Die Ernährungsbedürfnisse von Leistungshunden wie z.B. Schäferhunden unterscheiden sich von anderen Hunden vor allem in Hinsicht auf den notwendigen Energiegehalt der Nahrung (siehe Folge 2). Da Leistungshunde aktiver sind, benötigen sie eine spezielle Nahrung, die insbesondere Energie, aber auch ausreichende Mengen Eiweiß zur Verfügung stellen kann. Diese zusätzlichen Energien sollten vor allem in Form von Fetten und Kohlenhydraten zur Verfügung gestellt werden. Der gesteigerte Energiebedarf von Leistungshunden, der sich vor allem aus zusätzlichen Bewegungsleistungen ergibt, wird durch Summierung von Erhaltungsbedarf und zusätzlichem Leistungsbedarf für die Muskeltätigkeit berechnet. Neben Bewegungsleistung können aber auch andere Arbeitsleistungen den Energie- und damit Nahrungsbedarf erhöhen: So haben beispielsweise Wachhunde wegen erhöhter Dauer-Aufmerksamkeit einen vermehrten Energieumsatz. Kohlenhydrate decken Energiebedarf bei kurzfristiger Leistung
Zu Beginn einer Bewegungsleistung verbraucht ein Leistungshund die Leber- und vor allem Muskel-Glykogenvorräte, die er in den Ruhephasen angelegt hat. Der Vorteil dieser körpereigenen Zuckerspeichersubstanz ist, dass sie bei akuten Belastungen sehr rasch wieder zu Zucker (Glukose) abgebaut werden kann und damit zur schnellen Energieversorgung bereit steht. Allerdings, so haben Untersuchungen gezeigt, speichert der Organismus nur bis zu einer bestimmten Grenze Glykogen. Durch sportliches Training kann diese Grenze etwas erhöht und die Abbaugeschwindigkeit bei der Glykogen-Mobilisierung beschleunigt werden. Allerdings ist es nicht möglich - anders als bei menschlichen Sportlern - die Glykogenvorräte in den Muskelzellen durch eine Gabe großer Mengen leicht verdaulicher Kohlenhydrate deutlich zu erhöhen. So weit bekannt führt dies nur zu einer Erhöhung des Leberglykogens und damit zu keiner Leistungssteigerung. Zudem kann hierbei die Leber geschädigt werden. Je länger dann ein Leistungshund arbeitet, umso weniger Kohlenhydrate aus körpereigenen Reserven setzt er in Glukose, d.h. jeder Körperzelle verfügbare Energie, um. Im gleichen Umfang steigt derweil der Anteil von Fettsäuren aus den Fettdepots. Bei Ausdauerbelastung schließlich wird rund 70 Prozent der notwendigen Energie aus Fetten gewonnen. Da die Energiedichte von Kohlenhydraten im Vergleich nur rund halb so groß wie die von Fetten ist, sollte ihr Anteil an der Nahrung eines Leistungshundes bei extremen Leistungen nicht zu hoch liegen. Ein zu hoher Kohlenhydrat-Anteil vermindert zudem die Verdaulichkeit des Futters. Eine geringere Verdaulichkeit der Nahrung führt dabei zu größeren Kotmengen und erhöhten Wasserverlusten. Beide Effekte sind aber bei arbeitenden Leistungshunden eher unerwünscht. Nicht unerwähnt soll allerdings die Bedeutung von schwer verdaulichen Kohlenhydraten für die Darmtätigkeit bleiben: Das völlige Fehlen dieser so genannten Ballaststoffe ist für die Verdauung nicht wünschenswert - obwohl die Ernährung des Leistungshundes alleine mit Fetten und Proteinen notfalls möglich wäre. Leistungshunden mit eher kurzfristiger und rascher Bewegungsleistung sollte also ein großer Teil der Energie in Form von leicht verdaulichen Kohlenhydraten angeboten werden, bei Ausdauerleistungen muss dagegen auf einen deutlichen Fettanteil der Nahrung geachtet werden.
Fette haben einen rund doppelt so hohen Energiegehalt wie KohlenhydrateIm Fett wird biologische Energie auf die konzentrierteste Weise gespeichert, die den warmblütigen Tieren möglich ist. Dies schließt auch ein, dass Fett ohne zusätzliche Einlagerung von Wasser (wie bei den Kohlenhydraten) im Fettgewebe gespeichert wird - die Energie ist also auch räumlich "eng gepackt". Dies zeigt sich auch an der Energieverwertung des Hundes: Werden Kohlenhydrate gefüttert, deren Energie nicht verbraucht wird, werden sie zu Fettsäuren umgebaut und im Fettgewebe gelagert. So besteht ein durchschnittlicher Hund zu etwa 20 Prozent aus Fettgewebe, von dem er bei Dauerbelastung bis zu 10 Prozent zur Energie-Rückgewinnung verwenden kann. Bei länger andauernder Bewegungsleistung verbrennen die Muskelzellen zunehmend energiereiche Fettsäuren aus diesen körpereigenen Fettdepots. Energieträger, die während der körperlichen Belastung nur in geringem Maße aus dem Verdauungskanal ins Blut gelangen, spielen eine untergeordnete Rolle. Sie stehen erst in den Ruhepausen wieder in vollem Umfang für die Energieversorgung zur Verfügung. Fette haben noch weitere, für die Ernährung positive Eigenschaften: Sie wirken appetitanregend und erhöhen so das Fressvergnügen. Dies ist - gerade für Leistungshunde - wichtig, da sie sonst vielleicht nicht die, für die Arbeit notwendige Menge Nahrung aufnehmen würden. Und - nicht zu vergessen: Fettreicheres Futter wird in der Regel besser verdaut als kohlenhydratreiche Nahrung. Da Fette den Verdauungstrakt und den Wasserhaushalt weniger belasten als kohlenhydratreiche Nahrung, sind sie für die Ernährung des Leistungshundes unverzichtbar: Ein gesteigerter Fettanteil von hoher Qualität (z.B. in einer speziellen Vollnahrung für Leistungshunde) ist also von entscheidender Bedeutung bei der Ernährung des Leistungshundes. Dass ein erhöhter Fettanteil in der Nahrung die Leistungsfähigkeit von Hunden verbessert, konnte auch im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen mit Schlittenhunden nachgewiesen werden: Die Hunde waren dann am leistungsfähigsten, wenn ihre Ernährung fast oder völlig kohlenhydratfrei war, d.h. ausschließlich aus Fetten und Eiweißen bestand. Dies ist natürlich auf Dauer kein vernünftiges Hunde-Ernährungskonzept, zeigt aber die große Anpassungsfähigkeit des Hundes an verschiedenste Ernährungsbedingungen. Die Sonderrolle der Eiweiße bei der Ernährung des LeistungshundesEiweiße zur Energieversorgung des Leistungshundes kommen aus mehreren Gründen nicht in Betracht: Zwar ist der Hundeorganismus in der Lage, die in den Eiweißen enthaltenen Aminosäuren zur Energiegewinnung heranzuziehen (was auch geschieht, wenn der Hund zu wenig Fett und/oder Kohlenhydrate bekommt). Dies hat aber zur Folge, dass bei dieser sehr aufwändigen Umsetzung von Aminosäuren in Zucker im Leberstoffwechsel giftiges Ammoniak entsteht. Dieser muss von der Leber entgiftet und von den Nieren als Harnstoff ausgeschieden werden. Beides bedeutet für Leber und Nieren eine erhöhte Belastung. Zudem verbraucht Eiweiß bei der Energiegewinnung sehr viel Sauerstoff und es entwickelt sich viel Wärme im Organismus, die zusätzlich abgeführt werden muss. Dabei steigt auch der Wasserbedarf deutlich an. Da Muskelkontraktionen kein zusätzliches Eiweiß benötigen, ist bei arbeitenden Leistungshunden kein aktueller Proteinmehrbedarf gegeben. Ein mäßig erhöhter Eiweißbedarf bei der Ernährung von Leistungshunden wird dennoch von den Ernährungsexperten gefordert. Zum einen umso die Akzeptanz des Futters (s.o.) zu erhöhen. Zum anderen, weil sich die Muskelzellen zu Beginn einer Trainingsphase vergrößern ("Muskelhypertrophie"). Da hierbei in den Muskelzellen mehr bewegungsfähige Eiweißverbindungen ("kontraktiles Actomyosin") aufgebaut werden, hält der Hundeorganismus vermehrt Eiweiß zurück, bis dieser Trainingseffekt nach einiger Zeit fortfällt. Dann wird der gesteigerte Proteinbedarf bei Leistungsabgabe durch einen leicht erhöhten Eiweißgehalt der Nahrung sowie die vermehrte Futteraufnahme ausreichend gedeckt. Der Rohproteingehalt der Nahrung eines Leistungshundes sollte nach modernen Ernährungsempfehlungen bei rund 30 Prozent liegen. Bei dieser Menge (Voraussetzung: Qualitativ hochwertiges Protein) vermindert sich auch die Gefahr einer Blutarmut, die bei starker Ausdauerbelastung immer dann gegeben ist, wenn zu wenig Eiweiß in der Ernährung vorhanden ist. Auch die körpereigenen Reparaturmechanismen (wenn z.B. einmal eine einzelne Muskelfaser reißt) brauchen selbstverständlich immer Eiweiße. Genauso wie die Eiweiß-Bausteine, die essenziellen Aminosäuren, ständig für die immer ablaufenden Auf- und Abbauvorgänge im Körpergewebe notwendig sind. Zu viel Protein ist also überflüssig und kann sich sogar leistungsmindernd auswirken. Gleiches gilt für zu wenig Eiweiß. In jedem Fall sollte das verwendete Nahrungseiweiß qualitativ wertvoll, d.h. gut verdaulich und biologisch hochwertig sein - also reich an essenziellen, für den Hund lebensnotwendigen Aminosäuren. Mineralstoffe und Vitamine sind für die Ernährung arbeitender Hunde unverzichtbarAm Energieumsatz der Muskulatur sind Vitamin B2, Pantothensäure und Niacin direkt beteiligt. Diese drei Vitamine helfen dabei, die Umwandlung von chemischer in Bewegungsenergie zu steuern. Muss der Hund in vermehrtem Umfang Kohlenhydrate in der Nahrung verdauen und in Energie umsetzen, ist auch der Vitamin-B1-Bedarf erhöht. Der Bedarf an all diesen Vitamine wird in der Regel aber, genauso wie bei den notwendigen Eiweißen und essenziellen Aminosäuren, durch vermehrte Nahrungsaufnahme gedeckt. Indirekt haben zahlreiche weitere Nährstoffe einen bedeutenden Einfluss auf das Leistungsvermögen von Hunden. So sind Vitamin E, Selen und Linolsäure für die Integrität der Muskelzellen von großer Bedeutung. Ohne Jod wiederum kann die Schilddrüse und ihre Hormone den Grundumsatz, d.h. die angemessene Energieverwertung, nicht mehr richtig steuern. Die Funktionsfähigkeit des passiven Bewegungsapparates (Skelett) dagegen hängt entscheiden von einer artgerechten Versorgung mit Kalzium, Phosphor, aber auch Vitamin D, Kupfer oder Mangan ab. Die roten Blutkörperchen als Sauerstoffträger des Blutes werden in ihrer Funktion von ausreichender Eisen- und Vitamin-B12-Versorgung beeinflusst. Natürlich werden auch andere Körperfunktionen, die mit der Arbeitsleistung der Hunde zu tun haben, von der richtigen Zusammensetzung der Nahrung beeinflusst: So ist beispielsweise die Riechfunktion einer Suchhundnase nicht nur auf genügende Mengen von Wasser sondern auch auf die Mineralien Natrium und Zink in der Nahrung angewiesen. Nur so kann eine hervorragende Geruchsempfindlichkeit aufrechterhalten bleiben. Die genannten Beispiele bedeuten: Einerseits setzen Fütterungsfehler die Leistungsfähigkeit von Leistungshunden nachhaltig herab. Andererseits steigt mit zunehmendem Energieumsatz des Leistungshundes auch sein Bedarf an diesen Nährstoffen. Diese brauchen aber nicht extra gefüttert zu werden, da sie der Leistungshund in ausreichendem Maß zu sich nimmt, wenn die Gesamtnahrungsmenge erhöht ist. Voraussetzung ist natürlich eine artangemessen zusammengesetzte Vollnahrung, die auch alle lebensnotwendigen Vitaminen und Mineralstoffen enthält und nicht einseitig zusammengesetzt ist. Individuelle Leistungsgrenzen können im Übrigen nicht durch, über den Bedarf hinausgehende Dosierung von Nährstoffen (Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe) überwunden werden. Im Gegenteil: An Stelle von Leistungssteigerungen sind eher leistungsmindernde Nachteile zu erwarten, abgesehen von den krankmachenden Nebenwirkungen beispielsweise einer Vitamin-Überdosierung. Bei hochwertiger Ernährung ist also eine zusätzliche Fütterung von Nährstoffen, z.B. Vitamin- oder Mineralstoffpräparaten, nicht empfehlenswert und auch nicht notwendig. Übrigens: Manche Leistungshunde unterliegen immer wieder Stress-Situationen, sei es vor Beginn eines sportlichen Wettkampfes oder bereits in der Trainingsphase. Überschreitet dieser Stress eine bestimmte Schwelle, wirkt er sich wie beim Menschen leistungsmindernd aus. Insbesondere eine ausreichende Vitaminversorgung mithilfe einer vollwertigen Nahrung, so haben Forscher nachgewiesen, kann in solchen Fällen die negativen Stressauswirkungen mindern helfen.
Vor einer Arbeit niemals größere Nahrungsmengen verfütternZahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Leistungshund die, für länger andauernde Bewegung benötigte Energie ohne Schwierigkeiten durch Mobilisierung von Körperreserven bereitstellen kann. Aus diesem Grund ist es nicht notwendig, Leistungshunde direkt vor einer aktuellen Belastung die zusätzlich benötigte Energie zu füttern. Im Gegenteil, dies belastet sogar den Hundeorganismus: Beispielsweise durch unnötige Gewichtserhöhung oder die Einengung der Lunge durch den gefüllten Verdauungskanal. Auch die zusätzliche Wärme und der erhöhte Wasserbedarf durch die Verdauungstätigkeit vermindern die Leistungsfähigkeit. Zudem wird während der Verdauung sauerstoffreiches Blut in Richtung Verdauungskanal geleitet - dieser Sauerstoff kann dann den Muskelzellen bei Belastung fehlen. Optimal ist, so zeigen wissenschaftliche Studien, ein Abstand zwischen Futteraufnahme und Leistungsabgabe von sechs Stunden. Dann ist der Leistungshund im wahrsten Sinne des Wortes zu Höchstleistungen fähig. Bei extremen Ausdauerleistungen, z.B. von Schlittenhunden in der polaren Kälte, ist dieser Zeitraum sogar noch größer. Lediglich kleine Futtermengen sind, z.B. als beruhigende Maßnahmen kurz vor einer Leistung des Hundes, erlaubt. Bekommen Hunde ihre Hauptmahlzeit nach der körperlichen Belastung, sollten möglichst 1 bis 2 Stunden vergehen. Solange braucht ein Hund, bis seine Erregung abgeklungen ist und die Verdauung wieder normal arbeiten kann. Ein erwachsener (Leistungs-)Hund sollte einmal am Tage gefüttert werden. Nur bei hoher körperlicher Belastung braucht die Ration auf zwei Fütterungen verteilt werden. Die notwendige Menge der Nahrung setzt sich aus dem Erhaltungsbedarf und dem, auf Grund körperlicher Belastung zusätzlich benötigten Energiebedarf zusammen. Zudem sollte das Verhältnis zwischen extremer Aktivität des individuellen Hundes und den Ruhetagen berücksichtigt werden. Abgesehen von extremen Leistungen, kann der Leistungsbedarf eines aktiven Hundes bis zum Doppelten seines Erhaltungsbedarfes ansteigen. Dies muss bei der Fütterung entsprechend berücksichtigt werden. Kein Nahrungsmittel, aber dennoch für den Leistungshund entscheidend: WasserEntscheidend für die aktuelle Leistung ist die Bereitstellung von Wasser. Wie in Folge 2 dargelegt, wird beim Energieumsatz Wärme frei: Verbraucht Muskelgewebe Energie, werden 70 - 75 Prozent der Energie als Wärme freigesetzt. Beispiel: Werden pro Kilogramm Körpergewicht in einer Stunde 65 KJ Energie umgesetzt, so müssen 40 KJ hiervon als Wärme abgeführt werden. Dies ist der Grund, warum die Körpertemperatur eines Leistungshundes je nach Schwere und Dauer der Belastung sehr rasch ansteigen kann. Da der größte Teil dieser Wärme aber, um das Leben des Tieres zu erhalten abgeführt werden muss, braucht der Hund Wasser. Schließlich führt er Wärme vorrangig durch Verdunstung von Wasser über den Nasen-Rachen-Raum (Hecheln) ab. Anders als z.B. der Mensch, bei dem ein Großteil der Temperaturregelung über Strahlung und Konvektion über die Haut (Verdunstung, Schwitzen) abgeführt wird. Kann der Leistungshund wegen Wassermangel seine Wärme nicht übers Hecheln abgeben und nähert sich dabei die Körpertemperatur 41 Grad Celsius, muss vermehrt Wärme über die Körperoberfläche abgegeben werden. Und zwar mithilfe einer Durchblutungssteigerung der Haut. Folge: Die Muskulatur wird weniger durchblutet und es kommt zu einem Leistungsabfall (wie bei gesteigerter Verdauungstätigkeit während Leistungsabgabe auch). Allerdings können Hunde Wasser nicht in der gleichen Weise wie die Nährstoffe speichern. Im Gegenteil: Steht kein Wasser zur Verfügung, kommt es zu der beschriebenen Umverteilung der Durchblutung und das Blut dickt sich durch Wasserentzug ein und es entwickeln sich zunehmend Kreislaufprobleme. Abhilfe schafft nur die Bereitstellung von Wasser - auch während der Arbeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine Wasseraufnahme auch während aktueller Leistungen das Leistungsvermögen des Hundes nicht beeinträchtigt. Eigenschaften einer artgerechten Ernährung des Leistungshundes
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