Jung aufgezogene Hyänenhunde gewöhnen sich bald an eine bestimmte Person, an ihren Wärter, an regelmäßige Besucher ihres Aufenthaltes, und legen beim Erscheinen eines Freundes ihre Freude in einer Weise an den Tag wie kein anderes mir bekanntes Raubtier. Angerufen, erheben sie sich von ihrem Lager, springen wie unsinnig in dem Käfige und an dessen Wänden umher, fangen unter sich aus reinem Vergnügen Streit oder auch wohl ein Kampfspiel an, verbeißen sich in einander, rollen sich auf dem Boden hin und her, lassen plötzlich von einander, durchmessen laufend, hüpfend, springend den Käfig von neuem und stoßen dabei ununterbrochen Laute aus, für welche man keine Bezeichnung findet, da man sie jedoch nicht, wie man gern thun möchte, ein Gezwitscher nennen darf. Tritt der Mensch, welcher die ganze unsägliche Lustigkeit hervorgerufen, in den Käfig, so wird er augenblicklich umlagert, umsprungen, durch die wundersamsten Laute begrüßt und vor reiner Zärtlichkeit - gebissen, mindestens gezwickt. Unbeschreibliche Lebhaftigkeit ist diesen Tieren eigen von Jugend auf. Es mag nicht unmöglich, muß aber gewiß sehr schwer sein, sie zu zähmen: gelänge es, so würde man an ihnen höchst nutzbare Jagdgehülfen gewinnen. Zu Haus- und Stubentieren eignen sie sich nicht; denn außer ihrer Bissigkeit haben sie noch einen Fehler: sie verbreiten, wie von Heuglin sehr richtig sagt, einen unerträglichen Geruch, einen noch schlimmeren fast als die Hyänen. Bemerken will ich schließlich noch, daß gefangene Hyänenhunde sich ohne sonderliche Umstände fortpflanzen und, was mir als das Wichtigste erscheint, bis zehn Junge wölfen; so wenigstens ist in einem Tiergarten beobachtet worden. Leider ergeht es auch ihnen wie so vielen gefangen gehaltenen Tieren: sie erliegen auch bei sorgfältigster Pflege früher oder später der Lungenschwindsucht, dem gewöhnlich unheilbaren Leiden, welches unter den Beständen unserer Tiergärten ebensoviele Opfer fordert wie unter den Menschen. Sykes beschrieb einen Wildhund Indiens, den Kolsum, in welchem er den Stammvater aller Haushunde zu erkennen meinte. Das Tier, welches nach seiner Angabe größere Ähnlichkeit mit dem Windspiele als mit dem Wolfe oder Schakal haben soll, gehört einer dritten durch ihr nur 40zähniges Gebiß ausgezeichneten Untergattung der Wölfe (Cyon), deren Verbreitung merkwürdigerweise im großen und ganzen mit der des Tigers zusammenfällt, an und besitz ungefähr die Verhältnisse eines mittelgroßen Windhundes, bei 1 m Gesamt- und 20 cm (mit Haar 35 - 37 cm) Schwanzlänge, 45 - 50 cm Schulterhöhe, und ist bekleidet mit einem gleichmäßig dichten, aus ziemlich kurzen, nur an der Rute verlängerten Haaren bestehenden Pelze von schön braun- oder rostroter bis bräunlichgrauer, unterseits lichterer, auf der Schnauze, den Ohren, an den Füßen und der Schwanzspitze dunklerer Färbung. Hodgson bestimmte das Gewicht eines Rüden zu 12,3 kg. Manche Forscher, wie Jerdon, Blyth, Sterndale, warfen den indischen Wildhund mit dem unten beschriebenen malayischen zusammen; andere glaubten, nach Hodgsons Vorgang, besonders wegen der bemerkenswerten Verbreitung, welche kein zweites indisches Säugetier besitzt, den im Himalaja und in Tibet gefundenen Wildhund als eine besondere Art von dem indischen trennen zu müssen. Nach Blanfords neuesten Untersuchungen ist jedoch diese Trennung nicht aufrecht zu erhalten. Unser Wildhund, in Indien Son-Ram- oder Ban-kutta, Dschangli, Kolsum, Kolsa usw., im Himalaja Ram-hun, Siddaki, Bhaosa, Buansu usw., in Tibet Hasi und Phara genannt (Canis [Cyon] dukhunensis, Canis und Cuon primaevus, auch Cuon grayiformis und rutilans, Canis himalayanus), findet sich im ganzen Himalaya vom oberen Industhale und Kaschmir ostwärts bis Assam, im östlichen Tibet, wo ihn Hodgson nachwies, und in allen waldreichen Gebieten Norderindiens. Jerdons Angabe, daß er auch auf Ceylon heimisch und gemein sein, wird durch Kelaart und Tennent nicht bestätigt. Ob der in Barma vorkommende Wildhund der indische oder der malayische ist, muß noch unentschieden bleiben. Als ein echter Waldbewohner haust der Kolsum oder Buansu vornehmlich in ausgedehnten Forsten, wohl auch im Dschangel; aber in den nördlichen, hochliegenden Teilen seines Verbreitungsgebietes, wo die Wälder fehlen, muß er sich auch in der offenen Landschaft und im Gefelse zu behelfen wissen. Er scheint nirgends zahlreich zu sein und, weil er infolge seiner Jagdweise das Wild sehr beunruhigt und vertreibt, nicht lange in einem und denselben Gebiete zu verweilen. Er jagt in Meuten, deren Anzahl früher auf 50 - 60 Stück angegeben wurde, nach neueren Beobachtungenindessen selten 20, in der Regel 2 -12 Köpfe beträgt; auch verfolgt er seine Beute ganz still oder läßt wenigstens nur in Zwischenräumen seine Stimme ertönen. Diese ist kein Bellen, sondern eher ein ängstliches Wimmern, welches dem Geheule des Haushundes ähnelt. Alle Berichte stimmen überein, daß er ein außerordentlich geschickter Jäger ist. Williamson, welcher ihn mehrmals bei der Verfolgung einer Beute beobachtet hat, glaubt, daß ihm kein einziges Tier bei einer längeren Jagd entkommen könne, und ebenso urteilt Sanderson. In der Jagdweise ähnelt er dem Hyänenhunde. Sobald die Meute ein Tier aufgestöbert hat, verfolgt sie es mit der größten Ausdauer, teilt sich auch wohl, um ihm den Weg nach allen Seiten hin abzuschneiden; selbst der schnellfüßige Hirsch soll ihr nicht entrinnen können. Der Hauptangriff erfolgt nicht von vorn und ist nicht nach der Kehle gerichtet, sondern nach den Flanken, nach den Weichteilen des hinteren Leibes, die durch blitzschnell während der Hetze angebrachten Bisse zerrissen werden, so daß die Eingeweide hervorquellen, worauf dann das verfolgte Tier sehr bald zusammenstürzt. Da die Wildhunde sehr scheu sind und gut besiedelte Gegenden meiden, verursachen sie nicht regelmäßig Schaden unter haustieren; indessen berichten Jerdon, McMaster und Blanford je einen Fall, daß selbst so wehrhafte Tiere wie Hausbüffel von ihnen überwältigt worden sind. Gewöhnlich jagen sie Hirsche, Antilopen, Schweine, sollen sich indessen auch an Bären, Leoparden und Tiger wagen. Obwohl nur Angaben der Eingeborenen vorliegen, sind doch erfahrenen Jäger, wie Baldwin, Sterndale, Sanderson, durchaus geneigt, diese für richtig zu halten. Blanford hingegen meint, der Glaube sei dadurch entstanden, daß Wildhunde gelegentlich Leoparden und Tigern ihre Beute streitig machen und mit diesen zusammengeraten, wobei es harte Kämpfe und Tote auf beiden Seiten geben mag. Nicht glaubhaft sind andere Berichte der Eingeborenen, wonach die Wildhunde ihren sehr scharfen Urin auf Buschwerk spritzen, durch welches sie das erwählte Opfer treiben, oder mittels des Schwanzes unmittelbar in die Augen des Tieres schleudern, um es im Zustande der Blendung zu überwältigen. Obwohl der Kolsum sehr kühn und raubgierig ist, so wird doch kein Fall berichtet, daß er sich am Menschen vergriffen habe. Sanderson hat ihn mehrmals hetzend beobachtet. Er schreibt: "Die Wildhunde jagen geleitet sowohl bei Gesicht wie bei Geruch, und ihre Ausdauer ist so groß, daß sie selten ein Tier vergeblich verfolgen werden. Eines Morgens jagten zwei Wildhunde einen Hirsch an meinem Zelte vorüber, der eine fiel zurück beim Erblicken des Lagers, der andere aber, der dicht an der Beute war, schnappte blitzschnell zweimal nach dem Unterleibe, bevor er sich davonmachte. Der Hirsch brach nach wenigen Fluchten mit heraushängenden Eingeweiden zusammen. Ein andermal sah ich einen von drei Wildhunden verfolgten stolzen Hirsch über eine Waldblöße fliehen. Die Verfolger hatten nur Zeit, einigemal nach den Flanken zu schnappen, denn wir warfen uns dazwischen. Auch dieser Hirsch ging nur noch wenige Sachritte weit, fiel Dann und wurde von einem meiner Leute gespeert. Ihm war ebenfalls der Unterleib auf- und das Kurzwildbret abgerissen; auf der Innenseite einer Keule fehlten etwa 2 kg Fleisch. Ähnliche Verwundungen könnten leicht auch einem Tiger beigebracht werden." Die Fortpflanzungszeit fällt in den Winter. Die Tragzeit ist nicht genau bekannt, währt aber, laut Blanford, etwa 2 Monate. Die Hündin wirft von Januar bis März in Löchern und Höhlen sechs und manchmal noch mehr, nach Hodgson durchschnittlich aber bloß 2 - 4 Junge. Dieser Gewährsmann berichtet auch, daß es einmal gelungen sei, einen jungen Kolsum bis zu einem gewissen Grade zu zähmen; andere bleiben jahrelang gleich scheu und wild. Die allgemeine Erfahrung geht vorläufig dahin, daß diese Wildhunde entweder gar nicht oder doch nur äußerst schwierig zu zähmen sind. Die östliche Grenze der Verbreitung des indischen Wildhundes wird in Barma, überhaupt in den Ländern zwischen Assam und Tenasserim vermutet, und hier wird sich auch die ebenso zweifelhafte nordwestliche Grenze der Heimat des zweiten südasiatischen Wildhundes finden, welcher die Malayische Halbinsel, Sumatra und Java, vielleicht auch Borneo bewohnt. Der Malayische Wildhund oder Adjag (Canis [Cyon] rutilans, C. sumatrensis, Cuon Primaevus) ist kleiner und schwächer als sein indischer Verwandter und trägt ein gelblich fuchsrotes bis tief rostrotes, unterseits lichteres Haarkleid. Die Schwanzspitze ist schwarz.
Der Adjag scheint sich in seiner Lebens-und Jagdweise nicht wesentlich vom Kolsum zu unterscheiden, nur wird von ihm nicht berichtet, daß er großen und wehrhaften Tieren nachstelle, wohl aber, laut H. D. Forbes, wenigstens auf Sumatra und Java, daß er seinen Urin in der bereits vom Kolsum erzählten Weise verwende. Er findet sich auf den genannten Inseln, soviel bis jetzt bekannt, von etwa 1000 m Höhe an bis zum Meeresstrande, wo er, nach Junghuhn, zeitweilig einer eigenartigen Beute nachzustellen pflegt. "Als ich", schildert Junghuhn, "am 14. Mai 1846 aus dem Küstengebüsche des Tandjung-Sodong hervortrat und über das breite Sandgestade hinsah, bis zur jenseitigen Landzunge Pangarok oder Schildkrötenkrieg, glaubte ich ein Schlachtfeld vor mir zu erblicken. Hunderte von Gerippen der ungeheuer großen Schildkröten lagen auf dem Sande umher zerstreut. Einige schon in der Sonne gebleichte bestanden nur aus glatten Knochen, andere waren zum Teile noch von faulenden, stinkenden Eingeweiden erfüllt und wieder andere noch frisch und blutend: aber alle lagen auf dem Rücken. Hier ist der Ort, wo die Schildkröten auf ihrer nächtlichen Wanderung vom Saume des Meeres bis zu den Dünen und von da zurück zum Meere von den Wildhunden angefallen werden. Diese kommen in Trupps von 20 - 30 Stück, packen die Schildkröte an allen zugänglichen Teilen ihres umpanzerten Leibes, zerren an den Füßen, am Kopfe, am After, und wissen durch ihre vereinigte Kraft das Tier, ungeachtet seiner ungeheueren Größe, umzuwälzen, so daß es auf den Rücken zu liegen kommt. Dann fangen sie an allen Enden an zu nagen, reißen die Bauchschilder auf und halten an den Eingeweiden, dem Fleische und den Eiern ihr blutiges Mahl. Viele Schildkröten entfliehen ihrer Wut und erreichen, oft die zerrenden Hunde hinter sich herschleppend, glücklich das Meer. Auch eine erlangte Beute verzehren die Hunde nicht immer in Ruhe. In manchen Nächten geschieht es, daß der Herr der Wildnis, der Königstiger, aus dem Walde hervorbricht, einen Augenblick stille hält, stutzt, mit funkelnden Augen den Strand überspäht, dann leise heranschleicht und endlich mit einem Satze, unter dumpfschnaufendem Geknurre unter die Hunde springt, welche nun nach allen Seiten auseinander stieben und in wilder Flucht dem Walde zueilen. Ein abgebrochener, mehr pfeifender als knurrender Laut begleitet ihren Abzug. So führen sie in Wahrheit einen Kampf mit Bewohnern des Weltmeeres an einem Orte, außerordentlich wüst und schauervoll, welcher niemals von Javanen besucht wird, dem Wanderer aber, welcher die Wildnis durchirrt, schon aus der Ferne erkenntlich ist an der Menge von Raubvögeln, welche hoch in der Luft darüber kreisen." Aber auch in bevölkerten Gegenden, bis hoch ins Gebirge hinauf, betreibt der Adjag seine wilde Jagd. Wie Junghuhn im Jahre 1844 erfuhr, durchzieht er zuweilen in Meuten von einem Dutzend und darüber die halbbebauten Gaue eines Höhengürtels von ungefähr 1000 m über dem Meere, überfällt nachts Ziegen und selbst Pferde, welche man auf der Weide gelassen oder in der Nähe der Dörfer im Freien an einen Pfahl gebunden hat, greift sie gemeinschaftlich und gleichzeitig an, beißt sich am After und den Geschlechtsteilen fest, reißt ihnen die Augen aus und die weichen Teile des Bauches auf und weiß sie so zu bewältigen. Nach Versicherung der Javanen vergehen nach solchem Überfalle Jahre, in denen keine Spur von den wüsten Gästen bemerkt wird, ein Beweis, daß sie wie unser Wolf weit im Lande umherschweifen. Aus den Beobachtungen von Forbes wäre noch zu entnehmen, daß unsere Tiere, ungleich ihren indischen Verwandten, vorwiegend auch laut zu jagen pflegen: "Das Gebell", schreibt dieser Gewährsmann, "von Adjags erreichte oft mein Ohr, aber alle meine Bemühungen, sie beim Jagen zu beobachten, waren vergeblich. Sie sind so scheu und vorsichtig, daß es schwer ist, einen zum Schusse zu bekommen, und ich erhielt nur ein einziges Stück in schlechtem Zustande." Über Versuche, diesen Wildhund zu zähmen, sind keinerlei Mitteilungen zu finden. Ich sah einen Adjag im Tiergarten von Amsterdam, wohin er von Tscheribon (Java) gebracht worden war. In mancher Hinsicht ähnelt er dem zahmen Hunde. Er läuft, sitzt, liegt zusammengekauert wie dieser, "Er knurrt und zweifelt, legt sich auf den Bauch, Aber der erste Blick auf ihn genügt, um in ihm ein von unserem Hunde durchaus verschiedenes Tier zu erkennen. Allerdings läßt sich nicht so leicht beschreiben, worin der Unterschied liegt; allein der vergleichende Blick eines Naturkundigen, welcher lebende Tiere zu beobachten gewohnt ist, will meiner Ansicht nach nicht weniger sagen, als etwaige Maßunterschiede oder ein kleines Höckerchen mehr oder weniger auf einem beliebigen Zahne. Dem Adjag schaut der Wildhund so klar aus dem Gesichte heraus, daß man gar nicht zweifeln kann, wes Geistes Kind man vor sich hat. Kein einziger Haushund hat einen solchen Gesichtsausdruck wie irgend ein wilder; selbst der Hund der Eskimos ist, wenn man ihm ins Gesicht schaut, vom Wolfe zu unterscheiden: der Adjag aber sieht so wild aus wie nur irgend einer seiner freilebenden Verwandten. Der Gefangene in Amsterdam wurde nur mit Fleisch gefüttert; andere Stoffe rührte er nicht an. Gegen seine Wärter zeigte er nicht die geringste Anhänglichkeit. Er lebte in Feindschaft mit Menschen und Tieren. Bei Tage schlief er fast immer, nachts war er lebendig und raste oft wie unsinnig im Käfige umher. Mehr habe ich leider nicht erfahren können. Die Abbildung hat Mützels Künstlerhand nach zwei Adjags entworfen, die er 1881 im Tiergarten zu London beobachten konnte.
Als dritter im Bunde tritt in den Gebirgsländern Ost- und Mittelasiens der Alpenhund oder Alpenwolf, Subri der Sojoten und Burjäten, Dscherkul der Tungusen (Canis [Cyon] alpinus, Cuon alpinus) auf. Giebel hält ihn für eine Unterart unseres Wolfes, mit welchem er schon wegen der merklich geringeren Größe und abweichenden Behaarung und Färbung kaum verglichen werden kann; Gray findet durch Vergleichung seines und des Schädels vom Kolsum, daß er mit diesem große Ähnlichkeit hat, Scully hingegen weist nach, daß er sich von ihm durch viel größere obere Backenzähne unterscheidet. Ein schönes Stück des Berliner Museums ähnelt einem sehr großen zottigen Schäferhunde, hat breiten Kopf mit abgestumpfter Schnauze, mäßig großen Augen und mittelhohen, oben abgerundeten, außen und innen dicht behaarten Ohren, kräftige Glieder und langen, bis zum Boden herabreichenden Schwanz, ist 1,3 m lang, wovon der Schwanz 35 cm wegnimmt, und 45 cm hoch; der Pelz sehr lang, straff und hart, das zwischen den Grannen stehende Wollhaar dicht, weich und lang, die Fahne außerordentlich weich und buschig, das Haar der Oberseite an der Wurzel dunkel rötlichgrau, in der Mitte rostrot, an der Spitze schwarz oder weiß, wodurch hier eine fahlroströtliche Färbung hervorgebracht wird, während die Unter- und Innenseite sowie der Pfotenteil der Läufe blaß isabellgelb aussehen. Abgegrenzte Farbenfelder bemerkt man nur am Vorderteile der Beine, wo das allgemeine Rostfahlrot oder Rostfahlgelb der Oberseite neben dem lichten Isabellgelb der Unterseite als länglicher Flecken sich zeigt. Der Schwanz ist merklich dunkler als der Oberkörper, etwa fahlgrau. Das Ohr trägt außen rötlichgelbe, innen weißliche Behaarung. Über Verbreitung und Sitten des Tieres berichtet Radde. Der Alpenwolf tritt in den Gebirgen, denen die östlichen Quellzuströme des Jenissei entspringen, strichweise häufig auf, wird aber ebensowohl von den Burjäten und Sojoten wie von den russischen Jägern nicht gejagt, sondern nur beiläufig erbeutet. Mehr der geringe Wert seines groben Pelzes als die Furcht vor ihm ist Ursache, daß man ihm nicht besonders nachstellt. Sein Vorkommen scheint an gewisse Örtlichkeiten geknüpft zu sein, an solche, welche zu den wildesten Gebirgsgegenden gehören und von den Hirschen besonders gerne als Standorte gewählt werden. So ist er im Jagdgebiete der Karagassen westlich vom mittleren Okalaufe noch in Trupps von 10 - 15 Stück vorhanden und geht dort den Hirschen, ganz besonders den Hirschkühen und Kälbern, nach. Vereinzelter lebt er im Gebiete der Sojoten, namentlich am Schwarzen Irkut, wo er vornehmlich an Steinböcke sich hält. Im oberen Irkutthale hatte er im Jahre 1859 die Hirsche dergestalt versprengt, daß die Jagden auf sie erfolglos blieben. Im südlichen Apfelgebirge erkundigte sich Radde vergeblich nach ihm, erfuhr dagegen in den Hochsteppen Dauriens, daß der Dscherkul hier zuweilen vorkomme. In den Gebirgen des unteren Amur ist er häufig. Von den Jägern im Amurthale wird der Alpenwolf gefürchtet. Die von ihm gebildeten Meuten umzingeln ihre Beute und fällen sie sicher. Dem Jäger, welcher diese Raubtiere in größerer Anzahl antrifft, bleibt nichts übrig, als sich auf einen Baum zu flüchten. Hirsche und Steinböcke werden von den Alpenhunden zu Felsabstürzen getrieben, angeschossene Stücke verfolgt und sehr bald niedergerissen. Angesichts der Beute lassen sie einen pfeifend zischenden Laut vernehmen und stürzen sich so gierig auf den Fraß, daß man sich ihnen sehr gut nähern kann. Ein Radde bekannter Birar-Tunguse erlegte von vier Alpenhunden, welche ihm einen eben angeschossenen Hirsch streitig machten, drei nach einander, ohne daß die überlebenden durch das Zusammenstürzen der getöteten bei ihrer Mahlzeit sich hätten stören lassen. Von den kundigen Eingeborenen werden sie übrigens als sehr schlaue und schnelle Tiere geschildert. Starke, alte Männchen führen die Meute, und zwar nehmen gewöhnlich ihrer mehrere die Spitze. Erfahrene Jagdhunde folgen der Spur ihrer Verwandten nicht, kehren vielmehr wie nach erkannter Tigerspur furchtsam, mit gesträubtem Rückenhaare, zum Herrn zurück. Das Fleisch wird nicht gegessen, das Fell von den russischen Kaufleuten nicht begehrt. Von Radde verlangte man freilich 6 - 10 Rubel, aber nur, weil man merkte, wie viel ihm an einem vollständigen Balge gelegen war. In einer Beziehung der vorgeschrittenste aller Hunde ist der Waldhund der brasilianischen Urwälder, der die letzte Untergattung der wolfsartigen Hunde bildet. Diese Untergattung (Icticyon) wird gekennzeichnet durch das gewöhnlich nur noch aus 36 Zähnen bestehende Gebiß, wie es kein anderer Hund besitzt. Der Wald- oder Buschhund (Canis [Icticyon] venaticus, Cynogale venatica, Cynalicus melanogaster), der von manchen Schriftstellern zu den Mardern gestellt worden ist, hat eine dicken, kurz- und breitschnauzigen Kopf, einen mittelgroßen, gedrungenen Körper mit kurzen, kräftigen Beinen und kurzem Schwanze. Der ziemlich langhaarige Pelz ist im großen und ganzen braun. Das dunkle Gesicht erinnert an das des Vielfraßes. Das seltene Tier führt ein nächtliches Leben im dichten Urwalde, und deswegen ist auch fast nichts über sein Wesen und Treiben bekannt. Kappler berichtet über ihn aus Surinam: "Er soll im Innern vorkommen und in Rudeln jagen. Ich bin ihm zwar nie begegnet, doch brachte man mir einen halbwüchsigen lebend. Er war außer dem 6 Zoll langen, kurz behaarten Schwanze bei 2 Fuß lang und 1 Fuß hoch, dunkel grauschwarz von Farbe, Hals und Kopf gelbbraun. Er war äußerst wild, fraß nichts und kläffte und knurrte, sobald man sich dem Käfige näherte, weshalb ich ihn tötete." Ein junger Waldhund, welcher im Londoner Tiergarten gepflegt wurde, benahm sich gänzlich wie ein verspielter junger Hund. |
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| © multi MED vision - Berliner Medizinredaktion, 1992-2010. Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht: Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung möglich. Impressum. |
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