungen Hund zu einer Rachitis und beim ausgewachsenen Tier zu einer Osteoporose. Wie alle fettlöslichen Vitamine kann auch Vitamin D überdosiert werden. Dabei kann es zu akuten Krankheitserscheinungen wie Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit, Schwäche, beschleunigte Atmung, starker Tränenfluss und Appetitlosigkeit kommen. Ist die Vergiftung noch stärker entwickeln sich starker Durst, blutige Durchfälle, Bluthochdruck, äußerster Erschöpfung und schließlich tritt der Tod des Tieres ein. Vergeht bis dahin einige Zeit, werden intensive Verkalkungen in den Lungen, Herzen, Nieren oder Magen gefunden. Diese "Kalzifizierung" der Bindegewebe ist auch typisch für die chronische Überdosierung. Daneben kann es bei jungen Hunden zu Wachstumsverzögerungen und schwer gestörter Zahn- und Gebissentwicklung kommen.

Selbst eine nur moderate Vitamin-D-Ergänzung kann zu krankhaften Erscheinungen führen, wenn die Nahrung kalziumarm ist: Es kommt dann zu krankhaften Knochenbrüchen und anderen Skelettschäden, die durch einen Verlust der Skelettdichte bewirkt sind.

Kalzium- und Phosphorbedarf bei Leistungshunden

Da bei intensiver körperlicher Arbeit vermehrt Knochen- und Muskelgewebe auf- und abgebaut wird (als Anpassung an die Leistungsanforderung, s.o.), müssen die knochenaufbauenden Mengenelemente Kalzium und Phosphor in ausreichendem Maße in der verwendeten Vollnahrung enthalten sein. Die Muskeln brauchen dagegen während der Aktivität keine zusätzlichen Mengen von Kalzium oder Phosphor. Eine qualitativ hochwertige Vollnahrung wird den gesteigerten Bedarf von Leistungshunden an Vitaminen und Mineralstoffen problemlos decken können.

Fehlen dagegen diese, für den gesteigerten Knochenumbau und die vermehrte Muskeltätigkeit notwendigen Mineralien und Vitamine, kann der Leistungshund bei körperlicher Ausdauerbelastung krank werden. Im Zusammenhang mit Leistungshunden muss auch darauf hingewiesen werden, dass eine hochwertige Vollnahrung Zusatzpräparate zur angeblichen Leistungssteigerung überflüssig macht. Diese können nicht nur den Geldbeutel belasten, sondern - insbesondere bei Überdosierung - zu schweren Schäden der Gesundheit des Leistungshundes führen.

Normale Entwicklung manchmal schwer von krankhaften Störungen zu unterscheiden

Mengenelemente und ihre Bedeutung
aus: Bubenzer, R.H.: Der Mineralstoffwechsel bei der Ernährung des Deutschen Schäferhundes. SV Zeitung, Augsburg: 01/1993.

Manchmal ist es auch für den Tierarzt schwer, zwischen ernährungsbedingten - krankhaften - Skelettveränderungen und Entwicklungsbedingten Erscheinungen an den Knochen zu unterscheiden. Hierzu gehören die immer wieder beargwöhnten Verdickungen in den Wachstumszonen der langen Röhrenknochen und Knochen-Knorpel-Grenzen des Brustkastens. Früher war es berechtigt bei diesen Symptomen das Vorliegen einer Rachitis zu vermuten. Seitdem aber artgerechte Vollnahrungen für Hunde verschiedener altersgruppen zur Verfügung stehen, ist diese Erkrankung selten geworden.

Die Verbreiterung der Wachtumszonen ("Metaphysen") von langen Röhrenknochen sind vielmehr ein physiologisches Ereignis während der Entwicklung - eine Voraussetzung für das Längenwachstum. Besonders bei schnellem Wachstum von großen Rassen ist dies manchmal so ausgeprägt, dass es krankhaft erscheint. Aber diese Auffälligkeiten bilden sich - ohne Zeichen einer gestörten Skelettentwicklung - zurück, wenn die Hunde ausgewachsen sind. Im Gegensatz zur Rachitis (Vitamin-D-Mangelerkrankung) kann der Arzt übrigens keine gestörte Mineralisierung der sich entwickelnden Knorpel und neu bildenden Knochen feststellen. Eine Behandlung ist überflüssig.

Es ist auch ein Vorurteil, dass die überschießende Knochenfehlbildung ("hypertrophe Osteodystrophie") durch Vitamin C-Mangel hervorgerufen werde, bzw. durch exzessive Vitamin-C-Gaben geheilt werden könne. Vitamin C hat mit dieser Erkrankung nichts zu tun. Gleiches gilt auch für die Hüftgelenks-Dysplasie.

Skeletterkrankungen des Hundes: Vorbeugung am wichtigsten

Erworbene Skeletterkrankungen beim Hund kommen erschreckend häufig vor, sind sich Wissenschaftler einig: So weisen bis zu 85 Prozent der Junghunde großwüchsiger Rassen erworbene Skeletterkrankungen auf. Die wichtigsten Ursachen sind Kalzium-Mangel der Nahrung sowie Überfütterung der Hunde. Erwachsene Hunde über zwei Jahre sind ebenfalls häufig betroffen: Über 50 Prozent aller großwüchsigen Hund weisen Skelettveränderungen auf. Wissenschaftliches Fazit bei dieser Situation ist die Forderung nach einer artgerechten und für die Bedürfnisse eines Hundes optimal bilanzierten (Voll)nahrung.

Spurenelemente: Mengenverhältnisse wie im Ozean

Bedeutung der Spurenelemente
aus: Bubenzer, R.H.: Der Mineralstoffwechsel bei der Ernährung des Deutschen Schäferhundes. SV Zeitung, Augsburg: 2/1993.

Für Biologen und andere Wissenschaftler war es erstaunlich zu entdecken, dass die Konzentration vieler Mineralstoffe in Körperflüssigkeiten der Säugetiere weitgehend den Mineralien-Konzentrationen in den Ozeanen entspricht. Ursache für dieses Phänomen ist die bis heute gültige Hypothese, dass alles biologisches Leben im Meer, in den Ozeanen entstanden sei. So haben auch die Land-Lebewesen die Mineralstoffverhältnisse im Meer in ihren eigenen Körperflüssigkeiten im Prinzip aufrecht erhalten. So schön diese Hypothese auch ist, hat sie doch zu wissenschaftlichen Problemen geführt: Spurenelemente, die auch im Meer nur in extrem geringer Menge vorkommen - z.B. die Edelmetalle - lassen sich in einem Lebewesen mit herkömmlichen Verfahren kaum nachweisen. Noch schwerer ist es dann die Spurenelement-Funktion zu erforschen. Dies ist der Grund, warum bis heute vorwiegend die Funktionen derjenigen Spurenelemente bekannt ist, die gut nachweisbar sind.

Beispiel Eisen: Aktivität und Energiegewinnung

Ein Beispiel für ein Spurenelement in gut nachweisbaren Konzentrationen ist das Eisen. Es kommt in geringen Mengen im Körper vor, besitzt eigene Transportmechanismen durch den Darm ins Blut. Im Blut existieren ebenfalls ausschließlich für Eisen vorgesehene Transportmechanismen, die vor allem in Richtung Leber gehen. Dort kann Eisen gespeichert werden, so dass ein Organismus über einige Wochen ohne dieses Spurenelement auskommen kann. Sowohl die - während der Evolution der Arten entstandenen - aktiven Transportmechanismen als auch die Speicherfähigkeit zeigen dem Biologen und Mediziner, dass Eisen eine hohe Bedeutung im Organismus haben muss.

Und dies ist auch tatsächlich der Fall: Eisen ist zentraler Bestandteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Das Metall ist an dort an das Eiweißmolekül Hämoglobin gebunden - den so genannten roten Blutfarbstoff. Dieses Hämoglobin hat die einmalige Eigenschaft, in Verbindung mit Eisen Sauerstoffmoleküle unter bestimmten Bedingungen an sich zu binden und sie unter anderen Verhältnissen wieder abzugeben. Diese Fähigkeit des Eisen-Eiweiß-Moleküls ist Basis der Sauerstoffaufnahme in der Lunge von Hunden und der Sauerstoffabgabe in allen Körpergeweben, die Sauerstoff brauchen. Im Gegensatz dazu werden andere Atemgase, z.B. das bei der Zellatmung entstehende Kohlendioxid, nicht über solche Transportsysteme des Blutes aus dem Körper entfernt. Kohlendioxid wird nämlich in der Blutflüssigkeit gelöst und dann über die Lunge abgeatmet - ähnlich wie Kohlendioxid in einer Brauseflasche. Ein Mechanismus, der bei weitem nicht so effektiv arbeitet, wie das Hämoglobin der Erythrozyten.

Sauerstoffspeicherung im Muskel mithilfe von Eisen

Eisen und das ist für den Leistungshund von besonderer Wichtigkeit, ist in den Muskelzellen noch an ein anderes Eiweiß, das Myoglobin, gebunden. Ähnlich wie Hämoglobin im Blut vermag Myoglobin Sauerstoff aufzunehmen und zu speichern. In kurzfristigen Leistungsphasen der Muskulatur wird der Muskel unabhängig von der Sauerstoff-Situation im Blut mit dem lebensnotwendigen Gas versorgt (allerdings muss bald Nachschub aus dem Blut kommen, da die so gespeicherten Sauerstoff-Mengen relativ gering sind). Die typisch rote Farbe von Blut und reifer Muskulatur rührt übrigens von den Eisen-Eiweiß-Verbindungen her.

Das besondere Sauerstoff-Bindungsverhalten von Eisen, wie der Chemiker es nennt, bedingt das Auftreten von Eisen an einer dritten Stelle. Und zwar in den Mitochondrien jeder einzelnen Körperzelle. Die Mitochondrien sind Strukturen, die für den Umsatz von chemischer Energie zuständig sind. Sie sind gewissermaßen die "Kraftwerke" jeder Zelle. Eisenhaltige Enzyme sind in diesen Mitochondrien dafür zuständig, dass die "Verbrennung" von energiehaltigen Substanzen - also die Umsetzung von chemischer in biologische Energie - kontrolliert stattfinden kann.

Erscheinungen bei Mangel bestimmter Mengenelemente
aus: Bubenzer, R.H.: Der Mineralstoffwechsel bei der Ernährung des Deutschen Schäferhundes. SV Zeitung, Augsburg: 01/1993.

Eisenmangel mit schwer wiegenden Folgen

Wegen dieser zentralen Funktionen wird sich ein Mangel des Spurenelementes Eisen auch an vielen Organen oder Funktionen ausdrücken. Zuerst wird sich der Mangel an Eisen in der Nahrung auf die Produktion von roten Blutkörperchen im Knochenmark auswirken. Da das Eisen für das Hämoglobin fehlt, dieses also nicht in Erythrozyten eingebaut werden kann, gibt es weniger Erythrozyten ("Blutarmut"). Folge: Eine mangelnde Sauerstoff-Transportkapazität des Blutes. Die jetzt langsam nachlassende Sauerstoffversorgung aller Körperzellen führt zum einen zu uncharakteristischen Krankheitssymptomen mit Müdigkeit, Inaktivität, Leistungsschwäche und bei wachsenden Hunden zu mangelhafter Gewichtszunahme. Parallel werden zum anderen spezielle Körperfunktionen beeinträchtigt. Beispielsweise das Abwehrsystem: Auch weiße Abwehrzellen werden in geringerem Maße gebildet, es kommt dadurch gehäuft zu Infektionen. Auch die Zellen der Haarfollikel sind durch den Eisenmangel beeinträchtigt: Es kommt zu abnehmender Haarpigmentierung.

Die Gabe von Eisenpräparaten zur Behandlung eines Eisenmangels ist in solch einer Situation allerdings nur dann gerechtfertigt, wenn irgendeine Erkrankung den Mangel hervorgerufen hat, z.B. chronische, unbemerkte Blutungen im Magen-Darmbereich. Bei allen anderen Formen des Eisenmangels muss der Tierarzt davon ausgehen, dass eine Fehlernährung Ursache ist. Und bei dieser Mangelernährung ist der Hund mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit den übrigen Mengen- und Spurenelemente sowie essenziellen Nährstoffen unterversorgt. Dies bedeutet - so zeigt sich dann - dass auch die Aufnahme, der Transport und der Einbau des Eisens in das Hämoglobin und andere Körperzellen gestört sein wird - eine isolierte Eisenzufuhr mit der Nahrung also keine Heilung bewirken kann. Diese kann nur erfolgen, wenn der Hund wieder eine ausgewogenen, artgerecht bilanzierte Ernährung bekommt, die alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis enthält. Umgekehrt ist klar, so zeigen alle entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen, dass eine solche Ernährung auch der einzige Garant für die Vermeidung der vielfältigen möglichen Mangel- oder Überversorgungszustände mit Mineralstoffen ist. Fazit: Vorbeugende Gesundheitspflege von Hunden heißt also auch im Bereich der Mineralstoffe artgerechte, wissenschaftlich bilanzierte Ernährung.

Übrigens: Bei Leistungshunden mit hoher Leistungsabgabe sind akut nur gering erhöhte Mineralstoff-Bedürfnisse gegeben. Diese werden, wie erwähnt, vollständig durch eine angemessene Vollnahrung zugeführt. Die Gabe von Mineralstoffpräparaten, wie sie auch für menschliche Sportler angeboten werden, ist aus wissenschaftlicher Sicht völlig überflüssig. Schlimmer noch, bei humanmedizinischen Untersuchungen zeigte sich, dass solche Präparate/Mineralstoffgetränke zum einen Aufnahme verschiedener Nährstoffe behindern kann und zum anderen zu akuten gesundheitlichen Störungen z.B. des Herzens führen kann.

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