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Ist Vitamin K3 Hundefutter notwendig?


  • Ich habe gelesen, dass Vitamin K3 bei Hunden Allergien auslösen kann. Auf den Hundefutter-Verpackungen ist aber nichts angegeben. Welche Nahrungsmitteln enthalten dieses Vitamin, was bewirkt es im Körper?

  • Provitamin K3 ist eine künstlich hergestellte Vitamin-Vorstufe, die in Nahrungsmitteln für gesunde Hunden überflüssig ist.

Abschnitt Vitamin K (zitiert aus: aus: Meyer, H., Zentek, J.: Ernährung des Hundes - Grundlagen, Fütterung, Diätetik. Parey Buchverlag, Berlin, 1998.)

Kommentare durch R. H. Bubenzer (bb), Ernährungsberater Fressi-Fressi.de; Farbliche Hervorhebung durch bb.

Vitamin K ist für die Prothrombinbildung sowie Produktion anderer Blutgerinnungsfaktoren (VII, IX, X) notwendig. Ein Mangel verzögert die Blutgerinnung; in schweren Fällen treten Blutungen (Blutergüsse) auf.

- alles wie beim Menschen auch - Vitamin K1 (Phyllochinon) und K2 (Menachinon) kommen in der Natur vor - Vitamin K3 (Menadinon), Vitamin K4 (Menadiolester) u.a. sind synthetisch (=künstlich hergestellt)

Der Hund ist nicht ausschließlich auf eine exogene Zufuhr an Vitamin K angewiesen, da offenbar erhebliche Vitamin-K-Mengen von der Darmflora synthetisiert und vom Wirt genutzt werden. Aus diesem Grund liegen die Bedarfswerte bei erwachsenen Tieren mit vollentwickeltem Darmtrakt wesentlich niedriger (10 µg) als bei neugeborenen (20 µg/kg KM/Tag). Für reproduzierende Hündinnen sollte aus Sicherheitsgründen die doppelte Menge des Erhaltungsbedarfs vorgesehen werden. Futtermittel mit einem Gehalt von 50 µg/100g TS vermögen den genannten Bedarf zu decken.

- hier beginnt die Märchenstunde von Wissenschaft und Futterproduzenten: "Vitamine sind organische Verbindungen, die vom Organismus für lebenswichtige Funktionen benötigt werden, aber im Stoffwechsel nicht oder nicht in ausreichendem Umfang synthetisiert werden können und regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden müssen", heißt es im Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage. Wenn eine Substanz in einem Organismus in erheblichen Mengen produziert wird, ist es kein Vitamin, sondern irgendwas anderes... (zum Beispiel einfach nur ein Nährstoff).

- Die Festlegung eines "Bedarfswertes" entspricht dann der Angst vor (rechtlichen) Konsequenzen, nicht den belegbaren wissenschaftlichen Begründungen: "Obwohl es zweifelhaft ist, daß ergänzende Vitamin K-Gaben beim normalen Hund notwendig sind, mag es umsichtig sein, Hunde mit ... Vitamin K (oder Vitamin K-Äquivalenten) zu versorgen", sagt denn auch das National Research Council: Nutrient Requirements of Dogs, Revised 1985. Washington D.C., 1985.

- Noch knackiger: "Beim Hund ist ein exogener Bedarf für Vitamin K bisher nicht bewiesen, die hauptsächliche Quelle für Vitamin K und seine Analoge sind die Darmbakterien", sagen der Ausschuss für Bedarfsnormen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung der Hunde. DLG-Verlags-GmbH, Frankfurt (Main), 1989.

Unter den Futtermittel sind besonders Fischmehl, Leber, Grünfutter und Grünmehl reich an Vitamin K (rd. 10 mg/100 g TS). Zur Substitution eines Vitamin-K-Mangels stehen synthetische Vitamin-K-Präparate zur Verfügung. Das Provitamin K3 (2-Methyl-1,4-Naphtochinon; Menadion) ist bei gestörter Darmflora wenig wirksam, da erst nach Ankoppelung der Phytylseitenkette durch die Keimflora im Darmkanal die volle Aktivität erreicht wird.

- Ja, für die Substitution (=Ersatzbehandlung bei Mangel) gibt es synthetische Vitamin K-Präparate. Die Existenz solcher Mittel begründet aber nicht ihren tatsächlichen Bedarf (siehe unten)!!

- Übrigens gibt's noch eine wissenschaftliche Unsauberkeit: Vitamin K3 ist kein Vitamin, sondern ein Provitamin. Das bedeutet, Provitamin K3 muß erst im Darm zu Vitamin K umgewandelt werden, bevor es seine biologischen Wirkungen zum Beispiel hinsichtlich der Blutgerinnung entfalten kann.

- Hinsichtlich eventueller toxischer (=giftiger) Effekte sind diese Umwandlungen durch Darmbakterien jedoch unwichtig. Menadion in höheren Dosierungen kann auch ohne Darmbakterien giftig wirken.

Spontane Vitamin-K-Mangelzustände wurden bisher bei ausgewachsenen Hunden nicht beobachtet. Ein sekundärer Mangel ist bei Störungen des Galleflusses, Vernichtung der Darmflora durch hohe Dosen enteral wirksamer Antibiotika oder Sulfonamide möglich, ebenso wie nach Aufnahme von Vitamin-K-Antagonisten (Dikumarole), die in Rattengiften verwendet werden. Blutgerinnungsstörungen bei neugeborenen Welpen, deren Mütter offenbar unterversorgt waren, ließen sich durch Vitamin K erfolgreich behandeln.

- Eben, das ist die Kernbotschaft!

- Tja, und die Aussagen zum sekundären Mangel (=in Folge von Krankheiten und anderen Ursachen entstehend) sind wahrscheinlich irgendwelcher Fachliteratur entnommen. In der Hunde-Wirklichkeit ist dieser Mangel, wie Tierärzte gerne sagen, ein „Kolibri“, eine seltene Rarität. Selbst wenn nicht, gehört das Provitamin nicht ins Futter, sondern in - aus medizinischen Gründen tierärztlich verordnete - Arzneimittel.

- das mit den neugeborenen Welpen und den unterversorgten Muttertieren ist vermutlich Ergebnis eines vorsätzlichen Tierversuchs. Die Autoren lassen uns über die Quelle dieser Aussage leider im unklaren...

 

- Eine Anmerkung zur Giftigkeit von Provitamin K3 (Menadion): Menadion oder ähnliche Stoffe deaktivieren das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen. Folge: Nach Sauerstoffmangel entsteht Blutarmut, die roten Blutkörperchen lösen sich übermäßig schnell auf und es kommt zu Gelbsucht. Und dies ist nur einer der zahlreichen toxischen Effekte (zitiert nach Wilhelm Friedrich: Handbuch der Vitamine. Urban & Schwarzenberg, München, 1987.)

- Der Autor dieses Handbuchs begründet knapp und trocken auch den Einsatz von Menadion: "Da das Phyllochinon für die Tierfütterung zu teuer ist, benutzt man das billigere Menadion".

- Haben Sie immer noch nicht genug?: "Handelsformen des Vitamins K dienen häufig der Geflügelfütterung. Hühner sind gegen Vitamin K-Mangel besonders empfindlich und auf Vitamin-K-Gaben angewiesen." Eine Ursache des Vitamin K-Mangels: Dauerfütterung von Antibiotika.

µg bedeutet Mikrogramm (tausendstel Gramm); TS heißt Trockensubstanz (=ohne Wasser)

Rainer H. Bubenzer, Ernährungsberatung Fressi-Fressi.de

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